Zwölf Lieder aus Scheffel's Gaudeamus für Bass

Song Cycle by Adolf Jensen (1837 - 1879)

Word count: 2378

1. Ausfahrt [sung text not yet checked]

Berggipfel erglühen,
Waldwipfel erblühen,
vom Lenzhauch geschwellt.
Zugvogel mit Singen
erhebt seine Schwingen,
ich fahr' in die Welt!

Mir ist zum Geleite
in lichtgoldnem Kleide
Frau Sonne bestellt.
Sie wirft meinen Schatten
auf  blumige Matten.
Ich fahr' in die Welt!

Mein Hutschmuck die Rose,
mein Lager im Moose,
der Himmel mein Zelt;
mag lauern und trauern,
wer will, hinter Mauern
ich fahr' in die Welt!

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2. Lied fahrender Schüler [sung text not yet checked]

O liberales clerici
nû merchet rehte wie dem sî.
Date: vobis dabitur
ir sült lân offen iwer tür
Vagis et egentibus
so gewinnet ihr daz himmelhûs,
et in perenni gaudio
alsus alsô, alsus alsô!

Pfarrherr, du kühler, öffne dein Tor,
Fahrende Schüler stehen davor.
Fahrende Schüler, unstete Kind,
Singer und Spieler, wirbliger Wind.
Eisern die Kehlen, Mägen von Erz,
Goldklare Seelen ... doch keiner begehrt's.
Kleidung ist dünne, Spreitung ist roh,
Ach und die Minne?... im Heu und auf Stroh.

Pfarrrherrr, du kühler, öffne dein Tor,
Fahrende Schüler stehen davor.
Franken und Schwaben kennen uns gut,
Lüftige Knaben, fräßige Brut.
Müssen uns nähren, Gotteserbarm,
Gleich dem verheerenden Heuschreckenschwarm.
Was wir durchstrichen, Bergflur und Tal,
Alles verblichen, abgegrast, kahl.

Pfarrrrherrrr, du kühler, öffne dein Tor,
Fahrende Schüler stehen davor!
Sparst du den Habersack, knaus'riger Kropf,
Packen zum Schabernack wir dich am Kopf,
Ziehen die Hosen, den Kuttrock dir aus,
Hängen die losen vors Fenster als Strauß.
Wer um den süßen Labtrunk uns klemmt,
Der muß uns büßen in Strümpfen und Hemd.

Pfarrherr, du kühler, öffne den Turm,
Fahrende Schüler rüsten zum Sturm!
Ho, ho, heiadihoh!
Avoy, avoy, alez avanz!
Alsûs alsô, alsûs alsô!
Ho, ho, heiadihoh, hoh, ho, ho!

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3. Altassyrisch [sung text not yet checked]

Im Schwarzen Walfisch zu Askalon
Da trank ein Mann drei Tag,
Bis daß er steif wie ein Besenstiel
Am Marmortische lag.

Im Schwarzen Walfisch zu Askalon
Da sprach der Wirt: «Halt an!
Der trinkt von meinem Dattelsaft
Mehr als er zahlen kann.»

Im Schwarzen Walfisch zu Askalon
Da bracht' der Kellner Schar
In Keilschrift auf sechs Ziegelstein
Dem Gast die Rechnung dar.

Im Schwarzen Walfisch zu Askalon
Da sprach der Gast: «O weh!
Mein bares Geld ging alles drauf
Im Lamm zu Niniveh!»

Im Schwarzen Walfisch zu Askalon
Da schlug die Uhr halb vier,
Da warf der Hausknecht aus Nubierland
Den Fremden vor die Tür.

Im Schwarzen Walfisch zu Askalon
Wird kein Prophet geehrt,
Und wer vergnügt dort leben will,
Zahlt bar, was er verzehrt.

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4. Die Maulbronner Fuge [sung text not yet checked]

Im Winterrefektorium
Zu Maulbronn in dem Kloster
Da geht was um den Tisch herum,
Klingt nicht wie Paternoster:
Die Martinsgans hat wohlgetan,
Eilfinger blinkt im Kruge,
Nun hebt die nasse Andacht an
Und alles singt die Fuge:
A.V.K.L.W.H.
Complete pocula!

Der Abt Johannes Entenfuß
Kam unwirsch hergewatschelt:
»Was wird so spät als Festtagschluß
Beim Geigenschall gefratschelt?
Laßt ab, Ihr stört den Doktor Faust
Im Gartenturm dahinten:
Wenn solch ein Singsang zu ihm braust,
Kann er kein Gold nicht finden:
A.V.K.L.W.H.
Cavete scandala!«

Derweilen bracht der Zellerar,
Herr Godefrit von Niefern,
Den Sankt Martinuszuspitz dar
Vom Keller mit den Küfern.
Der rief: »Herr Abbas, was Ihr sagt,
Soll man in Züchten ehren,
Doch wenn kein andrer Schmerz Euch plagt,
So mögt Ihr uns nicht wehren:
A.V.K.L.W.H.
Der Faust sitzt selbst schon da!«

Der Faust saß rückwärts an der Wand
Und trank vergnügt im Dunkeln,
Nun ließ der blasse Nekromant
Sein Glas am Licht karfunkeln
Und sprach: »Ich brüt' schon Tag und Jahr
Am schwarzen Zauberbuche
Und merk' erst heut, ich bin ein Narr,
Daß ich das Gold dort suche:
A.V.K.L.W.H.
Das echte Gold ist da!«

»Mit Hermes Trismegistos List
Wird keins erlaborieret,
Die Sonne ist der Alchimist,
Der's flüssig destillieret:
Wenn's durch die Adern glüht und rollt
Mit des Eilfingers Wonnen,
Dann habt Ihr Gold, habt echtes Gold,
Und ehrlich selbst gewonnen.
A.V.K.L.W.H.
Haec vera practica!«

Da lacht der Abt:»Mit solcher Lehr'
Zwingt Ihr auch mich zum Kruge,
Denn All Voll, Keiner Leer, Wein Her
Ist eine feuchte Fuge.
Als Fausti Goldspruch lass' ich sie
Jetzt in den Kreuzgang malen,
Man kennt die ganze Melodie
Schon an den Initialen:
A.V.K.L.W.H.
Sit vino gloria!«

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5. Das Hildebrandlied [sung text not yet checked]

            Hiltibraht enti Handhubrant ...

Hildebrand und sein Sohn Hadubrand, Hadubrand,
Ritten selbander in Wut entbrannt, Wut entbrannt
Gegen die Seestadt Venedig.

Hildebrand und sein Sohn Hadubrand, Hadubrand,
Keiner die Seestadt Venedig fand, Venedig fand,
Da schimpften die beiden unflätig.

Hildebrand und sein Sohn Hadubrand, Hadubrand,
Ritten bis da, wo ein Wirtshaus stand, Wirtshaus stand,
Wirtshaus mit kühlen Bieren.

Hildebrand und sein Sohn Hadubrand, Hadubrand,
Trunken sich beid' einen Riesenbrand, Riesenbrand,
Krochen heim auf allen vieren.

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6. Die Heimkehr [sung text not yet checked]

Der Pfarrer von Aßmannshausen sprach:
«Die Welt steckt tief in Sünden,
Doch wo der Meister Josephus steckt,
Weiß keiner mir zu künden.»
 
Und als man rüstet auf Weihnachtzeit,
Da war der Rhein gefroren,
Da stund ein Mann in Pilgramskleid
Wohl vor des Pfarrhofs Toren:
 
«Herr Pfarr', Ihr sollt mir Indulgenz
Und sollt mir Ablaß spenden,
Daß sich mein arm trübtraurig Herz
Zu neuer Freud' mag wenden.
 
Herr Pfarr', es war nicht wohlgetan,
Vom rheinischen Land zu scheiden,
Man trifft halt doch kein zweites an,
So weit man auch mag reiten.
 
Bis hundert Stunden hinter Lyon
Bin ich ins Frankreich kommen,
Manch gutes Frühstück von Austern und Sekt
Hab' ich zu mir genommen.
 
Ich hab' zu Marseille im Café Türk
Unter Heiden und Mohren gesessen,
Ich hab' am Pyrenäengebirg'
Lauch und Garbanzos gegessen.
 
Noch saust der Kopf mir, wenn ich gedenk'
Der Seealpenmaid Filumene:
Zigeunerbraun Antlitz, kohlschwarzkraus Haar,
Wie Elfenbein glänzend die Zähne.
 
Doch verpecht und verschwefelt ist alles Land
Ohne Freunde und Lieder und Liebe;
Vom Fieber geschüttelt und abgebrannt
Kehr' ich heim aus dem fremden Getriebe.»
 
Der Pfarr' von Aßmannshausen sprach:
«Wohlauf, bußfertige Seele,
Mit unserm altheiligen Purpurwein
Salbe dir Lippen und Kehle.
 
Zu demselbigen Wein drei Tag, drei Nacht
In dunkelen Keller dich schließe
Und halt' bei den Fässern trinkend Wacht,
Daß Gnade sich über dich gieße.
 
In Krone und Anker ergib dich sodann
Den geistlichen Übungen fleißig,
Und erst bei des nächtlichen Wächters Nahn
Dem Chorgesange entreiß' dich.
 
Dann wird der Himmel ein Zeichen tun,
Er läßt keinen Büßer verderben:
Ein lichtes Weingrün, ein dunkles Rot
Wird Nase und Stirn dir färben.
 
Und prangt dein Gesicht in solchem Ton,
Dann wird dein Trübsinn sich hellen,
Dann magst du, o lang' verlorener Sohn,
Den alten Freunden dich stellen.
 
Wir sind die Alten; noch klingen beim Wein
Die Lieder von damals zu Berge,
Vom >Spatzen< und vom >Stieglitz fein<
Und der >sommerverkündenden Lerche<.
 
Wir sind die Alten, wir haben dich gern;
Laß das Herz nicht von Kummer umnachten:
Und hätt'st du noch ärger geschwärmt in der Fern',
Ein Kalb auch würden wir schlachten.»
 
Da seufzte der Pilgram mit Tränen im Aug':
«O Pfarr' von Aßmannshausen,
Wie Ihr, gottwohlgefälliger Mann,
Sprach keiner mit mir da draußen.
 
Nun stoß' ich meinen dürren Stab
In diese geweihte Erde,
Daß er in neuem Blatt und Laub
Ein Schattendach mir werde.
 
Nun ströme, du rheinisch Traubenblut,
Du Hort unsäglicher Gnaden;
In deiner verjüngenden Feuerflut
Will ich gesund mich baden.»

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Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

7. Perkêo [sung text checked 1 time]

Das war der Zwerg Perkêo im Heidelberger Schloß,
An Wuchse klein und winzig, an Durste riesengroß.

Man schalt ihn einen Narren, er dachte: »Liebe Leut',
Wärt ihr wie ich doch alle feuchtfröhlich und gescheut!«

Und als das Faß, das große, mit Wein bestellet war,
Da ward sein künftiger Standpunkt dem Zwergen völlig klar.

»Fahr' wohl«, sprach er, »o Welt, du Katzenjammertal,
[Was sie auf dir hantieren, ist Wurst mir und egal!]1

Um lederne Ideen rauft man manch heißen Kampf,
[Es ist im Grund]2 doch alles nur Nebel, Rauch und Dampf.

Die Wahrheit liegt im Weine. Beim Weinschlurf sonder End'
Erklär' ich alter Narre fortan mich permanent.«

Perkêo stieg zum Keller; er kam nicht mehr herfür
Und sog bei fünfzehn Jahre am rheinischen Malvasier.

War's drunten auch stichdunkel, ihm strahlte inneres Licht,
Und wankten auch die Beine, er trank und murrte nicht.

Als er zum Faß gestiegen, stand's wohlgefüllt und schwer,
Doch als er kam zu sterben, klang's ausgesaugt und leer.

Da sprach er fromm: »Nun preiset, ihr Leute, des Herren Macht,
Die in mir schwachem Knirpse so Starkes hat vollbracht:

Wie es dem kleinen David gegen Goliath einst gelang,
Also ich arm' Gezwerge den Riesen Durst bezwang.

Nun singt ein De Profundis, daß das Gewölb' erdröhnt,
Das Faß steht auf der Neige, ich falle sieggekrönt.«

... Perkêo ward begraben. -- Um seine Kellergruft
Beim leeren Riesenfasse weht heut noch feuchte Luft,

Und wer als frommer Pilger frühmorgens ihr genaht:
Weh' ihm! Als Weinvertilger durchtobt er nachts die Stadt.

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  • ENG English (Iain Sneddon) , "Perkêo", copyright © 2019, (re)printed on this website with kind permission

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1 Jensen: "Der Menschheit ruh los Trieben schient nichtig mir und schal!"
2 Jensen: "Im Grunde ist"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Iain Sneddon [Guest Editor]

8. Der Fünfundsechziger [sung text not yet checked]

In luftiger Trinkkemenaten
-- Den Ort gesteht man nicht ein --
Da prüften drei späte Nomaden
Den edelsten pfälzischen Wein.
Aus rötlichen Römern erblinkte
Des Rieslings feinperlendes Gold,
Des Höhensaums Rebgeländ' winkte
Im Mondschein den Trinkenden hold.

Der erste, ein weitum gereister
Philologus, spitzte den Mund:
»Das kochten uns Erdfeuergeister
Mit Äther und Sonne im Bund.
Drum flutet's und glutet im Becher
Geistfunkelnd, sanftrhythmisch und voll,
Als sängen homerische Zecher
Ein jonisches Kneiplied in Moll.«

Der zweite, ein trockener Kenner
Und Deuter des römischen Rechts:
»Proficiat«, sprach er, »ihr Männer,
Wir läppern allhiero nichts Schlechts.
Wer schaut nicht, wenn bacchisches Donum
So goldklar im Kelchglase scheint,
Das Justum, Aequum et Bonum
In diesem Römer vereint?«

Der dritte, der putzte die Lichter,
Die mächtig heruntergebrannt,
Und sprach: »Zwar bin ich kein Dichter
Und kunstlos und schlicht von Verstand;
Doch nähert sich solch einem Schoppen
Mein Herz ... dann überwallt's ...
's is halt e verflucht feiner Troppen,
Ich segne die Hügel der Pfalz!«

Derweilen ging draus auf dem Damme
Spießtragend ein vierter vorbei,
Der blies eine wundersame
Gewaltige Melodei:
»Ihr Herren, und lasset Euch sagen,
Die Stadtgemeinde braucht Schlaf,
Die Glocke hat eilf Uhr geschlagen,
Wer jetzt nicht zu Bett geht, zahlt Straf'.«

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9. Wer reit't mit sieben Knappen [sung text not yet checked]

Wer reit't mit zwanzig Knappen ein
Zu Heidelberg im Hirschen?
Das ist der Herr von Rodenstein,
Auf Rheinwein will er pirschen.

»Hollaheh! den Hahn ins Faß! schenkt ein,
Ich fürcht', die Kehlen rosten!
Wir wöll'n ein Jahr lang lustig sein,
Und sollt's ein Dorf auch kosten!

Ein Dorf, was ist's?... Nur Mist und Rauch,
Ich hab' ja ihrer dreie ...
Gersprenz und Pfaffenbeerfurt auch
Und Reichelsheim, das treue!«

Trommeten klangen mit Schalmei'n
Und Pauken um die Wette,
Zwölf Monden saß der Rodenstein
Beim fürstlichen Bankette.

Und als er sich nach Jahr und Tag
Die Rechnung hergewunken,
Da sprach er: »Blitz und Donnerschag!
Jetzt ist Gersprenz vertrunken!
   Gersprenz ist hin!
   Gersprenz ist fort!
   Gersprenz der fromme, der züchtige Ort,
   Gersprenz ... ist ... veritrunken.

Hollaheh! doch wie man's treibt, so geht's,
Was liegt an dem Verlurste?
Man spricht vom vielen Trinken stets,
Doch nie vom vielen Durste.
   Gersprenz ist hin!
   Gersprenz ist fort!
   Gersprenz der fromme, der züchtige Ort,
   Gersprenz ... ist ... veritrunken.«

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10. Wer reit't mit sieben Knappen [sung text not yet checked]

Wer reit't mit sieben Knappen ein
Zu Heidelberg im Hirschen?
Das ist der Herr von Rodenstein,
Auf Rheinwein will er pirschen.

»Hollaheh! den Hahn ins Faß! schenkt ein!
Ich fürcht', die Kehlen rosten!
Wir wöll'n ein halb Jahr lustig sein,
Und sollt's ein Dorf auch kosten!

Ein Dorf, was ist's?... Ein rußig Loch,
Und ich hab' ihrer zweie,
Ich hab' ja Pfaffenbeerfurt noch
Und Reichelsheim, das treue.«

Trommeten klangen mit Schalmei'n,
Die Pauken täten schweigen ...
Sechs Monden saß der Rodenstein
Beim süßen Rheinweinreigen.

Und als nach halber Jahresfrist
Der Rechnung er gewunken,
Da sprach er: »Hollaheh! jetzt ist
Auch Reichelsheim vertrunken!
Reichelsheim ist hin!
Reichelsheim ist fort!
Reichelsheim, der treue, schnapsbrennende Ort,
Reichelsheim ... ist ... veritrunken.

Hollaheh! doch wie man's treibt, so geht's!
Was liegt an dem Verlurste?
Man spricht vom vielen Trinken stets,
Doch nie vom vielen Durste.
Reichelsheim ist hin!
Reichelsheim ist fort!
Reichelsheim, der treue, schnapsbrennende Ort,
Reichelsheim ... ist ... veritrunken.«

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11. Wer wankt zu Fusse [sung text not yet checked]

Wer wankt zu Fuße ganz allein
Gen Heidelberg zum Hirschen?
Das ist der Herr von Rodenstein,
Vorbei ist's mit dem Pirschen.

»Herr Wirt, ein Kännlein dünnes Bier
Und einen Harung im Salze!
Ich hab' vom vielen Malvasier
Das Zipperlein am Halse.

Der schönste, größte Durst der Pfalz
Muß früh in Ruh'stand sinken;
Das letzte Dorf des Odenwalds
Kann ich nicht mehr vertrinken.

Einen Notary ruft herein,
Der schreib' die Testamenten:
Pfaffenbeerfurt soll der Hochschul' sein,
Mein Durst den Herrn Studenten!

Stets bin ich alter Mann gerührt,
Seh' ich die wackern Jungen,
Und schlucken sie wie ich, so wird
Dereinstmals doch gesungen:
Pfaffenbeerfurt ist hin!
Pfaffenbeerfurt ist fort!
Pfaffenbeerfurt, die duftige Mistfinkenhöhl',
Pfaffenbeerfurt, des Odenwalds Kronjuwel,
Pfaffenbeerfurt ... ist ... veritrunken!

Hollaheh! doch wie man's treibt, so geht's!
Was liegt an dem Verlurste?
Man spricht vom vielen Trinken stets,
Doch nie vom vielen Durste.
Pfaffenbeerfurt ist hin!
Pfaffenbeerfurt ist fort!
Pfaffenbeerfurt, die duftige Mistfinkenhöhl',
Pfaffenbeerfurt, des Odenwalds Kronjuwel,
Pfaffenbeerfurt ... ist ... veritrunken!«

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12. Der Willekumm [sung text not yet checked]

Und als der Herr von Rodenstein
Zum Frankenstein sich wandte,
Empfing er seinen Ehrenwein,
So wie es Brauch im Lande.
In Beerbach vor dem Rathaus bracht'
Der Zentgraf mit den Bauern
Den Kauzenkrug. Der Alte lacht:
»Nur her mit Euerm Sauern!
Ihr Mannen macht das Armbein krumm,
Der Willekumm gaht um, gaht um,
Holliro, das Bauernkäuzlein
Gaht um, gaht um!«

Als er von dort sich durchgezerrt
Zur Frankensteiner Linde,
Stand Weg und Durchpaß dicht gesperrt
Vom jungen Burggesinde:
Ein Reiterstiefel lebensgroß
Von Ton, ein feinbemalter,
Ward ihm gefüllt kredenzt aufs Roß
Und alles sang den Psalter:
»Ihr Mannen, macht das Armbein krumm,
Der Willekumm gaht um, gaht um,
Holliro, der große Stiefel
Gaht um, gaht um!«

Im Burghof grüßt' ein zweiter Schwarm
Ihn mit Kartaunenzündung,
Da schwang der Burgherr selbst im Arm
Des zweiten Stiefels Ründung.
Des Schloßbergs Feinsten goß man ein
Und würdig sprach der Ritter:
»Herr Nachbar, nit auf eynem Bein!
Der hier schmeckt auch nicht bitter.
Ihr Mannen, macht das Armbein krumm,
Der Willekumm gaht um, gaht um,
Holliro, der große Stiefel
Gaht um, gaht um.«

Der Rodenstein trank aus und rief:
»Gott segne deine Nase!
Die meine bog sich beinah schief
Von solchem Strom im Glase.
Jetzt wöll'n wir in dem Rittersaal
Ausruhn vom ersten Tosen;
Mir ahnt, dort füllt dein Eh'gemahl
Das Trinkhorn Karls des Großen.
Und nochmals heißt's: das Armbein krumm,
Der Willekumm gaht um, gaht um,
Holliro, des Kaisers Hörnlein
Gaht um, gaht um.«

... Beim Abschied andern Morgens war
Ein Nebel weit und breite,
Da bracht' man ihm das Stammbuch dar
Zum Eintrag, eh' er scheide.
Und zittrig schrieb er: »Kund soll sein,
Daß ich hie eingeritten
Und lob' das Haus zum Frankenstein
Als Haus von guten Sitten:
Der Willkumm hat mir so gemund't,
Daß ich das Bett nicht finden kunnt',
Holliro, nicht nur der Stiefel,
's ging alles um

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