Lettische Volkslieder für 1 Singstimme mit Pianoforte

by Ādams Ore (1855 - 1927)

Word count: 1521

1. Schaukle Nachen, leis und trage [sung text checked 1 time]

Schaukle, Nachen, leis und träge
mich zu Nachbars grünem Strand;
weben dort drei schmucke Töchter
Segel mit der weißen Hand.

Strickt die eine, spinnt die andre, 
feiner doch die dritte stickt;
Mütterlein, das Schätzchen lass mir, 
das mit bunter Seide stickt!

Wird das Liebchen nicht mein Bräutchen, 
sterb’ vor Kummer ich und Gram;
Ach, wo wollt ihr mich begraben,
wenn der Schmerz mein Leben nahm?

Dort im schönen Rosengärtchen
ward er tief in’s Grab gelegt, 
wo die schattenreiche Linde 
neun belaubte Arme trägt.

Jeden Sonntag nahten Mädchen, 
flochten Kränzlein im Verein, 
gingen mit den grünen Kränzen 
zur Marienkirche ein.

Weinend frug die heil'ge Mutter:
„Mädchen, sagt, woher der Kranz?“ 
„Gaben teures Geld in Riga,
Goldschmied gab ihm schönen Glanz.“

„Lüget nicht, ihr eitlen Mädchen!
Mahnt euch nicht des Knaben Herz?
Mahnt euch nicht sein junges Leben, 
hingeschwunden still im Schmerz?“

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2. Deine Zweige wuchsen niedrig [sung text checked 1 time]

Deine Zweige wuchsen niedrig,
Eiche du im grünen Tal!

Mädchen froh am Hügel plaudern,
brechen deinen Blätterschmuck!

Raubt, ihr Mädchen, nach Gefallen,
schont die zarten Reiser nur!

Lasst der Eiche grüne Reislein,
lieber Vöglein laub’gen Sitz!

Dort mit goldnen Flügeln nahet
schon die liebe Nachtigall.

Kam die Nachtigall geflogen?
Nein, des Knaben Liebchen war's!

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3. Horch, was singet spät am Abend [sung text checked 1 time]

Horch, was singet spät am Abend,
wenn die liebe Sonne fern?
Arme Waisenkinder singen,
frönend ihrem harten Herr'n.

Und am warmen Feuer rinnen
ihre Thränen voll und hell, 
bittern Brotes harte Rinde 
netzen sie im kühlen Quell.

Sonne legt zu später Stunde
nieder sich ins gold'ne Boot;
und das gold'ne Bötchen schaukelt, 
steht sie auf ums Morgenrot.

Sonne, sag' uns, wie so lange
säumst du heut' am Ruheort?
„Arme Waisen musst' ich wärmen
hinter grünem Hügel dort!“

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4. Hab' es nicht als Kind gesehen [sung text checked 1 time]

Hab' es nicht als Kind gesehen,
als das Mütterlein mir starb;
jetzt nach langem Suchen fand ich
meiner lieben Mutter Grab.

Auf dem weißen, sand’gen Hügel, 
unter grünem Rasenschmuck, 
unter jenem grünen Rasen
ruht mein liebes Mütterlein.

Ach erwache, teure Mutter!
Rasen wälz' ich dir vom Haupt, 
höre, was die fremde Mutter 
deiner Waise Leides tut.

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5. Sonne eilt am Himmel droben [sung text checked 1 time]

Sonne eilt am Himmel droben,
lässt im Schatten mich allein.
Nimmer scheint mir warm die Sonne,
hab' ich doch kein Mütterlein!

Warte doch, du liebe Sonne,
hör' mir nur ein Weilchen zu, 
Mütterchen am Abend rufe 
tausend, tausend Grüße du!

Nieder, nieder geht die Sonne;
ferne, fern das Mütterlein!
Ob ich eile, ob ich laufe,
nimmer holt mein Ruf es ein!

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6. Ei Mägdlein holde [sung text checked 1 time]

Ei, Mägdlein holde
mit Haar von Golde,
wo pflücktet ihr die Rosen,
wo wandet ihr den Kranz?

„In Moskau fanden,
in Moskau banden
wir uns die Rosenkränze,
in Danzig welkten sie!“

Sagt, ob ihr kennet,
sagt, wie ihr nennet
wohl unter hundert Trinkern,
mein eigen Väterlein?

Ein silbern Fässchen, 
demanten Gläschen, 
das ist mein guter Vater, 
ein grosser Trinker ist's!

Ei Mägdlein holde,
mit Haar von Golde,
wo pflücktet ihr die Rosen, 
wo wandet ihr den Kranz?

Sagt,ob ihr kennet,
sagt, wie ihr nennet
von hundert Spinnerinnen
mein eigen Mütterlein?

Ein silbern Rädchen,
demanten Fädchen, 
das ist meine Mutter, 
die grosse Spinnerin!

Ei Mägdlein holde,
mit Haar von Golde,
wo pflücktet ihr die Rosen, 
wo wandet ihr den Kranz?

Sagt, ob ihr kennet,
sagt, wie ihr nennet
von hundert Weberinnen
mein eigen Schwesterlein?

Silberner Webstuhl,
demantne Webspul',
das ist meine liebe Schwester, 
die grosse Weberin!

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7. Sah am schönen Meeresstrande [sung text checked 1 time]

Sah am schönen Meeresstrande
drei der Fischer müßig steh'n;
seid'ne Netze, Silbersegel,
golden war das Boot zu seh'n.

Ach, ihr lieben guten Fischer, 
seht ihr nicht mein Brüderlein?
„Sag' uns, liebes gutes Mädchen, 
wie sah aus der Bruder dein?“

Schmucker Knab' mit roten Wangen, 
gold'ne Locken unter’m Hut!
„Ach du liebes gutes Mädchen, 
der im Meeresgrunde ruht!

Mit den Locken spielen Wellen, 
Meersand reibt die Wangen wund!“
Ach ihr lieben guten Fischer, 
fischet mir ihn aus dem Grund!

„Sag', du liebes gutes Mädchen, 
wie viel gibst du für den Zug?“ 
Einem geb' ich weißes Hemde 
und dem andern seidnes Tuch.

Doch dem Dritten als dem Jüngsten
will ich selbst mich geben hin,
will ihm sein, so lang ich lebe, 
seiner Segel Wäscherin!

Schäumt auch weiß die Meereswoge, 
weisser glänzt das Segel hell, 
als die Fischer fröhlich singend 
gleiten übers Wasser schnell.

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8. Ach wie that mir weh mein Köpfchen [sung text checked 1 time]

Ach, wie tut mir weh' mein Köpfchen,
ach, wie tut es schrecklich weh'!
Lass mich, Mutter, liebe Mutter,
dass ich draußen mich ergeh'!

Lass mich dort spazieren gehen, 
wo das Meer am Fels sich bricht!
„Mädchen, liebes schönes Mädchen, 
nein, ich lass allein dich nicht!

Willst du nicht die Brüder wecken?
Sag', sie sollen mit dir hin!“
Stolz sind meine Brüder worden, 
und hochmütig ist ihr Sinn.

Schossen alle lieben Vögel,
wo das Meer am Fels sich bricht, 
bunte Hühner, rasche Möwen, 
schonten gelbe Meischen nicht!

Wohl war gut der Bretternachen,
tief ging er auf Meeresgrund, 
Welle spielt mit meinen Haaren, 
Meersand reibt die Wangen wund.

Und die gute liebe Mutter
weinend blickt ins Meer hinab: 
Hier schläft meine Herzensfreude, 
die ich einst gewieget hab'.

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9. Eisentrommel, Jahnit, rühre [sung text checked 1 time]

Eisentrommel, Jahnit, rühre
an des Zaunes Pfostentüre.
Allen steht das Tor geschmücket,
Nachbars Tor ward nicht beglücket.
Nachbars Jungen schliefen träge,
ließen leer das Tor am Wege.
Jahnit kam zur Sonnenwende,
reicht dem Sohn zum Gruß die Hände!
Willst am weißen Wolltuch Freude,
treib' die Schäflein nachts zur Weide!
Jahnits Nacht mit Silbertaue
wäscht das Schäflein weiß, das graue.
Kommt Johannisnacht gegangen,
darf euch nicht der Schlaf umfangen.
Bursche, Mädchen! Schlummerlosen
prangt die Sonne früh mit Rosen.
Gottes Söhnlein, sollst mir sagen,
Jahnit, was auf deinem Wagen?
Für die Töchter Perlenkrönchen,
Mardermützen für die Söhnchen!
Jahnits Mutter, säum’ nicht lange, 
Jahnits Kinder lieb empfange!
Was zum Trinken gab’s, zum Essen? 
Ward auch Jahnits nicht vergessen? 
Jahnits Mutter, sieh, wir kommen; 
hast uns wartend wahrgenommen? 
Hast du süßes Bier zum Feste? 
Weichen Käs’ für deine Gäste? 
Käse, Käse, Jahnits Mutter! 
Kühe fanden reichlich Futter. 
Jahnits Vater Durst uns stille! 
Gerste wuchs in reicher Fülle, 
Käse soll uns trefflich schmecken; 
Jahnits Mutter formt' neun Ecken. 
Dir ein Eckchen, ihm ein Zäckchen, 
und für mich das Mittelfleckchen!

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10. Traurig seufzt mein lieber Schatz [sung text checked 1 time]

Traurig seufzt mein lieber Schatz,
hat aufs Händchen sich gelehnt;
ahnst du, banges, liebes Herz,
dass nicht lang' ich leben werd'?

Leb' ich lange, nicht zu lang',
Sonnenjahre leb' ich nicht.
Wässerlein und Felsenstein,
die nur lebten Sonnenjahr.

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11. Zwei aschgraue feine Rösslein [sung text not yet checked]

Zwei aschgraue feine Rösslein
tummeln auf der Wiese sich;
goldgesattelt ist das eine,
goldgesattelt ist das zweite!

Zwei aschgraue feine Rösslein
tummeln auf der Wiese sich;
lange hab' ich nachgedacht,
welches ich besteigen will.

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12. Ritt bei Tage, ritt bei Nacht ich [sung text checked 1 time]

Ritt bei Tage, ritt bei Nacht ich,
sucht' ein schönes Mägdelein;
kam an eine Silberquelle,
schönes Mädchen badet sich.

Grüß' dich, grüß' dich, schönes Mädchen, 
willst mein lieber Schatz nicht sein?
„Dank dir, Dank dir, schmucker Knabe, 
will dein lieber Schatz ich sein!“

Male mir drei gold'ne Rosen, 
die mit gold'ner Blüte blühn’; 
kannst du mir die Rosen malen, 
dann will ich dein Schatz auch sein.

Zähle mir des Himmels Sterne, 
die dort oben nächtlich glüh'n;
kannst du mir die Sterne zählen, 
dann will ich dein Schatz auch sein.

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13. Lebewohl muss ich dir sagen [sung text not yet checked]

Lebe wohl muss ich dir sagen,
lebe wohl, mein Vaterland!
Manch' ein Mädchen wird's beklagen,
dessen Tür ich offen fand!

Segen wünsch' ich deinen Fluren,
wo ich streifte keck umher;
such' nun meiner Wildheit Spuren
in des Kaisers Kriegesheer.

Mädchenauge mag erscheinen
wohl mein Leben groß und schön!
Mädchenherze würde weinen,
könnt' es meinen Jammer seh'n!

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14. Zwei sind's, zwei' [sung text checked 1 time]

Zwei sind's, zwei; wer sind die zweie,
die nicht schliefen in der Nacht?
Nimmer schlief der junge Bursche,
dachte an sein Mädchen stets.

Zwei sind's, zwei; wer sind die zweie,
die nicht schliefen in der Nacht?
Nimmer schlief das junge Mädchen,
strickte an dem Handschuhpaar.

Nimmer schlief der junge Bursche,
dachte an sein Mädchen stets.
Holdes Mädchen ist mein Bräutchen,
und ein Schimmel ist mein Ross.

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15. Mütterchen, wo sind die Töchter [sung text checked 1 time]

Mütterchen, wo sind die Töchter?
Leer die Stühl' im Stübchen steh'n!
Wo sind, Tanne, deine Äste?
Nur die Stümpfe sind zu seh'n.

Mütterchen ruft ihre Töchter, 
ruft sie alle, gross und klein. 
Kommt die Hellste, kommt die Zweite, 
nur die Jüngste fehlt allein.

Fortgelaufen ist die Jüngste 
singend hin zum klaren Quell! 
Als sie Blumen pflückt am Ufer, 
Fällt ihr Ring ins Wasser hell.

Als sie nach dem Ring sich bücket, 
fällt auch ihre goldne Kron', 
als sie nach der Krone langet, 
trägt der Bach ihr Tuch davon!

Als sie nach dem Tuche greifet, 
Fällt sie selbst hinein im Nu, 
und es tragen Baches Wellen 
Nach dem weiten Meer sie zu.

Meereswellen tragen sicher
sie zum festen Meeresstrand, 
betten sie auf weichem Lager 
Unter weißen Meeressand.

In neun Jahren auf dem Sande 
eine Linde wohlbelaubt
streckte mit neun schönen Ästen 
in die Höhe stolz ihr Haupt.

Nach neun Jahren fällt der Bruder 
sich zur Zither diesen Baum; 
spielend rühmt er: Solche Zither 
Findet man auf Erden kaum.

Sagt die tränenreiche Mutter:
Das ist meiner Jüngsten Sang, 
der vom Bach beim Blumenpflücken 
oft zu mir herüberklang.

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16. Mond führt heim die Sonnentochter [sung text checked 1 time]

Mond führt heim die Sonnentochter,
Perkon folgt im Hochzeitszuge;
durch die off'ne Pforte sprengend
spaltet er den Eichenbaum.

Meinen braunen Rock besprenget 
hoch aufspritzend Blut der Eiche, 
weinend liest die Sonnentochter 
In drei Jahren auf die Äste.

Sage mir doch, liebes Mädchen-, 
Wo ich meinen Rock soll waschen? 
Wasch' ihn, Knabe, in dem Bächlein
aus, woher neun Ströme fließen.

Sage mir doch, liebes Mädchen, 
Wo soll trocknen meinen Rock ich?
Häng' ihn, Knabe, in den Garten, 
Wo neun Rosenstöcke blüh'n.

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