Die Zeit der Zöpfe ist vorüber, nur der Pedant spricht noch Latein; wir wollen nichts davon mehr wissen, die Studia, d'rin wir beflissen. die sind vor allem Lied und Wein. Die Zeit der Zöpfe ist vorüber, und Knix und Kratzfuß obendrein; wir aber wollen mit Grimassen uns nun und nimmermehr befassen, wir wollen nichts als Lied und Wein. Die Zeit der Zöpfe ist vorüber, wo Unnatur sich nur allein gefiel mit Pudersack und Degen; nicht lasst wie Puppen uns bewegen, wenn fröhlich wir bei Lied und Wein. Die Zeit der Zöpfe ist vorüber, o lasst sie nimmermehr herein! Denn niemand will von ihr mehr wissen, und keiner wird sein Zöpfchen missen, der mit uns sitzt bei Lied und Wein.
Sechs Gesellschaftslieder aus den Blättern und Trauben v. J. N. Vogl, zweites Heft
by Wilhelm Speyer (1790 - 1878)
1. Ils sont passés
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- by Johann Nepomuk Vogl (1802 - 1866), "Ils sont passés", appears in Blätter und Trauben: Lieder für heitere Kreise
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Confirmed with Blätter und Trauben von Johann N. Vogl, Wien, 1843.
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2. Von der Rebe
Mond erzählt zur Nacht den Reben manch ein Märlein selt'ner Art, dass sie sanft erschauerd beben, Kindern gleich, noch jung und zart. West erzählt den luft'gen Ranken viel von seiner Wanderschaft, dass sie reiselustig schwanken, zürnend fast auf ihre Haft. Tau. die stille Himmelsträne, schwärmt von Wolken goldbesäumt, die da zieh'n als luft'ge Schwäne, bis die Rebe selig träumt. Sonne aber, heiß von Liebe, küsst die Rebe stillentzückt, bis entflammt zu gleichem Triebe sie zu ihr in Tränen blickt. Wundert euch darum nicht länger, dass im Wein so selt'ne Kraft, die auch selbst dem ärmsten Sänger sein versäumtes Eden schafft.
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- by Johann Nepomuk Vogl (1802 - 1866), "Von der Rebe", appears in Blätter und Trauben: Lieder für heitere Kreise
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Confirmed with Blätter und Trauben von Johann N. Vogl, Wien, 1843.
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3. Lieblich spriesst der Wein
Lieblich, lieblich sprießt der Wein, Möchte fast ein Weinstock sein, Wie sie schwanken All' die Ranken, Welch ein Duft durch Flur und Hain. Lieblich, lieblich blüht der Wein, Möchte fast ein Weinstock sein, Im Gehänge O der Menge Beerchen grün und Beerchen klein. Lieblich, lieblich reift der Wein, Möchte fast ein Weinstock sein, Wie das pranget, Wie das hanget, Schafft die Trauben doch herein! Lieblich, lieblich blinkt der Wein, Möchte nun kein Weinstock sein, Blinkt's im Glase Steck' die Nase Lieber ich doch selbst hinein.
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- by Johann Nepomuk Vogl (1802 - 1866), no title, appears in Blätter und Trauben: Lieder für heitere Kreise, Wien: A. Strauß's sel. Witwe & Sommer, first published 1843
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Research team for this page: Melanie Trumbull , Johann Winkler4. Kellerlied
Der Keller ist ein guter Platz, weiß keinen besser'n mir, mein Schatz; denn sieh', er schließt, was echt und rein, in seine sich're Hut mir ein. Und g'rade wie der Keller ist, soll sein dein Herz zu jeder Frist, soll wie der Keller nur allein bewahren mir, was echt und rein. Soll bergen deutscher Liebe Glut, soll bergen Treu' und frohen Mut, auf dass an dir sich ohne Reu' gleichwie an ihm mein Herz erfreu'. Und wie der Keller gut und fest nichts Schlimmes zu dem Weine lässt, so sollst auch du in Ernst und Scherz nichts Schlimmes lassen in dein Herz. Verschließen sollst du früh und spat dein Ohr dem Wort, das schmeichelnd naht, der Falschheit, die so gern und fein sich schleicht in Herz und Keller ein. Und birgt mein Keller klare Flut, und bist du treu wie er und gut, so tausch' ich armer Erdensohn selbst nicht mit Zeus auf seinem Thron.
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- by Johann Nepomuk Vogl (1802 - 1866), "Kellerlied", appears in Blätter und Trauben: Lieder für heitere Kreise
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Researcher for this page: Johann Winkler5. Reißt die Zeiger von den Uhren!
Reißt die Zeiger von den Uhren, denn die Zeit ist uns ein Tand. Auf, ihr edleren Naturen, folgt des Frohsinns ros'gen Spuren in das heit're Jugendland. Wollen einmal ganz vergessen auf die Zeit und auf die Welt; sorge sich wer will indessen, lasst uns nicht den Frohsinn messen, wie man sonst wohl misst und zählt. Schifften durch des Lebens Klippen kühn in Sturm und Sonnenschein, d'rum auch sollen eure Lippen jetzt nicht scheu vom Becher nippen, nein, in Strömen schlürft den Wein!
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- by Johann Nepomuk Vogl (1802 - 1866), "Reißt die Zeiger von den Uhren!", appears in Blätter und Trauben: Lieder für heitere Kreise
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Confirmed with Blätter und Trauben von Johann N. Vogl, Wien, 1843.
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6. Lied vom Wein
Spuckt mir im Kopf oft dieß und das, Was Unmuth macht ohn' Unterlaß, Da ruf' ich: Schenke, schenk' mir ein, Doch guten Wein, Doch klaren Wein, Da wird mir wohl bald wohler sein! Denk' oft an alte Zeit zurück, Wie treulos mir und falsch das Glück, Da ruf' ich: Schenke, schenk' mir ein, Doch guten Wein, Doch klaren Wein, Was hin ist, muß vergessen sein! Denk' manchmal, wie so schwarz mein Haar, Das grauer nun, von Jahr zu Jahr, Da ruf' ich: Schenke, schenk' mir ein, Doch guten Wein, Doch klaren Wein, 'S wird auch wohl zu ertragen sein! Denk' oft auch an ein liebes Lieb, Von dem mich einst das Schicksal trieb, Da ruf' ich: Schenke, schenk' mir ein, Vom besten Wein, Vom klarsten Wein, Mög' sie noch lange glücklich sein!
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- by Johann Nepomuk Vogl (1802 - 1866), "Lied vom Wein", appears in Blätter und Trauben: Lieder für heitere Kreise
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