Die Wolken, ein Zyklus aus der 'Naturwissenschaft' von J. W. von Goethe

Song Cycle by Peter Visser (b. 1939)

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1. Atmosphäre [sung text not yet checked]

»Die Welt, sie ist so groß und breit,
Der Himmel auch so hehr und weit;
Ich muß das Alles mit Augen fassen,
Will sich aber nicht recht denken lassen.«

Dich im Unendlichen zu finden,
Mußt unterscheiden und dann verbinden.
Drum danket mein beflügelt Lied
Dem Manne, der Wolken unterschied.

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2. Howards Ehrengedächtnis [sung text not yet checked]

Wenn Gottheit Kamarupa, hoch und hehr, 
Durch Lüfte schwankend wandelt leicht und schwer, 
Des Schleiers Falten sammelt, sie zerstreut, 
Am Wechsel der Gestalten sich erfreut, 
Jetzt starr sich hält, dann schwindet wie ein Traum, 
Da staunen wir und traun dem Auge kaum.

Nun regt sich kühn des eignen Bildens Kraft, 
Die Unbestimmtes zu Bestimmtem schafft: 
Da droht ein Leu, dort wogt ein Elefant, 
Kameles Hals, zum Drachen umgewandt, 
Ein Heer zieht an, doch triumphiert es nicht, 
Da es die Macht am steilen Felsen bricht; 
Der treuste Wolkenbote selbst zerstiebt, 
Eh er die Fern erreicht, wohin man liebt.

Er aber, Howard, gibt mit reinem Sinn 
Uns neuer Lehre herrlichsten Gewinn: 
Was sich nicht halten, nicht erreichen läßt, 
Er faßt es an, er hält zuerst es fest; 
Bestimmt das Unbestimmte, schränkt es ein, 
Benennt es treffend! – Sei die Ehre dein! – 
Wie Streife steigt, sich ballt, zerflattert, fällt, 
Erinnre dankbar deiner sich die Welt.

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3. Stratus [sung text not yet checked]

Wenn von dem stillen Wasserspiegel-Plan
Ein Nebel hebt den flachen Teppich an,
Der Mond, dem Wallen des Erscheins vereint,
Als ein Gespenst Gespenster bildend scheint,
Dann sind wir Alle, das gestehn wir nur,
Erquickt', erfreute Kinder, o Natur!

Dann hebt sich's wohl am Berge, sammelnd breit
An Streife Streifen; so umdüstert's weit
Die Mittelhöhe, Beidem gleich geneigt,
Ob's fallend wässert oder luftig steigt.

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4. Cumulus [sung text not yet checked]

Und wenn darauf zu höhrer Atmosphäre
Der tüchtige Gehalt berufen wäre,
Steht Wolke hoch, zum Herrlichsten geballt,
Verkündet, festgebildet, Machtgewalt,
Und, was ihr fürchtet und auch wohl erlebt,
Wie's oben drohet, so es unten bebt.

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5. Cirrus [sung text not yet checked]

Doch immer höher steigt der edle Drang!
Erlösung ist ein himmlisch leichter Zwang.
Ein Aufgehäuftes, flockig löst sich's auf,
Wie Schäflein trippelnd, leicht gekämmt zu Hauf.
So fließt zuletzt, was unten leicht entstand,
Dem Vater oben still in Schooß und Hand.

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6. Nimbus [sung text not yet checked]

Nun laßt auch niederwärts, durch Erdgewalt
Herabgezogen, was sich hoch geballt,
In Donnerwettern wüthend sich ergehn,
Heerschaaren gleich entrollen und verwehn. –
Der Erde thätigleidendes Geschick!
Doch mit dem Bilde hebet euren Blick!
Die Rede geht herab, denn sie beschreibt;
Der Geist will aufwärts, wo er ewig bleibt.

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7. Epilog (Wohl zu merken) [sung text not yet checked]

Und wenn wir unterschieden haben,
Dann müssen wir lebendige Gaben
Dem Abgesonderten wieder verleihn
Und uns eines Folgelebens erfreun.
 
So, wenn der Maler, der Poet,
Mit Howards Sond'rung wohl vertraut,
Des Morgens früh, am Abend spät
Die Atmosphäre prüfend schaut,
 
Da läßt er den Charakter gelten;
Doch ihm erteilen luft'ge Welten
Das Übergängliche, das Milde,
Daß er es fasse, fühle, bilde. 

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