Gesänge aus Tiedge's Urania

Song Cycle by Friedrich Heinrich Himmel (1765 - 1814)

1. Die Weihe [sung text checked 1 time]

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Ich weih' im Tale den tiefsten Hain,
Dass seine Beschattung mich hülle;
Zum ruhigen Heiligtum weih' ich ihn ein,
Zum Tempel der [seligen]1 Stille.
 
[Es ist ein dämmerndes]2 Friedensreich,
Das flüsternde Lauben umgrünen;
Da ist mir am blühenden Rosengesträuch
[Ein weihender Engel]3 erschienen.
 
Mein Geist war fern um ein teures Grab
Vertieft in unendliches Trauern;
Da kam auf mich ahnendes Leben herab,
Gleich wunderbar [mächtigen]4 Schauern.
 
Und schön, wie himmlische Jungfrau'n, schön,
[Zu heiliger]5 Botschaft erlesen,
Entschwebte dem Lichte vergeltender Höh'n
Ein [hohes]6, ätherisches Wesen.
 
Hell floss um blondes Gelock der Kranz.
So strahlt's an unsterblichen Stirnen;
Doch dämmert es ernst durch den leuchtenden Glanz,
Es war das erhabenste Zürnen.
 
"Wer bist Du, schwebende Lichtgestalt?
Entflohst Du dem himmlischen Reigen!" - -
[Nun wandelte leises Getön durch den]7 Wald;
"Urania!" scholl's in den Zweigen.
 
"Gebeutst Du, zürnend, Erhebung mir?
O zürne, Du Hohe, nicht länger!
Schon naht sich, in frommer Begeisterung, Dir
Der einsame, trauernde Sänger."
 
Und sanfter floss um die Lichtgestalt
Die Ruhe der Göttergefilde;
[Sanft]8 tröstend umfing mich die süße Gewalt,
Die Kraft unaussprechlicher Milde.
 
O, darum weih' ich den tiefen Hain,
Dass seine Beschattung mich hülle,
Zum ruhigen Heiligtum weih' ich ihn ein,
Zum Tempel der [seligen]9 Stille!
 
Dort schwebt, [vergöttert]10, mein Geist hinauf,
Entfesselt hinüber ins Freie.
[Den Altar Uraniens richtet' ich]11 auf,
Im Hain der erhabenen Weihe.
 
Kein Frevler nahe dem Altar sich,
Den heilige Schatten umschleiern!
Dort aber soll, hohe Vergötterte, Dich
Mein sanftester Harfenton feiern.

Authorship:

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1 Himmel: "göttlichsten"
2 Himmel: "Geheimnissvoll ist diess"
3 Himmel: "Die Hore der Weihung"
4 Himmel: "seligen"
5 Himmel: "Zur heiligen"
6 Himmel: "reines"
7 Himmel: "O wunderbar scholl's durch den säuselnden"
8 Himmel: "Und"
9 Himmel: "göttlichen"
10 Himmel: "verherrlicht"
11 Himmel: "Dort richt ich den Altar Uraniens"

Research team for this text: Ferdinando Albeggiani , Sharon Krebs [Guest Editor]


O der Helle, die dem guten Schwärmer
Nichts zu zeigen hat, als seine Nacht!
O des Lichtes, das den Glauben ärmer,
Und die Weisheit doch nicht reicher macht!

Authorship:

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

2. Mir auch war ein Leben aufgegangen [sung text checked 1 time]

Mir auch war ein Leben aufgegangen,
Welches reich bekränzte Tage bot;
An der Hoffnung jugendlichen Wangen
Blühte noch das erste, zarte Rot;
Auf der Gegenwart umrauschten Wogen
Brannt' ein Morgen, schön, wie Opferglut;
Hohe Traumgestalten zogen
Stolz, wie Schwäne, durch die rote Flut;
Leichte Stunden rannen schnell und schneller
An dem halberwachten Träumer hin,
Und die Gegend lag schon hell und heller,
Nur auch wüster, da vor meinem Sinn.

Authorship:

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. An die Hoffnung [sung text checked 1 time]

[ ... ]

Die du so gern in heil'gen Nächten feierst
Und sanft und weich den Gram verschleierst,
Der eine zarte Seele quält,
O Hoffnung! Laß, durch dich empor gehoben,
Den Dulder ahnen, daß dort oben
Ein Engel seine Tränen zählt!

Wenn, längst verhallt, geliebte Stimmen schweigen;
Wenn unter ausgestorb'nen Zweigen
Verödet die Erinn'rung sitzt:
Dann nahe dich, wo dein Verlaßner trauert 
Und, von der Mitternacht umschauert,
Sich auf versunk'ne Urnen stützt.

Und blickt er auf, das Schicksal anzuklagen,
Wenn scheidend über seinen Tagen
Die letzten Strahlen untergehn:
Dann laß' ihn um den Rand des Erdentraumes
Das Leuchten eines Wolkensaumes
Von einer nahen Sonne seh'n!

Authorship:

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Aan de hoop", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "To Hope", copyright ©
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "À l'espérance", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

4. Gott! ein Gott! ach, irrend such' ich ihn! [sung text checked 1 time]

Gott! ein Gott! ach, irrend such' ich ihn! --
Draußen, in der blaugewölbten Halle
Seines Tempels, such' ich seine Spur;
Suche Hoffnung, Trost und Ruh', und falle
Weinend in die Arme der Natur.
An die Sterne heften meine Klagen
Manches tiefe, seufzende Warum?
Keine Antwort spricht aus meinen Fragen;
Alles schweigt, die Mitternacht ist stumm.

Authorship:

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

5. Heil'ge Nacht! du führest deine Globen [sung text checked 1 time]

Heil'ge Nacht! du führest deine Globen
Still und friedlich durch den Himmelsraum;
Wohnet Licht und Friede nur dort oben?
Ist hienieden alles Traum?
Traumgestalten gleich, dahingeschwunden
Sind, im wilden [Kampfe]1 des Gewühls,
Die erhabnen, großen Weihestunden
Unsers zartesten Gefühls.

Hat der edle Sieger welke Kränze,
Hat er Totenkränze nur gepflegt,
Die er, [scheidend]2, an der öden Grenze
Dieses Lebens niederlegt?
Ruhe, dich! dich such' ich, holder Friede!
Suche dein Gestirn am Himmel auf;
Tief im Dunkel, tief verirrt und müde
Schließt dein Pilger seinen Lauf.

Authorship:

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1 Himmel: "Sturme"
2 Himmel: "schwindend"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

6. Ich war dem Tropfen Gegenwart entronnen [sung text checked 1 time]

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Ich war dem Tropfen [Gegenwart]1 entronnen,
Und offen lag vor meinem Geiste nun
Der [Lebensozean]2, an dessen Ufer Sonnen,
Wie ausgeworfne Kiesel, ruhn.
Die Milchbahn streckte weit, durch unermeßne Fluren,
Die tausend Arme wundervoll hinaus.
Dort drückte seine hellen Spuren
Verweilender das Wandeln Gottes aus
Da blitzten, wie von Götteridealen,
Unsterbliche Gedankenstrahlen
In meinem tiefsten Leben auf.
Verklärter schwebten Monde hin und Erden;
Aus Schattenhallen gingen sie herauf;
Zu Morgensternen sah ich Abendsterne werden;
Die Schatten blühten selbst zu Lichtgestalten auf.
Gestirne zogen dort in weit entfernten Gleisen;
Sie drangen bleich herauf mit ihren Nebelau'n,
Wie Geister, die aus öden Lebenskreisen
Nach einer hellern Sonne schau'n.
Sanft dämmerte das Licht der Dioskuren,
Halb überschattet, halb erhellt,
Gleich den, im Menschen tief verschlungenen, Naturen
Der Lichtwelt und der Schattenwelt.
Ich sah den Strahlenkranz im Haar der Jungfrau schweben;
Sie trat hervor, die reiche Himmelsbraut,
Mit glänzendem Gefolg umgeben.
Die Lyra tönte sanft, wie Äolsharfenlaut;
Die Ätherstille ging in Harmonien über.
Es wehten Lieder von der Flur
Des festlichen Arkturs herüber;
Und rötlich blinkte der Arktur,
Als wär' er überblüht mit lauter Rosenkronen.
Hier ist es, wo, im Schoß der lieblichsten Natur,
Die Sympathien der schönen Seelen wohnen.

Authorship:

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1 Himmel: "Zeit"
2 Himmel: "Ozean"

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]


So schwang mein Geist sich auf zum Gottesdienst der Sphären.
[Und dieser Gottesdienst verkündet keinen Gott?]1 --
Bei jenen flammenden Altären
Im Tempel der Natur! hier ist, hier [herrscht ein]2 Gott!

Authorship:

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1 Himmel: "Ha! welch ein Gottesdienst der Nacht! Und doch kein Gott?"
2 Himmel: "waltet"

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7. Es sei kein Gott: und tot sind diese Himmelsflammen [sung text checked 1 time]

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Es sei kein Gott: und tot sind diese Himmelsflammen;
Sie haben hin durch [deine Nacht]1 geblitzt;
Und Trümmer baun den wüsten Thron zusammen,
Auf welchem einsam nur und stumm der Tod noch sitzt.

Authorship:

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1 Himmel: "ihre Macht"

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Sei dann mit Dunkelheit des Pilgers Pfad umschleiert!
Natur und Tugend, hin zur Gottheit führen sie.
Der Tugend öffnet sich das Reich der Harmonie;
Gott ist das hohe Lied des Tempels, wo sie feiert,
Und die Natur die Melodie!

Authorship:

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8. Hymnus an Gott [sung text checked 1 time]

Es ist ein Gott! Der Tugend verbürgendes Leben
Verkündet ihn; sie wäre nicht, wäre kein Gott.
Ihr ist das Wort der innigsten Weihe gegeben;
Sie spricht es aus: Es ist ein Gott!
 
Sie zeuget laut, sie ruft es hinaus in die Ferne,
Hinaus, in die, mit Welten umblühete, Flur.
Es ist ein Gott! antworten die ewigen Sterne
Durch das Gewölbe der Natur.
 
Der stille Geist, der innerste, seligste Friede
Vertraut dem Hain das hohe Geheimnis von Gott;
Und leise spricht, im flötenden Nachtigallliede,
Der Hain es nach: Es ist ein Gott!
 
Der Erde Druck, die heiligen Übel des Lebens
Erhöhn den Geist, erheben die Seele zu Gott.
Die Tugend kämpft, und fordert den Sieg nicht vergebens;
Sie triumphiert: Es ist ein Gott!

Authorship:

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

9. Sei groß, sei stolz, ein hoher Weltgebieter [sung text checked 1 time]

Sei groß, sei stolz, ein hoher Weltgebieter,
Und hell umleuchte dich des Glückes Sonnenlicht,
Der Erdengüter Glanz: du hast nur Erdengüter;
Glückseligkeit, die hast du nicht.

Authorship:

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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10. Glückseligkeit [sung text checked 1 time]

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[Die Götterfrucht]1 grünt nicht am Halme
Des Lebens auf im engen Thal der Zeit.
[Und wenn die Seligkeit mit ihrer schönern Palme]2
[Das neue Himmelsleben weiht]3:
Auch dann wird sie noch unserm Herzen fehlen,
Bei jedem neuen Feierkranz;
Wir mögen tausend, tausend Kränze zählen;
Doch nie besitzen wir sie ganz.
Sie weilet nicht in stolzen Fürstenhallen,
Sagt vom beglückten Bösewicht sich los;
Nur eine Blume läßt ihr Ausflug niederfallen,
Und diese fällt der Tugend in den Schoß.

Authorship:

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1 Himmel: "Glückseligkeit"
2 Himmel: "Wenn ihren schönern Kranz die hohe Friedens-Palme"
3 Himmel: "In unsre Götterlauben streut"

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]


[Wie hold umfängt sie uns in Psyches sanfte Trauer]1!
Ein Gott hat diesen Traum in Himmelsduft getaucht,
Und ihm, mit einem Geisterschauer,
Den zarten Sinn des Lebens eingehaucht.

Authorship:

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1 Himmel: "Die Wahrheit naht sich uns in Psyche's sanfter Trauer"

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

11. Psyche [sung text checked 1 time]

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Hell, mit Blüten überschleiert,
Lauscht des Hains geweihte Nacht,
Wo die Gottvermählte feiert;
Aber eine Stimme wacht.
 
Psyche schwebt durch Rosenzweige;
Alles blüht in heiterm Licht.
Stimme der [Entführung]1, schweige!
Aber ach! sie schweiget nicht.
 
Psyche, trotz dem Warnungsrufe,
Hört den Zauberton der Welt,
Neigt sich von der Götterstufe
Lüstern nieder, horcht - und fällt.
 
Psyche fällt! ein dunkles Ahnen
Zittert um die Büßerin,
Wie das Graun erzürnter Manen,
Durch die sanften Rosen hin.
 
Schatten sind's, die sie umgeben.
Wie ein holdes Traumgesicht,
Schwand der Gott aus ihrem Leben,
Nur aus ihrem Herzen nicht.
 
Blühte das Gesträuch nicht röter,
Das in Kronen sich ergoß,
Als der reine Himmelsäther,
Noch um Psyches Wange floß?
 
Ach! die Schuld im Busen schattet
Tief herauf in ihren Blick;
Seufzer flehn, von Gram ermattet,
Den verlornen Gott zurück.
 
Alles stumm, wo Psyche wallet;
Nur ein leis' entwehtes Ach,
Das den Hain durchgirrte, hallet
Ihr die Felsentochter nach.
 
Auch den Gott, der alle Ketten
Des gedrückten Lebens bricht,
Ruft sie an, sie zu erretten;
Doch der Gott erhört sie nicht.
 
Seine finstern Schrecken zeigend,
Naht der stille Genius,
Und versagt ihr, ernst und schweigend,
Den erflehten Friedenskuß.
 
Endlich ist es ihr gelungen,
Abzubüßen ihre That;
Endlich hat sie ausgerungen;
Die Erlösungsstunde naht.
 
Hohes, himmlisches Erbarmen
Geht ihr auf, wie Sonnenblick;
Psyche kehret zu den Armen,
Denen sie entsank, zurück.
 
Lichte Kronen in den Händen,
Nahn die Götter sich, und weihn,
Psyches Gottheit zu vollenden,
Sie zur Braut des Himmels ein.

Authorship:

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1 Himmel: "Verführung"

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[Nun sieht]1 das Zweigestirn, [wie still und mild]2 zusammen
[Dort auf und ab die beiden Sterne gehn]3,
Und ewig sich einander hold umflammen!
O, laß uns dort Bedeutung sehn!
Es geht der große Geist der Liebe
Durch seine Schöpfung, die er trägt und hält;
[Er]4 schlingt das süße Band der holden Wechseltriebe
Hier um ein Herz, und dort um eine Welt.

Authorship:

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1 Himmel: "Da, sieh"
2 Himmel: "schön die beiden Sterne dort"
3 Himmel: "Am Himmel auf und untergehn"
4 Himmel: "Und"

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Sei hoch beseligt, oder leide;
Das Herz bedarf ein zweites Herz,
Geteilte Freud' ist doppelt Freude,
Geteilter Schmerz ist halber Schmerz.

Authorship:

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Lieb' und Freundschaft wandeln unter guten,
Frommen Menschen tröstend auf und ab;
Treten weinend an ein Blumengrab,
Wo die Brust versank, an der sie ruhten.
 
Zu der Lichtwelt seufzen sie [hinaus]1:
"[Deinen]2 Himmel haben wir verkündet;
Darum nimm uns, wenn hier alles schwindet,
Hehre Lichtflur, nimm uns rettend auf!"
 
Unter trauernden Erinnerungen
Liegt verschattet unser [stille]3 Pfad.
O, vergüte, was die Zeit verschlungen,
Und das Schicksal grausam niedertrat!
 
Unsre Herzen sind voll Totenmale,
Wie der Rasen im Cypressenthale.
Zwischen Gräbern seufzen wir [hinauf]4:
"Hehre Lichtflur, nimm uns rettend auf!"

Authorship:

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1 Himmel: "hinauf"
2 Himmel: "Deine"
3 Himmel: "stiller"
4 Himmel: "hinaus"

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12. Die Blume neigt ihr Haupt [sung text checked 1 time]

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Die Blume neigt ihr Haupt
zur mütterlichen Erde;
sie fragt nicht, ob ein Morgenrot
zu irgendeinem Lenz
sie wieder wecken werde.
Der Mensch nur fühlet seinen Tod.

Authorship:

Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani


Was irdisch ist, gehört der Erde;
Das Heilige gehört dem Himmel an. -
Sein werd' ich, weil ich bin. Triumphgesang, erschalle!
Erschalle [tief]1 in die Unendlichkeit hinein,
Daß [aus der Tiefe laut dein]2 Jubel wiederhalle!
[Triumph]3! ich bin; und darum werd' ich sein!

Authorship:

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1 Himmel: "weit"
2 Himmel: "von den Sonnen laut mein"
3 This word omitted by Himmel.

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13. Unsterblichkeit [sung text checked 1 time]

Unsterblichkeit, auf [hehren]1 Schwingen
Erflieget der Geist dein lichteres Reich.
[Weit]2 hinter ihm, wo die Gestalten ringen,
Verrauschet der Sturm am dürren Gesträuch.
 
Ihr, vom Naturgesetz gehalten,
Ihr Sonnen, durchstrahlt den ewigen Raum;
Mein Geist fliegt auf von den Naturgewalten,
Und leuchtender strahlt sein ahnender Traum.
 
Es ist von ihm hinweggesunken
Der irdische Druck; das Göttliche nur,
Den [linden]3, den reinen Ätherfunken
Entwinket ein Gott dem Schoß der Natur!

Authorship:

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1 Himmel: "höhern"
2 Himmel: " Und"
3 Himmel: " heiligen"

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14. Das Schicksal waltet im Naturgebiete [sung text checked 1 time]

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Das Schicksal waltet im Naturgebiete,
Und die Natur geht schweigend ihren Pfad,
Nährt hier ein Giftgewächs und eine Frevelthat,
Bricht dort ein Engelherz und eine zarte Blüte.

Authorship:

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[Heil dem geweihten Geist, der so sich aufermannet!
Verbannt ein Nero ihn: der feige Wüterich
Verbannet ihn nicht, er verbannet
Aus eines Gottes Nähe - sich;]1

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1 Himmel:
Hoch steht der freie Geist, der kräftig sich ermannet,
Und unerschüttert jedes Schicksals harrt;
Verbannt ihn ein Tyrann, der Wüthende verbannet
Nur sich aus eines Gottes Gegenwart.

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Das ist die Kraft, vor welcher zitternd
Die Heuchelei verhüllt ihr Opfer niederlegt;
Das ist die Kraft, womit erschütternd
Der hohe Mensch Tyrannen niederschlägt.
O, neige dich, Tyrann! vor einem Geist, der stärker,
Der mächtiger, als du, sein eignes Leben schafft!
Dein Thron ist ein erhöhter Sitz im Kerker;
Du hast Gewalt, die hohe Seele Kraft!

Authorship:

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]


Flamme Gottes ist die Weihung,
Die um große Seelen schwebt,
Und zur kühnen Selbstbefreiung
Jede Kraft des Geistes hebt.

Mag das wilde Schicksal walten:
Die erhabne Seele ruht,
Unter drängenden Gewalten,
Fest auf ihrem Göttermut;

Ringt sich auf vom Druck der Wolke,
Den ihr Flügelschlag besiegt,
Wenn auf dem betäubten Volke
Zürnend das Gewitter liegt.

Wer, in solcher Hoheit thronend,
Kühn es wagt, sein Gott zu sein,
Und, im eignen Himmel wohnend,
Keinen Himmel anzuschrein:

Den umfesseln Zaubergaben
Eines reichen Zufalls nicht.
O, der Freie trägt erhaben
In der Brust das Weltgericht!

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15. Den Kampf der Freiheit ehrt, müßt ihr die That auch tadeln! [sung text checked 1 time]

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Den Kampf der Freiheit ehrt, müßt ihr die That auch tadeln!
Sagt, ob ihr ihn verdammen dürft,
Ihn, der im Drang, sein Leben zu entadeln,
Es rettend in den Arm des Todes wirft!
Wir sind nicht, um zu sein; wir werden, um zu werden.
Die Ströme rauschen fort; die Sonnen und die Erden,
Sie gehn nach ewigen Gesetzen ihren Pfad.
Kein Wollen dort - sie sind. Im Menschen lebt ein Wille;
Er selbst ist sein Gesetz, ein Sohn der eignen Fülle;
Er ist durch die Natur, und lebt durch seine That;
Wir werden das, was wir zu werden lernten;
Der Mensch ist seine Frucht aus seiner eignen Saat;
Was Menschen säen, werden Götter ernten:
Gott spricht durch seine Welt, der Mensch durch seine That.

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Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani


Mit dem Hochgefühl des Sehnens,
Das zu Götterthaten weiht,
Flieht der hehre Sohn Alkmenens
In den Schoß der Einsamkeit.
Tief im Herzen warme Schläge,
Fühlt er, was er soll und will;
Und an einem Scheidewege
Steht er, sinnend, plötzlich still.
 
Dunkler jetzt, und wieder heller
Schwebt ihm fern die Zukunft vor.
Ahnungsvoll, und schnell und schneller
Wallt ihm hoch das Herz empor.
Wird ein Wunder sich entfalten?
Ist ihm eine Gottheit nah?
Zwei erscheinende Gestalten
Stehn vor seinem Blicke da.
 
Eine der Gestalten leuchtet,
Wie der frische Blumenring,
Der, vom ersten Tau befeuchtet,
Um die junge Tellus hing.
"Siehe!" sprach sie, "was die Erde
Süßes hat, ich weih' es dir,
Sohn des Himmels; aber werde
Mein Getreuer, folge mir!" -
 
Zauber sprühn aus ihren Blicken;
Und ein weicher Schlummerduft
Trägt ein taumelndes Entzücken
Um sie her im Hauch der Lust.
Halb dem Zauber hingegeben,
Hat der Jüngling kaum Gewalt
Seine Blicke zu erheben
Zu der stillern Huldgestalt.
 
Ruhig naht sie, wie der Friede:
[Aber wie mit Schmach bedeckt]1,
Fühlt sich zitternd der Alcide
Von der Tugend angeschreckt. -
"Keine Freuden goldner Tage,"
Spricht sie, "kann ich dir verleihn.
Rette, kämpfe, dulde, trage!
Deiner würdig, bist du mein.
 
Siegen ziemt dem Göttersohne;
Sich besiegen aber weiht
Ihm die höchste Strahlenkrone
Himmlischer Unsterblichkeit." -
Und der Jüngling - schöner blühend
Stand er da vor der Natur,
Als er heilig sich und glühend
In die Hand der Tugend schwur.
 
Seine eigne Flamme dämpfend,
Willig Schwächern unterthan,
Geht der starke Sieger kämpfend
Seine große Heldenbahn.
Ungeheuer kämpft er nieder;
Aber seinem Frieden droht
Eine fürchterlichre Hyder,
Als in Lernas Sumpf, [den]2 Tod.
 
Ach, daß ihn die Tugend warne!
Weh! der freie Sieger fällt
Überwunden in die Garne,
Die der Reiz der Lust ihm stellt.
Friede noch; allein Jole
Tritt ihm in den Heldenlauf,
Und er opfert dem Idole
Seine ganze Hoheit auf.
 
Wie ein Blitz aus heitrer Bläue,
Stürzt herein das Mißgeschick
Grause That und Schmach und Reue
Hängen an Jolens Blick.
Sieh! er reißt sie, ohn' Erbarmen,
Mit Verrat und Meuchelmord,
Aus des grauen Vaters Armen,
Aus des Bruders Armen fort!
 
Plötzlich fällt die Eumenide
Des Gewissens ihm ans Herz;
Und der süße Lebensfriede
Wandelt sich in wilden Schmerz.
Schrecklich rafft er ihn zusammen,
Seines Geistes letzten Schwung;
Auf dem Öta in den Flammen
Büßt er die Entgötterung.
 
Und der Gott erringet wieder,
Was der Erdensohn verlor;
Die Verschattung sinkt darnieder,
Die Verklärung strahlt empor.
Schon der letzte Seufzer dringet
Aus der Sterblichkeit herauf,
Und die freie Seele schwinget
Sich ins Reich der Tugend auf.

Authorship:

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1 Himmel: "Steht sie da. - Von Schaam bedeckt,"
2 Himmel: "der"

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

16. Unsterblichkeit! Gedanke, der du Leben [sung text checked 1 time]

Unsterblichkeit! Gedanke, der du Leben
Und Licht ins Dasein strahlst, und über Zweifel siegst!
Wie hoch kannst du den Menschen heben,
Wenn du den Menschen überfliegst!

Unsterblichkeit! dir bringe dann die Blume
Des Lebens ihren Purpur dar.
Du weihest, am Naturaltar,
Es ein zu seinem Göttertume.

Authorship:

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

17. Wenn Graun der Nacht [sung text checked 1 time]

Wenn Graun der Nacht an meinem Pfade lauscht:
Dann leuchte du herab aus deines Lichtes Fülle!
Erhebe mich, wenn laut das Leben mich umrauscht,
Zur Ruhe deiner Geisterstille!
 
Geheim entlaubt die dunkle Hand den Wald;
Und Schweigen ruht um längst versunkne Trümmer;
Du trittst hervor in deinem leisen Schimmer,
Wie eine rettende Gestalt.
 
Du winkst, wenn mir die letzte Thrän' entfließet,
Mich zur Vergötterung hinauf.
Ein Mensch, ein müder Pilger schließet,
Ein Gott beginnet seinen Lauf!

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