Vier Bet- und Bussgesänge nach Worten der Heiligen Schrift

Song Cycle by Emil Nikolaus von Rezniček (1860 - 1945)

Word count: 342

1. Oh, wie ist die Barmherzigkeit des Herrn [sung text checked 1 time]

Oh, wie ist die Barmherzigkeit des Herrn so groß
und lässet sich gnädig finden denen,
so sich zu ihm bekehren! 
Denn was kann doch ein Mensch sein,
sintemal er nicht unsterblich ist?
Was ist heller als die Sonne? 
Und dennoch wird sie verfinstert;
und was Fleisch und Blut dichtet,
das ist ja böses Ding. 
Das Heer der Himmelshöhe hält er in Ordnung;
aber alle Menschen sind Erde und Staub.

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Researcher for this text: John Versmoren

2. Willst du Gottes Diener sein [sung text checked 1 time]

Willst du Gottes Diener sein, 
so schicke dich zur Anfechtung.
Halte fest und leite dich
und wanke nicht, 
wenn man dich davon locket. 
Halte dich an Gott und weiche nicht,
auf dass du immer stärker werdest.
Alles, was dir widerfähret, 
das leide und sei geduldig in allerlei Trübsal.
Denn gleich wie das Gold durchs Feuer,
also werden die, so Gott gefallen,
durchs Feuer der Trübsal bewährt.

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3. Alles, was aus der Erde kommt [sung text checked 1 time]

Alles, was aus der Erde komrnt,
muss wieder zu Erde werden, 
wie alle Wasser wieder ins Meer fließen.
Alle Geschenke und unrecht Gut
müssen untergehen; 
aber die Wahrheit bleibt ewiglich. 
Der Gottlosen Güter versiagen wie ein Bach,
wie ein Donner verrauscht im Regen. 
Wohltun aber ist wie ein gesegneter Garten,
und Barmherzigkeit bleibet ewiglich. 
Wein und Saitenspiel erfreuen das Herz; 
aber die Weisheit ist lieblicher denn die beide.
Pfeife und Harfe lauten wohl; 
aber eine freundliche Rede besser denn die beide.
Dein Auge siehet gern, was lieblich und schön ist,
aber eine grüne Saat lieber denn beides.

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4. Tod, wie bitter bist du [sung text checked 1 time]

Tod, wie bitter bist du,
wenn an dich gedenkt ein Mensch,
der gute Tage und genug hat
und ohne Sorge lebt 
und dem es wohl gehet in allen Dingen.
O Tod, wie wohl tust du dem Dürftigen,
der da schwach und alt ist,
der in allen Sorgen steckt 
und nichts Bessers zu hoffen
noch zu gewarten hat.
Fürchte den Tod nicht. 
Gedenke, dass es also vom Herrn goordnet ist
über alles Fleisch, 
beide, derer die vor dir gewesen sind
und nach dir kommen werden.
Und was weigerst du dich
wider Gottes Willen, 
du lebest zebn, hundert oder tausend Jahre.
Denn im Tod fraget man nicht,
wie lange einer gelebt habe.

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