Klänge aus der Kinderwelt, Heft III

by (Karl Gottfried) Wilhelm Taubert (1811 - 1891)

1. Hirt und Guckguck [sung text not yet checked]

Von Holz der Schuh, von Stroh der Hut, 
Und drauf die Spielhahnfeder, 
Den Arm voll Kraft, das Herz voll Muth, 
Das ist der Hirtenpeter. 
Er hütet Tag und Nacht die Schaf', 
Ein Bursche fromm und treu und brav, 
Und immer lustig geht er. 

Er singt ein Lied, das schallt und klingt 
Weithin durch Berg' und Wälder; 
Er singt ein Lied, das hallt und dringt 
Weithin durch Thal und Felder.  --  
Was er auf einmal sinnt und denkt? 
Jetzt lauscht er still, die Arm' verschränkt, 
Und mitten im Liede hält' er. 

Der Guckguck auf dem Tannenbaum, 
Er wiegt sich auf und nieder. 
Der Knabe steht, als wie im Traum, 
Und horcht und horchet wieder. 
"Guckguck!"  --  es wird nicht satt sein Ohr,  
"Guckguck!"  --  das kommt ihm schöner vor 
Als alle seine Lieder.

Authorship:

Confirmed with Friedrich Güll, Kinderheimath in Liedern. Volksausgabe: drei Gaben in einem Band, Güntersloh: C. Bertelsmann, 1875, pages 171 - 172.


Researcher for this text: Melanie Trumbull

2. Des Schäfers Wunsch [sung text not yet checked]

Hans Peter zog am Morgen
Ganz frühe fort von Haus,
Er trieb die Schaf' und Lämmer
Ins Freie 'naus.

Das that er alle Morgen
Und that es wohlgemuth,
Ihm waren seine Schafe,
Er ihnen gut.

Mal that er's nicht so gerne,
Es schien das Herz ihm schwer:
Ach! wenn ich doch ein Kaiser
Und König wär'!

Hans Peter! sagt der Vater,
Was, Junge, fällt dir ein?
Ein Narr wirst du noch eher
Als Kaiser sein.

Ach! wär' ich auch kein Kaiser,
Ein Graf nur möcht' ich sein,
Dann hütet' ich zu Pferde
Die Schafe mein.

Authorship:

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. Vom listigen Grassmücklein [sung text not yet checked]

Subtitle: Ein lustiges Stücklein

Klaus ist in den Wald gegangen, 
weil er will die Vöglein fangen.

Auf den Busch ist er gestiegen, 
weil er will die Vöglein kriegen.

Doch im Nestchen sitzt das alte 
Vögelein just vor der Spalte,

schaut und zwitschert: "Ei der Daus! - 
Kinderlein, es kommt der Klaus!

Hu, mit einem großen Prügel, 
Kinderlein, wohl auf die Flügel!"

Brr, da flattert's: Husch, husch, husch! 
Leer das Nest und leer der Busch.

Und die Vöglein lachen Klaus 
mit dem großen Prügel aus,

daß er wieder heimgegangen, 
zornig, weil er nichts gefangen,

daß er wieder heimgestiegen,
weil er konnt' kein Vöglein kriegen.

Authorship:

Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

4. Von dem kleinen Schnecklein unterm Rosenstöcklein, in dem Dornenhecklein [sung text not yet checked]

Ei wie langsam, ei wie langsam
Kommt der Schneck von seinem Fleck!
Sieben lange Tage braucht er
Von dem Eck in's andre Eck.

Ei wie langsam, ei wie langsam
Steigt der Schneck im Gras daher!
Potz! da wollt' ich anders laufen,
Wenn ich so ein Schnecklein wär'.

Büblein, denk', es muß ja schleppen
Mit sich fort sein ganzes Haus,
Mit der Thür' und mit den Treppen
Da es schlüpfet ein und aus.

Dieß nimm wohl in Acht, mein Büblein!
Wenn du über's Schnecklein zankst;
Könntest selber nicht dein Stüblein
Tragen, ohne daß du wankst;

Müßtest ganz entsetzlich schnaufen,
Kämest gar nicht von dem Fleck;
Müßtest selbst so langsam laufen,
Als der Schneck von Eck zu Eck.

Authorship:

Confirmed with Friedrich Güll, Kinderheimath in Liedern. Volksausgabe: Drei Gaben in einem Band, Güntersloh: C. Bertelsmann, 1875, page 79.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Melanie Trumbull

5. Fuhrmann und Fährmann [sung text checked 1 time]

Was tut der Fuhrmann?
Der Fuhrmann spannt den Wagen an,
die Pferde zieh'n, der Fuhrmann knallt,
dass laut es durch die Straßen hallt.
He, hollahe!
Was tut der Fährmann?
Der Fährmann legt an's Ufer an
und ruft: „Ich lieg' nicht lange still,
d'rum komme, wer hinüber will!“
He, hollahe!

Da kam der Fuhrmann
mit seinem großen Wagen an,
der war mit Kasten vollgespickt,
dass sich der Fährmann d'rob erschrickt.
He, hollahe!
„Ei,“ sprach der Fährmann, 
„dich fahr' ich nicht, Gevattersmann, 
zahlst du mir nicht aus jeder Kist'
ein Stück von dem, was d'rinnen ist!“
He, hollahe!

„Gut,“ sprach der Fuhrmann,
und als sie drüben kommen an,
die Kasten öffnen sie geschwind,
was war darin? Nur leerer Wind!
He, hollahe!
Schalt nicht der Fährmann?
Bewahr'! Er lacht' und sagte dann:
„Aus jeder Kist' ein Stücklein Wind,
ei nun, da fährt mein Schiff geschwind!“
He, hollahe!

Authorship:

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Confirmed with ABC-Buch für kleine und große Kinder, Lieder von R. Reinick, Singweisen von Ferd. Hiller, zweite Auflage, Leipzig: Georg Wigand's Verlag, 1847, page 23.


Research team for this text: Melanie Trumbull , Johann Winkler

6. Wie das Finklein das Bäuerlein im Scheuerlein besucht [sung text not yet checked]

Bäuerlein, Bäuerlein:  Tiktiktak! 
Hast  'nen großen Habersack, 
Hast viel Weizen und viel Kern, 
Bäuerlein, hab' dich gar zu gern!  

Bäuerlein, Bäuerlein:  Tiktiktak! 
Komm' zu dir mit Sack und Pack, 
Komm' zu dir nur, daß ich lern', 
Wie man ausdrischt Korn und Kern. 

Bäuerlein, Bäuerlein:  Tiktiktak! 
Ei, wie ist denn der Geschmack 
Von dem Korn und von dem Kern, 
Daß ich's unterscheiden lern'. 

Bäuerlein, Bäuerlein spricht und lacht: 
"Finklein, nimm dich nur in Acht, 
Daß ich, wenn ich dresch' und klopf', 
Dich nicht treff' auf deinen Kopf!  

Komm' herein und such' und lug', 
Bis du satt hast und genug;
Daß du nicht mehr hungrig bist,  
Wenn das Korn gedroschen ist." 

Authorship:

Confirmed with Friedrich Güll, Kinderheimath in Liedern. Volksausgabe: Drei Gaben in einem Band, Güntersloh: C. Bertelsmann, 1875, pages 71 - 72.


Research team for this text: Bertram Kottmann , Melanie Trumbull

7. Guten Abend [sung text checked 1 time]

Es ist schon dunkel um mich her,
ich finde keine Herberg' mehr,
ach liebes Blümchen, lass mich ein!
Das spricht: „Komm, Käfer, nur herein,
du sollst mir schön willkommen sein.“
Guten Abend!

Dem Vöglein ist im Nest so kalt:
Lieb' Mutter, wir erfrieren bald!
Ach, bist du uns denn gar entfloh'n?
Die spricht: „Hier, Kinder, bin ich schon,
mach' euch ein warmes Bett zum Lohn.“
Guten Abend!

D'rauf schließt die Blum' ihr Pförtelein,
der Vogel singt die Kleinen ein
und deckt sie mit den Flügeln weich.
Da kommt der Abendwind sogleich
und wiegt in Ruhe Blum' und Zweig.
Gute Nacht!

Authorship:

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Researcher for this text: Johann Winkler

8. Abendglöcklein [sung text not yet checked]

Glöcklein, Abendglöcklein läute
Frieden, Freude allen Menschen zu.
Helle laß dein Lied erschallen,
Und bring' Allen, und bring' Allen
Eine sanfte Ruh'!
Ruhe dem, der sorgt und weint,
Ruh' dem Freunde und auch dem Feind.
Allen Lieben bringe du
Ruhe, und mir auch dazu.

Authorship:

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Confirmed with Friedrich Güll, Kinderheimath in Liedern. Volksausgabe: Drei Gaben in einem Band, Güntersloh: C. Bertelsmann, 1875, page 189.

1 Silcher:
Ruh' dem Freunde und dem Feind.
Glöcklein allen Lieben bringe du
Sanfte Ruhe und mir auch dazu.

Research team for this text: Bertram Kottmann , Melanie Trumbull

9. Wiegenlied [sung text not yet checked]

Eia popeia, schlaf, Kindlein, schlaf!
Es kommen die Zicklein, es kommen die Schaf',
Die Schäflein mäh mäh und die Zicklein meck meck;
Hübsch leise, daß keines das Kind mir erweck'!
Die Schäflein, die bringen die Woll' auf dem Rücken,
Damit die Mutter kann Strümpfchen dir stricken;
Die Zicklein, die springen so munter und froh;
Mein Kindlein, das machst du bald eben so.

Eia popeia, die Äuglein thu zu!
Es kommen die Küh' mit dem Ochsen muh muh.
Mein Kindlein, habe davor nicht Schreck!
Den bösen Ochsen, den jag' ich weg;
Und wenn die Küh' auch schön nicht singen,
Doch schöne Milch sie dem Kindlein bringen;
Von der wird keine Butter gemacht,
Die kriegt das Kindlein, wenn 's ist erwacht.

Eia popeia, schlaf, Kindlein, ein!
Es kommen die Hühner und gackern mit drein;
Es kommt auch der Hahn, schreit kickeriki.
Lieb Kindlein, für dich ist's immer noch früh;
Die Mutter nur wollte der Hahn erwecken,
Das Kindlein von neuem zuzudecken.
Den Hühnern ruft er: legt jede ein Ei,
Damit es dem Kindlein nicht fehle zum Brei.

Eia popeia, nun schlafe recht fest!
Das Schwälblein draußen zwitschert ums Nest,
Was bringst du, Schwälblein, dem Kinde mein?
Und bringst du nichts mit, nicht laß ich dich ein.
Ei Schwälblein, Schwälblein, komm nur geschwinde,
Du bringst ja des Hauses Segen dem Kinde.
Mein Kindlein im Schlafe das lächelt dazu,
Eia popeia, mein Kindlein, halt Ruh!

Authorship:

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

10. Zum Geburtstag des Vaters [sung text not yet checked]

Was machen die Kinder?  sie weinen doch nicht?  --
Sie wachen
Und lachen,
Sie spielen und machen
Einander ein freundlich Gesicht. 

Was machen die Lämmer?  sie darben noch nicht?  --
Sie grasen
Auf Rasen,
Die Schäfer  --  sie blasen,
Und keiner versäumet die Pflicht. 

Was macht denn mein Männchen?  er zürnet doch nicht?  -- 
Er bindet
Und windet,
Wo's nöthig sich findet,
Im Garten die Reben ans Licht. 

Wie sieht es beim Nachbar?  sie zanken doch nicht?  -- 
Sie nicken
Und schicken
Viel Grüße mit Blicken,
So hold nur ein Freundlicher spricht. 

Und nun auf den Abend, es fehlet doch nicht?
Es gehen
Und drehen
Mit Hasen und Rehen
Die Spieße manch herrlich Gericht.

Gut alles!  So rufe mit holdem Gesicht
Bei Seite
Die Leute:
Geburtstag ist heute!
Und Männchen  --  der weiß es noch nicht!

Authorship:

Confirmed with Taschenbuch zum geselligen Vergnügen, neunzehnter Jahrgang, ed. by Wilhelm Gottlieb Becker, Leipzig: bei Johann Friedrich Gleditsch, 1809, pages 142 - 143.


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11. Rettig und Rübe [sung text checked 1 time]

Ist der Rettig mit der Ruben
'mal spazieren gangen,
kommen da die bösen Buben,
woll'n den Rettig fangen.
Weil die Schlingel gar so laufen,
kann der Rettig nimmer schnaufen,
rennt er in die Kreuz und Quer,
plumpt er in den Bronnen,
und die Ruben hinterher
purzelt in die Tonnen.

Sind die wilden Gassenbuben
über'n Stein gestolpert
und hinunter in die Gruben
allesamt gestolpert.
Springt der Rettig aus dem Bronnen
und die Ruben aus der Tonnen,
lachen recht die Buben aus,
drunten in der Gruben,
und dann wackeln sie nach Haus',
Rettig und die Ruben.

Authorship:

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12. Hänselein [sung text not yet checked]

Hänselein, willst du tanzen?
Ich geb' dir auch ein Ei.
"O nein, ich kann nicht tanzen,
Und gäbst du mir auch drei.
In unserm Hause geht das nicht,
Die kleinen Kinder tanzen nicht,
Und tanzen kann ich nicht."

Hänselein, willst du tanzen?
[Ein]1 Vöglein geb' ich dir.
"O nein, ich kann nicht tanzen,
Und gäbst du mir auch vier.
In unserm Hause geht das nicht,
Die kleinen Kinder tanzen nicht,
Und tanzen kann ich nicht."

Hänselein, willst du tanzen?
Ich geb' dir einen Stock.
"O nein, ich kann nicht tanzen,
Und gäbst du mir ein Schock.
In unserm Hause geht das nicht,
Die kleinen Kinder tanzen nicht,
Und tanzen kann ich nicht."

Hänselein, willst du tanzen?
[Ein Tänzlein geig' ich dir]2.
"O ja, ich kann schon tanzen,
[Jetzt geig' ein Stücklein]3 mir!
In unserm Hause gilt der Brauch:
Sobald man geiget, tanzt man auch,
Und tanzen kann ich auch."

Authorship:

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1 Dresel: "Zwei"
2 Dresel: "Ich geig' ein Stückchen dir"
3 Dresel: "So geig' ein Stückchen"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]
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