Fünf Lieder aus Julius Wolff's "Singuf"

Song Cycle by Hugo Riemann

Word count: 493

1. Des Tages will ich denken [sung text not yet checked]

Des Tages will ich denken,
Da ich zuerst dich sah,
Tief in die Brust versenken,
Wie mir dabei geschah.

Als hätte zu ihrem Ruhme
Die Welt sich neu geschmückt
Mit einer Wunderblume,
Die noch kein Mensch gepflückt.

So war ich schier betroffen
Von deiner Schönheit Glanz,
Ich trug mein stolzes Hoffen
Wie einen Siegeskranz.

Die Eine oder Keine!
So rief's im Augenblick,
Und nun bist du die Meine,
Und mein sind Ruhm und Glück.

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2. Ich lasse die Augen wanken [sung text not yet checked]

Ich lasse die Augen wanken 
Nach dir wohl aus und ein, 
Ich küsse dich oft in Gedanken,
Herzallerliebste mein! 

Ich mache manche Meile,
Bei der mein Schritt nicht klingt,
Ich schreibe manche Zeile,
Die dir kein Bote bringt.

Die Blumen möcht' ich fragen:
Was blüht ihr hier am Weg? 
Zu dir möcht' ich sie tragen
Auch über den schmalsten Steg.

Dem Wind bestell' ich Grüße
Und Wünsche dem Abendstern,
Sehnsucht hat hundert Füße
Und bleibt doch ewig fern.

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3. O lass das Haupt mich legen [sung text not yet checked]

O laß das Haupt mich legen
In deinem Schoß zur Ruh,
Sprich einen Schlummersegen,
Mir fallen die Augen zu.

Ich hör' ein leises Klingen
Wie flöten und Schalmei'n,
Die winzigen Wichte singen,
Die Würmchen und Käferlein.

Und goldne Lichter zittern
Durchleuchtend das grüne Laub,
Es ist ein Flirren und Flittern
Im blitzenden Sonnenstaub.

Es funkelt in den Bäumen,
Es fächelt so süß die Luft,
O wunderselig Träumen
In Schatten und Waldesduft!

Ich fühle, wie du leise,
Kaum merklich dich bewegt
Und deine Blumen im Kreise
Zum Kranz zusammenlegst.

Und ist das Kränzlein fertig,
So schling' es mir um's Haupt,
Ich bin des Mundes gewärtig,
Der einen Kuß mir raubt.

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4. Waldbächlein [sung text not yet checked]

Waldbächlein schlüpft um Busch und Stein
Mit seinen krausen Wellen,
Und blinkeblanker Silberschein
Blitzt auf den spiegelhellen.

Klar ist wie Luft bis auf den Grund
Das schlängelnde Geriesel,
Es schleift und schmeichelt kugelrund
Die flink umtanzten Kiesel.

Es summt und klingt und klimpert just,
Wie wenn man Saiten stimmet,
Und Well' auf Well' in Wanderlust
Mit leisem Singsang schwimmet.

Waldbächlein ohne Rast und Ruh,
Ich bin ja dein Geselle,
Ich sing' und wandere wie du,
Bleib' auch nicht auf der Stelle.

Wir dürfen beid' im raschen Sang
Die Blumen kaum berühren
Und sollen sie mit Sang und Klang
Vom Ufer nicht entführen.

Doch mit dir nimmst du Blüth' und Laub
In deinem Sprung, dem kühnen,
O Waldbächlein, wie manchen Raub
Hat Unsereins zu sühnen!

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5. Nur nicht weinen [sung text not yet checked]

Trotzt und muckt, [soviel]1 ihr wollt,
Noch so wüthend scheinet,
Meinetwegen grollt und schmollt,
Wenn ihr nur nicht weinet.

Feindes Grimm macht mich nicht bleich,
Auch nicht Blutvergießen,
Doch ich werde schwach und weich,
Seh' ich Thränen fließen.

Wenig fehlt, daß mir beiher
Selbst sich Tropfen lösten,
Wenn's nicht gar zu wonnig wär',
Schluchzende zu trösten.

Blicke schmelzen, thränenfeucht,
Brüstlein wogt und schwillet,
Zitternd schmiegt sich und verscheucht
Eine, ie man stillet.

Wangen heiß vom Weinen sehn
Macht das Herz mir schlagen,
Augen, die voll Zähren stehn,
Kann ich nichts versagen.

Was in euch für Mächte ruhn
Über Unsereinen,
Alles, Mädchen, mögt ihr thun,
Alles, nur nicht weinen!

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1 Riemann: "so weit"; further changes may exist not noted above.

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