Sechs Lieder aus Wolff's "Der Rattenfänger von Hameln"

Song Cycle by E. Steinbach

Word count: 849

1. Du rothe Ros' auf grüner Haid' [sung text not yet checked]

[Du]1 rote Rose auf grüner Heid',
Wer hieß dich blühn?
Du heißes Herz in tiefem Leid,
Was will dein Glühn?
Es braust der Sturm vom Berg herab,
Dich knickt er um;
Es gräbt die Liebe ein stilles Grab,
Du bist dann stumm.

Denk nicht an Tod, an Leben denk
In Lieb und Lust,
Dich selber wirf als dein Geschenk
An meine Brust.
Ich weiß es ja, daß du mich liebst
In Überfluß,
O Seligkeit! wenn du mir giebst
Den ersten Kuß.

Geschrieben steht am Sternenzelt,
Du wärest mein;
Was fragt die Liebe nach der Welt
Und ihrem Schein?
Um meinen Nacken schling den Arm,
Preß Mund auf Mund,
Ruhst anders nicht so süß und warm
Im weiten Rund.

Versink, vergiß im Wonnerausch
Der Erde Zeit,
Giebst für den Augenblick in Tausch
Die Ewigkeit.
Komm! daß du meine Sehnsucht stillst,
O Königin!
Und wenn du meine Seele willst,
So nimm sie hin!

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1 Scherff: "Die"; further changes may exist not noted.

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2. Zwei Sterne machen mich jung und alt [sung text not yet checked]

Zwei Sterne machen mich jung lind alt
Und haben über mich alle Gewalt
Mit ihrem Blitzen und Blinken;
Ich weiß auch einen rothen Mund,
Ach! daran könnt' ich mich gesund
Von allen Schmerzen trinken.
Doch Eine geht dahin und lacht
Und will mich nicht verstehen,
Wie der Sommer in seiner Pracht
Nichts weiß von des Winters Wehen.

Die Vöglein singen das alte Lied,
Daß nie von Leide sich Liebe schied,
Ich schweige in sehnenden Aengsten.
Ich wollte, es käme im Abendroth
Den Weg mir entgegen der bleiche Tod
Und spräche: Nun littst du am längsten!
Wohl mag sich freuen am Sonnenstrahl
Der Frohe auf Bergesgipfel,
Ich liege klagend im schattigen Thal,
Und oben glänzen die Wipfel.

Eingetaucht in Schmerz und Wehmuth
War das Lied; Regina fühlte
Ieden Ton in ihrer Seele
Wiederhallen, alle Saiten
Ihres Innern mächtig schwingen;
Zu dem traumgewiegten Herzen
Flüsterten von Huld und Mitleid
Schmeichelnd die erregten Sinne.
Und als hätt' er das errathen,
Ließ es jetzt wie Siegesjubel
Hunold von den Strängen rauschen
Und dazu ein innig Werben,
Süß wie Minnedank, ertönen.

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3. Rothhaarig ist mein Schätzelein [sung text not yet checked]

Rothhaarig ist mein Schätzelein,
Rothhaarig wie ein Fuchs,
Und Zähne hat's wie Helfenbein
Und Augen wie ein Luchs.

Und Wangen wie ein Rosenblatt
Und Lippen wie ein Kirsch,
Und wenn es ausgeschlafen hat,
So schreitet's wie ein Hirsch.

Im Köpfchen sitzt ihm ein Kobold,
Ein Grübchen in dem Kinn,
Ein Herzchen hat es klar wie Gold 
Und kreuzfidelen Sinn.

Wie Silberglöcklein spricht's und lacht's,
Wie eine Lerche singt's,
Und tanzen kann's und Knixe macht's,
Und wie ein Heuschreck springt's.

Und lieben thut's mich, Zapperlot! 
Das weiss was Lieben heisst,
Und küsst es mich -- Schockschwerenoth! 
Ich denk' manchmal, es beisst.

Doch weiter kriegt ihr nichts heraus,
Und fragt ihr früh und spat,
Es kratzt mir sonst die Augen aus,
Wenn ich noch mehr verrath.

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4. Siehst du über jenen Hügeln [sung text not yet checked]

Siehst du über jenen Hügeln
Hoch den Falken dort?
Trüg' er doch auf seinen Flügeln
Meine Sehnsucht fort!

Oder könnt' ich sie versenken
In die tiefe See,
Müßte deiner nicht gedenken
Mit der Brust voll Weh.

Immer hör' ich noch das Rufen
Von des Wächters Horn,
Klang von fremden Rosseshufen,
Und des Ritters Sporn.

Seh' noch deines Schleiers Winken,
Als ich ritt hindann,
Lustig schmetterten die Zinken
Dem betrübten Mann,

Und auf meinen Lippen brennet
Noch dein letzter Kuß;
Was uns scheidet, was uns trennet.
Ist's nur Berg und Fluß?

Ach! es spiegelt in dem Thaue
Sich ein bleiches Bild,
Deine Augen, holde Fraue,
Glänzen sternenmild.

Und du breitest deinem Lieben
Wohl die Arme aus,
Fliegt hinan, vom Mönch geschrieben,
Brieflein dir und Strauß.

Bin zurück aus weiter Fremde,
Unterm Pilgerkleid
Trage ich das Panzerhemde,
Waffen und Geschmeid.

Bin gefahren durch die Lande,
Nie du mich verbannt,
Bringe von dem Turbanbande
Dir den Adamant.

Nimmer, Herrin, werd' ich weichen,
Bis du mich erhört,
Will mich in den Burghof schleichen,
Thürmer ist bethört.

Öffne, öffne mir die Pforte
In verschwiegner Nacht,
Wie's verheißen deine Worte,
Deines Lächelns Macht.

Will auf deinein rothen Munde
Finden süßen Trank
Und in trautem Liebesbunde
Meinen Minnedank.

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5. Und wenn ich des Papstes Schlüssel trüg' [sung text not yet checked]

Und wenn ich des Papstes Schlüssel trüg',
Und wenn mit des Kaisers Schwert ich schlüg',
Ich wüßt' eine Wundermäre;
Ich spräche wohl heilig mein Herzenslieb
Und schlüge zum Ritter den Tugenddieb,
Wenn ich und kein Andrer es wäre.

Komm, komm, viellieber Geselle mein,
Du wilder Falke, kehr' ein, kehr' ein!
Ich weiß einen Himmel auf Erden;
Und wenn du auch noch kein Ritter bist,
Und wenn auch dein Lieb keine Heilige ist,
Da können wir selig werden.

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6. Lass mich dir sagen, lass mich dir singen [sung text not yet checked]

Laß mich dir sagen, laß mich dir singen,
Daß ich dich liebe, du herzige Maid,
Ach! mich umsauset ein Schwingen und Klingen,
Herz will mir springen,
Weiß nicht, vor Glück oder Leid.

Wenn ich dich sehe, nahe und ferne,
Geht mit mir Alles auf Erden rundum,
Daß meinen Namen ich gerne verlerne,
Himmlische Sterne,
Tanzet um's Liebchen herum!

Habe geschworen mit Weinen und Lachen:
Mein muß sie werden, und mein wird sie doch!
Und ob dich Riesen und Drachen bewachen,
Auch aus dem Rachen
Riß' ich der Hölle dich noch.

Sieh! und da bin ich; nun will ich dich drücken,
Drücken dich fest an die klopfende Brust,
Laß dich von Liebesentzücken berücken,
Ging auch in Stücken
Welt vor der ewigen Lust!

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