Zwei Lieder aus dem Rattenfänger von Hameln, von Julius Wolff

Song Cycle by Eduard Geitsch

Word count: 489

1. Die Schuhe geflickt [sung text not yet checked]

Die Schuhe geflickt und der Beutel gespickt,
Grüß' Gott, du wirthliches Dach!
Fahrt wohl, ihr Brüder, die ihr mir nickt,
Und saget nichts Böses mir nach;
Schweigt stille, ihr Mädel, von Abschied und Trauer,
Ich blase die Feder wohl über die Mauer,
Und fliegt sie grad' oder schräg,
So geht mein Weg.

Sie steckten ans Wamms mir den duftigen Strauß
Und schenkten mir noch einmal ein,
Dann wandert' ich fürbaß zum Thore hinaus
Und war in der Fremde allein.
Zurück nach den Thürmen noch blickt' ich vom Stege,
Da riefen die Vögel aus Busch und Gehege:
Fahr' weiter, Gesell, fahr' zu!
Was säumest du?

Zog über die Heide und über das Moor,
Da wehte der Wind so kalt,
Da sang es im Schilfe, da pfiff es im Rohr,
Und dann in den düsteren Wald,
Da gingen die Bäume die Winke die Wanke,
Die Brausen die Brasseln, die Klinke die Klanke,
Da schäumte und rauschte der Bach:
Mir nach! mir nach!

Nun kam ich zur klappernden Mühle in Gang
Und dachte: da kehrest du ein
Und legst dein Bündel still unter die Bank
Und grüßest mit Glück herein!
Den Mühlenstein sollst auf's Wasser du schlagen.
Tragt's den, so wird es dich auch wohl tragen;
Das Mühlrad ging immer rundum:
Kehr' um! kehr' um!

Ich habe durchfahren das weite Land,
Durchfahren dahin, daher,
Und was allerwegen vom Glück ich fand,
Davon ist das Ränzel nicht schwer,
Die Blumen am Wege, am Himmel die Sterne,
Die Einen verwelkt, die Andern so ferne,
Mein Herz, in der Welt allein,
Wer denkt noch dein?

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

2. Heraus mit der Fiedel [sung text not yet checked]

Heraus mit der Fiedel, den Bogen gewichst
Und die rostige Kehle geschmiert!
Sieh doch, wie das Mädel da zappelt und knixt
Und sich dreht und sich schämt und sich ziert.
Ei! Graukopf, du warst ja doch auch einmal jung
Und hattest ein Liebchen im Arm,
Nun bist du zu steif für den Siebensprung,
So geige und singe dich warm.

Und schneide mir kein so'n Holzapfelgesicht,
Es kann doch nicht jeglicher Wein
Wie Honig so süß und so klar wie das Licht
Und so süffig wie Buttermilch sein.
Der Saure macht lustig, allhup! wohl bekomm's!
Na, wenn er ein wenig auch kratzt,
Er hat so was Flinkes, was Glattes und Fromm's,
Von dem ist noch Keiner geplatzt.

Zum Kuckuk mit deinem Nachtwächtergeplärr!
Da kann ich's doch besser, du Narr,
Du sägest und schabst uns ein Ohrengezerr
Und näselst wie unser Herr Pfarr.
Mal her mit dem Zeug! jetzt, Mädel, paßt auf!
Und haltet die Röcke hübsch fest,
Den Rechten, den Linken, daran und darauf!
Nun springt wie der Has' aus dem Nest.

Nun? merkst du was, Alter? jetzt kriegst du wohl Muth?
Das fluscht doch ganz anders darein,
Bin selber ein Spielmann, das steckt mal im Blut,
Die Fiedel macht's doch nicht allein.
He! Lieselott, fülle das Krügel mir frisch,
Halt! nicht von dem Lustigen, Kind!
Das bin ich schon selber; da unter dem Tisch
Steht's Kännlein, -- der wuchs unterm Wind.

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , "Bring out the fiddle", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]