6 feine liebliche Melodien zu lustigen Liedern von J. V. Scheffel, für 1 Singstimme mit Chor

by Hans Michael Schletterer (1824 - 1893)

Word count: 1204

1. Wanderlied [sung text not yet checked]

Wohlauf, die Luft geht frisch und rein.
Wer lange sitzt, muß rosten;
den allersonnigsten Sonnenschein
läßt uns der Himmel kosten.
Jetzt reicht mir Stab und Ordenskleid
der fahrenden Scholaren,
ich will zu guter Sommerzeit
ins Land der Franken fahren!

Der Wald steht grün, die Jagd geht gut,
schwer ist das Korn geraten;
sie können auf des Maines Flut
die Schiffe kaum verladen.
Bald hebt sich auch das Herbsten an,
die Kelter harrt des Weines;
der Winzer Schutzherr Kilian
beschert uns etwas Feines.

Wallfahrer ziehen durch das Tal
mit fliegenden Standarten,
hell grüßt ihr doppelter Choral
den weiten [Gottesgarten]1.
Wie gerne wär’ ich mitgewallt,
ihr Pfarr’ wollt mich nicht haben!
So muß ich seitwärts durch den Wald
als räudig Schäflein traben.

Zum heiligen Veit von Staffelstein
komm ich emporgestiegen,
und seh die Lande um den Main
zu meinen Füßen liegen:
Von Bamberg bis zum Grabfeldgau
umrahmen Berg und Hügel
die breite, stromdurchglänzte Au —
ich wollt', mir wüchsen Flügel.

Einsiedelmann ist nicht zu Haus,
dieweil es Zeit zu mähen;
ich seh ihn an der Halde draus
bei einer Schnittrin stehen.
Verfahr'ner Schüler Stoßgebet
heißt: Herr, gib uns zu trinken!
Doch wer bei schöner Schnitt'rin steht,
dem mag man lange winken.

Einsiedel, das war mißgethan,
daß du dich hub'st von hinnen!
Es liegt, ich seh's dem Keller an,
ein guter Jahrgang drinnen.
Hoiho! die Pforten brech' ich ein
und trinke was ich finde ...
Du heiliger Veit von Staffelstein
verzeih mir Durst und Sünde!

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Confirmed with Joseph Victor Scheffel, Gaudeamus!, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, Stuttgart, 1868.

Note: Becker adds "Valleri, vallera, valleri, vallera" at the end of each stanza.

1 Becker: "Sonnegarten"

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2. Die drei Dörfer [sung text not yet checked]

Wer reit't mit zwanzig Knappen ein
Zu Heidelberg im Hirschen?
Das ist der Herr von Rodenstein,
Auf Rheinwein will er pirschen.

»Hollaheh! den Hahn ins Faß! schenkt ein,
Ich fürcht', die Kehlen rosten!
Wir wöll'n ein Jahr lang lustig sein,
Und sollt's ein Dorf auch kosten!

Ein Dorf, was ist's?... Nur Mist und Rauch,
Ich hab' ja ihrer dreie ...
Gersprenz und Pfaffenbeerfurt auch
Und Reichelsheim, das treue!«

Trommeten klangen mit Schalmei'n
Und Pauken um die Wette,
Zwölf Monden saß der Rodenstein
Beim fürstlichen Bankette.

Und als er sich nach Jahr und Tag
Die Rechnung hergewunken,
Da sprach er: »Blitz und Donnerschag!
Jetzt ist Gersprenz vertrunken!
   Gersprenz ist hin!
   Gersprenz ist fort!
   Gersprenz der fromme, der züchtige Ort,
   Gersprenz ... ist ... veritrunken.

Hollaheh! doch wie man's treibt, so geht's,
Was liegt an dem Verlurste?
Man spricht vom vielen Trinken stets,
Doch nie vom vielen Durste.
   Gersprenz ist hin!
   Gersprenz ist fort!
   Gersprenz der fromme, der züchtige Ort,
   Gersprenz ... ist ... veritrunken.«

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3. Der Willekumm [sung text not yet checked]

Und als der Herr von Rodenstein
Zum Frankenstein sich wandte,
Empfing er seinen Ehrenwein,
So wie es Brauch im Lande.
In Beerbach vor dem Rathaus bracht'
Der Zentgraf mit den Bauern
Den Kauzenkrug. Der Alte lacht:
»Nur her mit Euerm Sauern!
Ihr Mannen macht das Armbein krumm,
Der Willekumm gaht um, gaht um,
Holliro, das Bauernkäuzlein
Gaht um, gaht um!«

Als er von dort sich durchgezerrt
Zur Frankensteiner Linde,
Stand Weg und Durchpaß dicht gesperrt
Vom jungen Burggesinde:
Ein Reiterstiefel lebensgroß
Von Ton, ein feinbemalter,
Ward ihm gefüllt kredenzt aufs Roß
Und alles sang den Psalter:
»Ihr Mannen, macht das Armbein krumm,
Der Willekumm gaht um, gaht um,
Holliro, der große Stiefel
Gaht um, gaht um!«

Im Burghof grüßt' ein zweiter Schwarm
Ihn mit Kartaunenzündung,
Da schwang der Burgherr selbst im Arm
Des zweiten Stiefels Ründung.
Des Schloßbergs Feinsten goß man ein
Und würdig sprach der Ritter:
»Herr Nachbar, nit auf eynem Bein!
Der hier schmeckt auch nicht bitter.
Ihr Mannen, macht das Armbein krumm,
Der Willekumm gaht um, gaht um,
Holliro, der große Stiefel
Gaht um, gaht um.«

Der Rodenstein trank aus und rief:
»Gott segne deine Nase!
Die meine bog sich beinah schief
Von solchem Strom im Glase.
Jetzt wöll'n wir in dem Rittersaal
Ausruhn vom ersten Tosen;
Mir ahnt, dort füllt dein Eh'gemahl
Das Trinkhorn Karls des Großen.
Und nochmals heißt's: das Armbein krumm,
Der Willekumm gaht um, gaht um,
Holliro, des Kaisers Hörnlein
Gaht um, gaht um.«

... Beim Abschied andern Morgens war
Ein Nebel weit und breite,
Da bracht' man ihm das Stammbuch dar
Zum Eintrag, eh' er scheide.
Und zittrig schrieb er: »Kund soll sein,
Daß ich hie eingeritten
Und lob' das Haus zum Frankenstein
Als Haus von guten Sitten:
Der Willkumm hat mir so gemund't,
Daß ich das Bett nicht finden kunnt',
Holliro, nicht nur der Stiefel,
's ging alles um

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4. Der Enderle von Ketsch [sung text not yet checked]

Chorus:
  »Jetzt weicht, jetzt flieht! Jetzt weicht, jetzt flieht
  Mit Zittern und Zähnegefletsch:
  Jetzt weicht, jetzt flieht! Wir singen das Lied
  Vom Enderle von Ketsch!«

Solo:
  Ott' Heinrich, der Pfalzgraf bei Rheine,
  Der sprach eines Morgens: »Rem blemm!
  Ich pfeif' auf die saueren Weine,
  Ich geh' nach Jerusalem!

  Viel schöner und lilienweißer
  Schaun dort die Jungfrauen drein:
  O Kanzler, o Mückenhäuser,
  Fünftausend Dukaten pack' ein!«

  Und als sie lagen vor Joppen,
  Da faltet der Kanzler die Händ':
  »Jetzt langt's noch zu einem Schoppen,
  Dann sind die Dukaten zu End'!«

  Ott' Heinrich, der Pfalzgraf, sprach munter:
  »Rem blemm! Was ficht uns das an?
  Wir fahren nach Cyprus hinunter
  Und pumpen die Königin an.«

  ... Schon tanzte die alte Galeere
  Vor Cyprus in funkelnder Nacht,
  Da hub sich ein Sturm auf dem Meere
  Und rollender Donner erkracht.

  Umzuckt von gespenstigem Glaste
  Ein schwarzes Schiff braust vorbei,
  Hemdärmlich ein Geist steht am Maste
  Und furchtbar gellet sein Schrei:

Chorus:
 »Jetzt weicht, jetzt flieht! Jetzt weicht, jetzt flieht
 Mit Zittern und Zähnegefletsch:
 Jetzt weicht, jetzt flieht! Im Sturm herzieht
 Der Enderle von Ketsch!«

Solo:
  Der Donner klang leise und leiser
  Und glatt wie Öl lag die See,
  Dem tapferen Mückenhäuser,
  Dem Kanzler, war's wind und weh.

  Der Pfalzgraf stund an dem Steuer
  Und schaut' in die Wogen hinaus:
  »Rem blemm! 's ist nimmer geheuer,
  O Cyprus, wir müssen nach Haus!

  Gott sei meiner Seele gnädig,
  Ich bin ein gewitzigter Mann:
  Zurück, zurück nach Venedig!
  Wir pumpen niemand mehr an.

  Und wer bei den Türken und Heiden
  Sein Geld wie ich verschlampampt,
  Der verzieh' sich geräuschlos beizeiten,
  Es klingt doch höllenverdammt:

Chorus:
  Jetzt weicht, jetzt flieht! Jetzt weicht, jetzt flieht
  Mit Zittern und Zähnegefletsch:
  Jetzt weicht, jetzt flieht! Im Sturm herzieht
  Der Enderle von Ketsch!«

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5. Das Hildebrandlied [sung text not yet checked]

            Hiltibraht enti Handhubrant ...

Hildebrand und sein Sohn Hadubrand, Hadubrand,
Ritten selbander in Wut entbrannt, Wut entbrannt
Gegen die Seestadt Venedig.

Hildebrand und sein Sohn Hadubrand, Hadubrand,
Keiner die Seestadt Venedig fand, Venedig fand,
Da schimpften die beiden unflätig.

Hildebrand und sein Sohn Hadubrand, Hadubrand,
Ritten bis da, wo ein Wirtshaus stand, Wirtshaus stand,
Wirtshaus mit kühlen Bieren.

Hildebrand und sein Sohn Hadubrand, Hadubrand,
Trunken sich beid' einen Riesenbrand, Riesenbrand,
Krochen heim auf allen vieren.

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6. Altassyrisch  [sung text not yet checked]

Im Schwarzen Walfisch zu Askalon
Da trank ein Mann drei Tag,
Bis daß er steif wie ein Besenstiel
Am Marmortische lag.

Im Schwarzen Walfisch zu Askalon
Da sprach der Wirt: «Halt an!
Der trinkt von meinem Dattelsaft
Mehr als er zahlen kann.»

Im Schwarzen Walfisch zu Askalon
Da bracht' der Kellner Schar
In Keilschrift auf sechs Ziegelstein
Dem Gast die Rechnung dar.

Im Schwarzen Walfisch zu Askalon
Da sprach der Gast: «O weh!
Mein bares Geld ging alles drauf
Im Lamm zu Niniveh!»

Im Schwarzen Walfisch zu Askalon
Da schlug die Uhr halb vier,
Da warf der Hausknecht aus Nubierland
Den Fremden vor die Tür.

Im Schwarzen Walfisch zu Askalon
Wird kein Prophet geehrt,
Und wer vergnügt dort leben will,
Zahlt bar, was er verzehrt.

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