Characterbilder für 4 Männerstimmen mit Begleitung des Pianoforte oder Harmonium

Song Cycle by Joseph Rudolph Schachner (1821 - 1896)

Word count: 465

1. Die Lerche [sung text checked 1 time]

Seht, wie sie fliegt,
wie sie sich wiegt,
wie sie sich hebt
und wie sie schwebt
zur Sonne hinan mit freudigem Sinn,
die Lerche, die Morgenverkünderin!

Und wie sie singt,
zu Herzen dringt
wie Minnekuss
ihr Liedergruß.
Sie trägt empor mit Sang und Klang,
was uns hier quälet so lang und bang.

Wie ab sie lenkt,
sich niedersenkt,
sich niederlässt
ins Halmenest;
da schweigt auch ihr Jubel, ihr Liederscherz,
zu selig zum Singen ist ihr Herz!

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Researcher for this text: Johann Winkler

2. Alt-Assyrisch [sung text not yet checked]

Im Schwarzen Walfisch zu Askalon
Da trank ein Mann drei Tag,
Bis daß er steif wie ein Besenstiel
Am Marmortische lag.

Im Schwarzen Walfisch zu Askalon
Da sprach der Wirt: «Halt an!
Der trinkt von meinem Dattelsaft
Mehr als er zahlen kann.»

Im Schwarzen Walfisch zu Askalon
Da bracht' der Kellner Schar
In Keilschrift auf sechs Ziegelstein
Dem Gast die Rechnung dar.

Im Schwarzen Walfisch zu Askalon
Da sprach der Gast: «O weh!
Mein bares Geld ging alles drauf
Im Lamm zu Niniveh!»

Im Schwarzen Walfisch zu Askalon
Da schlug die Uhr halb vier,
Da warf der Hausknecht aus Nubierland
Den Fremden vor die Tür.

Im Schwarzen Walfisch zu Askalon
Wird kein Prophet geehrt,
Und wer vergnügt dort leben will,
Zahlt bar, was er verzehrt.

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. Warnung [sung text not yet checked]

Hüte dich vor Liebe,
Sie giebt Lebensqual;
Daß sie fern doch bliebe
Nach dem erstenmal!

Aber wer empfunden
Niemals ihre Macht,
Diesem ist verschwunden
Leben eine Nacht.

Er beschloß sein Leben,
Ehe er gelebt;
Kennet nicht daö Schweben,
Das zum Himmel hebt.

Heiliges Empfinden!
Höchste Seligkeit!
Leiden euch umwinden,
Nie von Pein befreyt.

Seyd nur zu erwerben
Mit des Lebens Glück,
Tausendmal'ges Sterben
Für den Augenblick. 

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

4. Fahrender Schüler-Psalterium [sung text not yet checked]

O liberales clerici
nû merchet rehte wie dem sî.
Date: vobis dabitur
ir sült lân offen iwer tür
Vagis et egentibus
so gewinnet ihr daz himmelhûs,
et in perenni gaudio
alsus alsô, alsus alsô!

Pfarrherr, du kühler, öffne dein Tor,
Fahrende Schüler stehen davor.
Fahrende Schüler, unstete Kind,
Singer und Spieler, wirbliger Wind.
Eisern die Kehlen, Mägen von Erz,
Goldklare Seelen ... doch keiner begehrt's.
Kleidung ist dünne, Spreitung ist roh,
Ach und die Minne?... im Heu und auf Stroh.

Pfarrrherrr, du kühler, öffne dein Tor,
Fahrende Schüler stehen davor.
Franken und Schwaben kennen uns gut,
Lüftige Knaben, fräßige Brut.
Müssen uns nähren, Gotteserbarm,
Gleich dem verheerenden Heuschreckenschwarm.
Was wir durchstrichen, Bergflur und Tal,
Alles verblichen, abgegrast, kahl.

Pfarrrrherrrr, du kühler, öffne dein Tor,
Fahrende Schüler stehen davor!
Sparst du den Habersack, knaus'riger Kropf,
Packen zum Schabernack wir dich am Kopf,
Ziehen die Hosen, den Kuttrock dir aus,
Hängen die losen vors Fenster als Strauß.
Wer um den süßen Labtrunk uns klemmt,
Der muß uns büßen in Strümpfen und Hemd.

Pfarrherr, du kühler, öffne den Turm,
Fahrende Schüler rüsten zum Sturm!
Ho, ho, heiadihoh!
Avoy, avoy, alez avanz!
Alsûs alsô, alsûs alsô!
Ho, ho, heiadihoh, hoh, ho, ho!

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