Herbstklänge. Fünf Gesänge für Bariton (oder Alt) mit Pianoforte

Song Cycle by Oskar Bolck (1837 - 1888)

Word count: 481

1. Ich liebte dich, wie konnt' ich schweigen [sung text not yet checked]

Ich liebte dich, wie konnt' ich schweigen?
Mein tiefst Gemüt lag frei vor dir;
Ich wagt' es, dir mich ganz zu zeigen,
Du aber ließest doch von mir.
 
Doch ach, wie konnt' ich jemals hoffen,
Du würdest ruhn an meiner Brust,
Die selbst nach allen Stürmen offen,
Von keinem Frieden je gewußt?
 
Ich liebte Dich -- ich darf es sagen!
Ich hoffte -- und mit welchem Schmerz!
Ich hab' den Muth mich anzuklagen;
O, unaussprechlich litt mein Herz!
 
Leb' wohl und mög' dich Gott bewahren,
Auch ein Atom nur jener Gluth,
Die mich verzehrte, zu erfahren;
Nur mein Herz dulde, bis es ruht!

Authorship

See other settings of this text.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

2. In düsterer Zeit [sung text not yet checked]

Zu Boden sinkt von meinen Tagen
Die Lust an allem, Blatt um Blatt.
Ich fühl's mit Schmerz und mag nicht klagen,
Längst bin ich auch der Klage satt.

Verhüllt nur rollt ein innres Drängen,
Ein unerfülltes Zukunftwort,
Ein Strom von heißen Glutgesängen
In meiner Brust unglücklich fort;

Unglücklich, denn es blieb kein Streben,
Selbst meine Seele nicht mehr mein.
Dem späten Herbsttag gleicht mein Leben,
Dem Herbsttag ohne Sonnenschein.

Vielleicht nur kurz, bevor es dunkelt,
Daß auch noch mir ein Abend glüht,
Ein müder letzter Strahl, und funkelt
Auf Tage, denen nichts mehr blüht.

Authorship

See other settings of this text.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. Herbstgefühl [sung text not yet checked]

O wär' es bloß der Wange Pracht, 
Die mit den Jahren flieht! 
Doch das ist's, was mich traurig macht, 
Dass auch das Herz verblüht;

Dass, wie der Jugend Ruf verhallt
Und wie der Blick sich trübt, 
Die Brust, die einst so heiß gewallt, 
Vergisst, wie sie geliebt.

Ob von der Lippe dann auch kühn 
Sich Witz und Scherz ergießt, 
's ist nur ein heuchlerisches Grün, 
Das über Gräbern sprießt.

Die Nacht kommt, mit der Nacht der Schmerz 
Der eitle Flimmer bricht; 
Nach Tränen sehnt sich unser Herz 
Und findet Tränen nicht.

Wir sind so arm, wir sind so müd', 
Warum, wir wissen's kaum; 
Wir fühlen nur, das Herz verblüht, 
Und alles Glück ist Traum.

Authorship

See other settings of this text.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

4. Wer keinen Frühling hat [sung text not yet checked]

Wer keinen Frühling hat, dem blüht er nicht!
Wer schweigt, dem tönt kein Echo hier auf Erden!
Weß Herz nicht dichtet, der faßt kein Gedicht,
Und wer nicht liebt, dem wird nicht Liebe werden.

Was ist der Geist, der nie zum Geiste spricht,
Der selbstgefällig will in sich verwesen?
Was ein Gemüt, das nie die Rinde bricht?
Was eine Schrift, die nicht und nie zu lesen?

Es findet jeder Geist verwandte Geister!
Kein Herz, das einsam, ohne Liebe bricht!
Nur wer sich selbst verlor, ist ein Verwaister!
Wer keinen Frühling hat, dem blüht er nicht!

Authorship

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

5. Gute Stunden [sung text not yet checked]

Zähle nicht die bangen Stunden,
Die des Lebens Nacht entsteigen,
Zähle nur, wenn sie entschwunden, 
Wie viel Sterne Dir sich zeigen. 

Denn aus diesen lichten Sternen,
Die am Abendhimmel leuchten,
Kannst den sichern Trost Du lernen,
Daß sie Wolken nicht verscheuchten.

Immer, wenn die trüben wieder
In ihr Nichts zurückgesunken,
Blicken klar und mild hernieder
Diese goldnen Strahlenfunken.

So des Lebens gute Stunden,
Reich, unzählig wie die Sterne  -- 
Möchten jedem sie bekunden
Wie er schwere tragen lerne!

Authorship

Confirmed with Gedichte von Karl Stelter: zweite, ganz erneuerte Auflage, Leipzig: Carl Cnobloch, 1862. Appears in Stimmungen, page 72.


Researcher for this text: Melanie Trumbull