Acht Dichtungen von Mathilde Wesendonck für eine Tenorstimme mit Klavier-Begleitung

Song Cycle by Heinrich Schulz-Beuthen (1838 - 1915)

Word count: 658

1. Vergissmeinnicht [sung text checked 1 time]

Vergißmeinnicht, das blaue,
Schlägt fromm sein Auge auf,
Und blickt von Feld und Aue
So treu zu mir herauf.

Ich schau' hinab so traurig,
Es blüht so schön, so jung,
Und durch die Seele schaurig
Zieht mir Erinnerung.

Bald sah ich Thränen haugen
Ein unschuldvollen Blick,
Weiß nicht, ward zugegangen,
Dahin war all sein Glück.

Ich fand es welk am Morgen,
Verglommen war ein Licht:
Mein Herz nur wahr's verborgen
Ein blau's Vergißmeinnicht.

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2. Der Waisenknabe [sung text checked 1 time]

Bin ein armer Waisenknab'
Vater nicht noch Mutter hab'
Alle Menschen sind mir fremd,
Trage [ein zerriss'nes]1 Hemd.

Wandre still von Thür' zu Thür',
Niemand aber öffnet mir,
Meine Kost ist karg und schmal,
Keiner ladet mich zum Mahl.

Bin auf Gottes Welt allein
Mit den goldnen Sternelein,
Auf der Erde nur ein Grab
Hat der arme Waisenknab'! --

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1 Schulz-Beuthen: "nur ein ärmlich"

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3. Als sängen tausend Vögelein [sung text checked 1 time]

Als sängen tausend Vögelein
  In meiner Brust,
So klang es [aus]1 der Seele mein
  [In]2 Liebeslust.
Nun sind sie fortgeflogen
  Die lieben Vögelein,
Sind alle weggezogen
  Und ließen mich allein.

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1 Grosse: "in"
2 Grosse: "Vor"

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4. Als ich ein junges, leichtes Blut [sung text checked 1 time]

Als ich ein junges, leichtes Blut,
Da war mein Sorgen klein,
Kein Weh so groß, ich hoffte traun:
«'S ist morgen wieder gut!»

Doch seit ich weiß, wie's Leben thut,
Da ist mein Hoffen klein,
Und nur das Weh wuchs riesengroß:
«Und das wird nimmer gut.»

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5. Das deutsche Herz [sung text checked 1 time]

O schönes Herz, du deutsches Herz,
Im Unglück groß und groß im Schmerz,
Am größten heut' in deinem Glück,
In deiner Siege Lorbeerblick!

O großes Herz, du deutsches Herz,
Im Waffenkleid von Stahl und Erz,
So löwenkühn und siegsbewußt
Schlägt's nur in einer Heldenbrust!

O edles Herz, du deutsches Herz,
Im Glück verachtend nicht den Schmerz
Von Demuth fern und Übermuth,
Wie steht das Mitleid heut' dir gut!

O reines Herz, du deutsches Herz,
Der Glocke gleich vom reinsten Erz,
Klingt des Erbarmens gold'ner Klang,
Durch deines Ruhmes Siegessang!

O gutes Herz, du deutsches Herz,
Ein Kind an harmlos heiter'm Scherz,
Ein Mann an Muth und Tapferkeit,
Ein Jüngling an Bescheidenheit!

O liebes Herz, du deutsches Herz!
Wer trägt wie du so Lust als Schmerz?
Wer hält wie du dem Lieb die Treu'?
Wer ist wie du beglückt und frei?

Dem Liebling gleich im Mutterschooß,
Lieh dir Natur das schönste Loos,
Weil du so gut -- so groß -- so rein --
Mußt du Europas Herz nun sein.

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6. Als einst der große Schöpfer  [sung text checked 1 time]

Als einst der große Schöpfer 
erschuf die kleine Welt,
da schuf er auch die Liebe, 
die sie zusammen hält, 
die Liebe, die sie zusammen hält.

Und drob entflammt der Himmel 
und Sonne, Mond und Stern,
sie neigen sich zur Erde
und küßten sie so gern, 
sie neigen sich zur Erde 
und küßten sie so gern.

Und dass der Mensch hienieden
sich dünke nicht zu klein, 
gab ihm der Herr in's Herz -
die Liebe mit hinein.

Und was die Himmel hellet, 
Stern, Mond und Sonnenschein, -
das trägt in seinem Herzen
der Mensch allein,
das trägt in seinem Herzen
in seinem Herzen der Mensch,
der Mensch allein,
der Mensch allein.

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7. Wer allzu tief in den Himmel schaut [sung text checked 1 time]

Wer allzu tief in die Sonne schaut,
Der, sagt man, muß erblinden,
Und wer dem alten Spruch nicht traut,
Ihm will ich's neu verkünden.

Ich habe Dir in's Herz geschaut
Und sah Deine große Liebe:
Nun jauchzt es im Busen mir überlaut,
Die Augen doch wurden mir trübe!

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8. Soldatenlied [sung text not yet checked]

Hinaus in die Weite.
Hinaus in die Schlacht!
Zu ruhmvollem Streite,
Wo Ehre mir lacht!
Hinaus in die Ferne,
Hinaus auf das Feld!
Wie stürb' ich so gerne,
Ach, stürb' ich als Held!

Die Trommel gerühret,
Die Fahnen voran,
Das Ränzel geschnüret
Ein jeglicher Mann.
Das Aug' ohne Wanken,
Die Brust unbewegt,
So tritt in die Schranken,
Wer Ehre noch pflegt.

Und mutig und trotzig,
Nicht scheut er Gefahr,
Die Kugel, so protzig,
Sie saust ihm um's Haar!
Hurrah! In's Gedränge!
Hurrah! In's Gefecht!
So werde die Menge
Der Freunde gerächt.

Und trifft ihn die Kugel
Und sinkt er und fällt,
So ruft er voll Jubel:
Ich sterbe als Held!
Hinaus in die Ferne,
Hinaus auf das Feld!
Wie stürb' ich so gerne,
Ach, stürb' ich als Held!

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