German (Deutsch) translations of Acht Lieder von E. Geibel, opus 28
by Adolf Jensen (1837 - 1879)
Ich weiß nicht, säuselt' in den Bäumen, Des Frühlings Zauberlied zu Nacht? Aus unerklärlich holden Träumen Bin früh und frisch ich heut erwacht. Der Morgen weht mit goldner Schwinge, Mir um die Stirn den kühlen Schein; Noch möcht' ich rasten, doch ich singe, Mein Herz ist wie der Himmel rein. In süßen Schauern rührt sich wieder, Was je geblüht in meiner Brust, Und alte Liebe, [junge]1 Lieder Empfind' ich in vereinter Lust, So wie der Schwan, der seinen Bogen Auf blauem Wasser kreisend zieht, Zugleich im Spiegelglanz der Wogen Den Himmel mit den Sternen sieht.
Text Authorship:
- by Emanuel von Geibel (1815 - 1884), "Früh morgens"
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View original text (without footnotes)1 Rubinstein: "neue"
Hinaus ins Weite! Frühling kommt bald. Durch Schneegebreite Zum Fichtenwald! An stürzenden Bächen Schwindelnde Bahn, Durch sausende Wipfel Zum Fels, zum Gipfel Hinauf, hinan! Sauge, durstiger Wind, nur, sauge Mir die stürzende Thräne vom Auge, Leg' an die brennende Stirne dich an! Ach, nach dem Trauern, Dem dumpfen Schmerz, Wie löst dieß Schauern Selig mein Herz! O rastlos Drängen, Willst du gewaltsam Die Brust zersprengen? Ich kenne dich -- Liebe, Liebe, du kommst unaufhaltsam Noch einmal, Herrliche, über mich!
Text Authorship:
- by Emanuel von Geibel (1815 - 1884), "Neue Liebe", appears in Juniuslieder
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Confirmed with Juniuslieder von Emanuel Geibel, Zehnte Auflage, Stuttgart und Tübingen: J.G. Cotta'scher Verlag, 1854, pages 9-10.
Wie kühl der Felsen dunkelt Hernieder in [den]1 Rhein! Kein Strahl der Sonne funkelt Im grünen Wasserschein. Es kommt im Windesweben Ein Gruß der Märchenzeit -- Wie fern von hier das Leben! Die Welt wie weit von hier, wie weit! In dieser Schattenkühle Der Einsamkeit im Schooß, Wird alles was ich fühle So still, so klar, so groß. Kein Wunsch mehr, kein Begehren, Geschlichtet jeder Zwist -- Ich kann der Welt entbehren, Wo du o Liebe bei mir bist.
Text Authorship:
- by Emanuel von Geibel (1815 - 1884), "Unter der Loreley", appears in Juniuslieder, in Lieder
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View original text (without footnotes)1 Reinthaler: "dem"
Wenn die Reb' im Safte schwillt, Kommt die Schwalbe geflogen, Wenn das Aug' in Tränen quillt, Kommt die Liebe gezogen. Blume, Laub und weiße Blüt' Muß sich rasch entfalten. Schwarzbraun Kind, dein Herz behüt', Wirst es nicht behalten.
Text Authorship:
- by Emanuel von Geibel (1815 - 1884), no title, appears in Jugendgedichte, in 1. Erstes Buch, in Lieder als Intermezzo, no. 6
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Im Wald, im hellen Sonnenschein Wenn alle Knospen springen, [Da]1 mag ich gerne mittendrein Eins singen. Wie mir zu Muth in Leid und Lust, Im Wachen und im Träumen, Das stimm' ich an aus voller Brust Den Bäumen. Und sie verstehen mich gar fein, Die Blätter alle lauschen, Und fall'n am rechten Orte ein, Mit Rauschen. Und weiter [wandelt]2 Schall und Hall, In Wipfeln, Fels und Büschen. Hell schmettert auch Frau Nachtigall Dazwischen. Da fühlt die Brust am eignen Klang, Sie darf sich was erkühnen -- O [frische Lust: Gesang! Gesang]3 Im Grünen!
Text Authorship:
- by Emanuel von Geibel (1815 - 1884), no title, appears in Jugendgedichte, in 1. Erstes Buch, in Lieder als Intermezzo, no. 31
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View original text (without footnotes)Confirmed with Gedichte von Emanuel Geibel. Erste wohlfeile Ausgabe, Nijmegen, AE. Timmerman, 1846, pages 74-75. Modern German would change the spelling "Muth" -> "Mut"
Note: in Blumenthal's score there is a typo in stanza 2 line 3: word 4 is "gern" instead of "an".
1 Hensel, Raff, Sahr, Thuille: "Dann"2 Raff: "wandert"
3 Randhartinger, Thuille: "frische Luft: Gesang! Gesang"; Rosenhain: "frische Lust: Gesang"; Zöllner: "frischer, froher Lustgesang"
Wie [doch]1 so still dir am Herzen Ruhet das Kind! Weiß nicht, wie Mutterschmerzen So herbe sind! Auf Stirn und Lippen und Wangen Ist schon vergangen Das süße Rot. Und dennoch heimlicherweise Lächelt es leise. -- Leise Küsset [es der]2 Tod!
Text Authorship:
- by Emanuel von Geibel (1815 - 1884), "Das sterbende Kind", appears in Jugendgedichte, in 1. Erstes Buch, in Lübeck und Bonn
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View original text (without footnotes)1 omitted by Wölfl; further changes may exist not shown above.
2 Randhartinger: "der"
Herab von den Bergen zum Tale, Vom Tal zu den Höhen hinan, So zieh' ich [wohl tausendmale]1, Der Frühling zieht mir voran. Der Strom im Morgenrote Lockt blinkend das Ufer entlang; Der Mond, [der]2 Friedensbote, Geht mit mir am Himmel den Gang. Und alle die Vögel, [die]3 singen Im Walde so wundervoll Von tausend herrlichen Dingen, Die ich noch finden soll. Sie singen: Wohl weit in [der]4 Ferne Da rauschet ein waldiger Grund, Drin glänzen zwei selige Sterne, Drin blüht ein vielrosiger Mund. Die Sterne, die sollen dich grüßen So fromm, wie sie keinem getan, [Den Mund, den Mund sollst du]5 küssen, Du glücklicher Wandersmann!
Text Authorship:
- by Emanuel von Geibel (1815 - 1884), no title, appears in Jugendgedichte, in 1. Erstes Buch, in Lieder als Intermezzo, no. 4
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View original text (without footnotes)1 Häring: "tausend mal tausend"; Kalliwoda: "vieltausendmale"
2 Häring, Kalliwoda: "als"
3 Häring: "sie"
4 Häring, Kalliwoda: "die"
5 Häring: "Den Mund, den sollst du"; Kalliwoda: "Der Mund, der Mund soll dich"
Der Mond kommt still gegangen Mit seinem [goldnen Schein]1, Da schläft [in]2 holdem Prangen [Die müde]3 Erde ein. Im Traum die Wipfel weben, Die Quellen rauschen sacht; Singende Engel durchschweben Die [blaue]4 Sternennacht Und auf den Lüften schwanken Aus manchem treuen Sinn Viel tausend Liebesgedanken Über [die]5 Schläfer hin. [Und]6 drunten im [Thale, da funkeln]7 Die Fenster von Liebchens Haus; Ich aber [blicke]8 im [Dunkeln]9 Still in die [Welt]10 hinaus.
Text Authorship:
- by Emanuel von Geibel (1815 - 1884), "Nachtlied", appears in Jugendgedichte, in 1. Erstes Buch, in Lübeck und Bonn
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View original text (without footnotes)Confirmed with Emanuel Geibel, Gedichte, vierte Auflage, Berlin: Verlag von Alexander Duncker, 1845, page 18.
Note: in Lachner's score, the first word of stanza 4 is "Da" but becomes "Und" in the repetition.
1 Bernouilly: "holden Schein"; Thuille: "Silberschein"2 Grimm: "mit"
3 Franz: "Müde die"
4 Würst: "laue"
5 Würst: "den"
6 Lachner: "Da"
7 Kinkel: "Thale funkeln"; Franz, Umlauft: "Tal, da funkeln"
8 Thuille: "blick'"
9 Franz: "Dunklen"
10 Umlauft: "Nacht"