by Justinus (Andreas Christian) Kerner (1786 - 1862)
Liebes Mädchen! sahst du nicht, wie...
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Language: German (Deutsch)
Liebes Mädchen! sahst du nicht, wie gestern Ich auf hohem Berge lang gelegen, Blickend auf das weiße Kreuz im Tale, Das die Flügel deines Fensters bilden! Glaubt' ich schon, du kämst durchs Tal gewandelt, Sprang ich auf, da war's ein weißes Blümlein, Das sich täuschend mir vors Auge stellte. Lange harrt' ich, aber endlich breiten Auseinander sich des Fensters Flügel, Und an seinem weißen Kreuze stehst du, Berg und Tal ein stiller Friedensengel. Vöglein ziehen nah an dir vorüber, Täublein sitzen auf dem nahen Dache, Kommt der Mond, und kommen alle Sterne, Blicken all dir keck ins blaue Auge. Steh' ich einsam, einsam in der Ferne, Habe keine Flügel hinzufliegen, Habe keine Strahlen hinzusenden, Steh' ich einsam, einsam in der Ferne! Gehst du, sprech' ich mit verhaltnen Tränen: "Ruhet süß, ihr lieben, lieben Augen! Ruhet süß, ihr weißen, weißen Lilgen! Ruhet süß, ihr lieben, lieben Hände!" Sprachen's nach die Sterne an dem Himmel, Sprachen's nach die Blumen in dem Tale. Weh! o weh! du hast es nicht vernommen!
R. Schumann sets stanzas 3-7
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View text with all available footnotesConfirmed with Kerners Werke, Zweiter Teil, Gedichte, herausgegeben von Raimund Pissin, Berlin, Leipzig, Wien, Stuttgart: Deutsches Verlagshus Bong & Co., page 36
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- by Justinus (Andreas Christian) Kerner (1786 - 1862), "Andreas an Anna", appears in Gedichte, in Die lyrischen Gedichte, in Episteln, no. 1 [author's text checked 1 time against a primary source]
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Researcher for this page: Sharon Krebs [Senior Associate Editor]
This text was added to the website between May 1995 and September 2003.
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