by (Karl) Theodor Körner (1791 - 1813)
Wiegenlied
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Language: German (Deutsch)
Schlummre sanft! - Noch an dem Mutterherzen Fühlst du nicht des Lebens Qual und Lust; Deine Träume kennen keine Schmerzen, Deine Welt ist deiner Mutter Brust. Ach! wie süß träumt man die frühen Stunden, Wo man von der Mutterliebe lebt. Die Erinnerung ist mir entschwunden, Ahndung bleibt es nur, die mich durchbebt. Drey Mahl darf der Mensch so süß erwarmen, Drey Mahl ist's dem Glücklichen erlaubt, Daß er in der Liebe Götterarmen An des Lebens höh're Deutung glaubt. Liebe gibt ihm ihren ersten Segen, Und der Säugling blüht in Freud' und Lust. Alles lacht dem frischen Blick entgegen, Liebe hält ihn an der Mutterbrust. Wenn sich dann der schöne Himmel trübte, Und es wölkt sich nun des Jünglings Lauf: Da, zum zweyten Mahl, nimmt als Geliebte Ihn die Lieb' in ihre Arme auf. Doch im Sturme bricht der Blüthenstengel, Und im Sturme bricht des Menschen Herz: Da erscheint die Lieb' als Todesengel, Und sie trägt ihn jubelnd himmelwärts.
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Confirmed with Selam. Ein Almanach für Freunde des Mannigfaltigen. Herausgegeben von I.F.Castelli. Dritter Jahrgang 1814. Wien, gedruckt und im Verlage bey Anton Strauß, pages 197-198; and with Theodor Körner's Gedichte. [Erster Theil.] Neueste Auflage. Wien 1815. Bey B. Ph. Bauer, pages 169-170.
Text Authorship:
- by (Karl) Theodor Körner (1791 - 1813), "Wiegenlied" [author's text checked 2 times against a primary source]
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