by Robert Eduard Prutz (1816 - 1872)

'S war eine milde Maiennacht
Language: German (Deutsch) 
'S war eine milde Maiennacht,
Ich lag im Fenster spät,
Hab' still geträumt und nachgedacht,
Wie's oft so seltsam geht. 

Jüngst stand auf er am Fenster hier,
Da wo die Rosen blühn,
Und sah mich an und sprach mit mir,
Ach, und ich liebte ihn! 

Da ward die holde Dämmerzeit,
Da manche Mitternacht
Mit ihm in süßer Einsamkeit
Verplaudert und gelacht.  

Er kaufte mir manch buntes Band
Zu sonntäglicher Zier,
Und schlang es mit verwegner Hand
Um Hals und Nacken mir.

Auf manche Rose schenkt' ich ihm
In süßverliebtem Scherz,
Und er, mit warmem Ungestüm,
Drückt' fester mich ans Herz. 

Ach, jene Rosen sind verblüht,
Verblichen ist das Band,
Mein Sehnen nur, mein Seufzen zieht
Ihm nach in's ferne Land!

About the headline (FAQ)

Confirmed with Gedichte von R. E. Prutz, vierte verbesserte und vermehrte Auflage, Leipzig: J. J. Weber, 1857. Appears in Balladen und Romanzen , in Am Fenster, no. 1, pages 6 - 7.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2019-01-20
Line count: 24
Word count: 120