Agnes Nachtgesang
Language: German (Deutsch) 
Vernimm es Nacht, was Agnes dir vertrauet,
Die satt des Tags in deine Arme flieht.
Ihr Sterne, die ihr hold und liebend auf mich schauet,
Vernehmt süßlauschend Agnes Lied.

Den ich geahnt in [heiligen]1 Weihestunden,
Dem sehnsuchtskrank mein Herz entgegenschlug,
O Nacht, o Sterne, hörts, ich habe ihn gefunden,
Deß Bild ich längst im Innern trug.

Um seine Wiege lächelten die Musen,
Urania kost' ihn auf dem keuschen Schoos.
Die Schönheit tränket' ihn an ihrem Nektarbusen,
Und jede Charis zog ihn groß.

In seinen Augen blizt promethisch Feuer,
Gerecht entbrennt sein Herz in Lieb' und Zorn.
Es lüpft dem Schmachtenden die Wahrheit ihren Schleier,
Ihm sprudelt Phöbos goldner Born.

Freund du bist mein, nicht für die kurze Reise,
Die durch das Labyrinth des Lebens führt.
Siehst du die Sphären dort, die ewig schönen Kreise,
Wo fester unser Band sich schnürt?

Freund, ich bin dein, nicht für den Sand der Zeiten,
Der schnellversiegend Chronos Uhr entfleußt,
Dein für den Riesenstrom heilvoller Ewigkeiten,
Der aus des Ewgen Urne scheußt.

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Confirmed with Kosegarten's Dichtungen. Fünfter Band. Lyrischer Gedichte Erstes, zweytes, drittes Buch. Greifswald, gedruckt beym königl. Director J.H. Eckhardt. 1812, pages 137-138.

1 "heil'gen" in later editions

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

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Set in a modified version by Franz Peter Schubert.


Researcher for this text: Peter Rastl [Guest Editor]

This text was added to the website: 2017-06-07
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