Fräulein
Language: German (Deutsch) 
Available translation(s): ENG
Am Thurme lauschet ein Ritter,
Doch nicht in Erz und Stahl,
Er singt zum Spiel der Zither
Ein Lied von süßer Qual.

"Lüfte, rüttelt eure Schwingen,
Es gilt lieblichen Gewinn!
Denn ihr sollet Botschaft bringen
Wohl der schönsten Schläferin.

Sagt ihr, wie durch Duft und Stille
Hell das Lied der Amsel zieht,
Und die Nacht in Perlenfülle
Labung auf die Pfade sprüht;

Sagt ihr, wie des Mondes Welle
Sich an ihrem Fenster bricht,
Sagt ihr, wie so Bach als Quelle
Traulich mit den Blumen spricht!"

Kein Laut? es drang die Weise
Wohl nicht zum rechten Ohr,
Der Sänger schwang sich leise
Zum Fensterlein empor.

Und oben nahm der Ritter
Ein Sträußlein von der Brust,
Das band er fest am Gitter
Und seufzte: Blüht in Lust!

Und fragt sie, wer euch brachte,
Dann Blumen thut ihr kund -
Ein Stimmchen unten lachte:
Dein Schäfer Liebemund!

Confirmed with Ephemeren. Dichtungen von weiland Franz Freiherrn von Schlechta-Wssehrd. Mit einem Vorworte von Heinrich Laube. Zweite Auflage. Wien. Pest. Leipzig. A. Hartleben's Verlag. 1876, pages 129-130.

Note: This poem is the third version of Schlechta's Des Fräuleins Liebeslauschen, the second in a pair of romances (the first being Des ritterlichen Jägers Liebeslauschen, here published with the title Ritter). Both were combined under the title Liebeslauschen, and a footnote (Veranlaßt durch zwei anmuthige Bilder von Carl von Schnorr [sic]) explains that Schlechta was inspired by two paintings by Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld. The poem's initial version (1820) can be found here, and the second version (1824) here.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

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Another version of this text exists in the database.

Set in a modified version by Franz Peter Schubert.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , "Maiden", copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission


Research team for this text: Sharon Krebs [Guest Editor] , Peter Rastl [Guest Editor]

This text was added to the website: 2017-12-10
Line count: 28
Word count: 144