by Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719 - 1803)

Tafellied
Language: German (Deutsch) 
Welch ein Schweigen!  Lasst uns singen! 
Auf, ihr Lieben, stimmt mit ein! 
Nehmt die Gläser, lasst sie klingen: 
Es ist Weisheit, froh zu sein! 

Uns're Weiber sollen leben, 
Weil sie fleissig in die Welt, 
Töchter uns und Söhne geben, 
Weib zu werben oder Held! 

Uns're Töchter sollen leben, 
Wenn sie fleissig und geschwind 
Nach der Mütter Tugend streben, 
Bis sie selber Mütter sind!  

Uns're Söhne sollen leben, 
Wenn sie tapfer sind, wie wir; 
Feinden trotzen, und nicht beben 
Wenn Gefahr klopft an die Thür! 

Uns're Freunde sollen leben, 
Wenn sie klug sind und an uns 
Fester, wie die Kletten, kleben: 
Freund zu sein vermag kein Duns! 

Uns're Priester sollen leben, 
Hoch!  und hoch von uns geliebt, 
Wenn sie Lehren Gottes geben, 
Längst von ihnen ausgeübt! 

Uns're Dichter sollen leben, 
Wenn sie, singend Ernst und Scherz, 
Aus dem Staube sich erheben, 
Und veredlen Geist und Herz!  

Leben sollen uns're Fürsten, 
Uns're Grafen, uns're Herr'n, 
Die mit uns nach Weisheit dürsten, 
Und den Durst auch löschen gern; 

Und auch gern zu trinken geben 
All' und jedem Menschenkind!  --  
Alle Menschen sollen leben,
Weil sie alle Brüder sind!

Confirmed with Johann Wilhelm Ludwig Gleim, Gedichte, Aachen: F. W. Forstmann, 1816, pages 56 - 57. Appears in Lieder.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

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  • Also set in Danish (Dansk), a translation by Knud Lyne Rahbek (1760 - 1830) ; composed by Friedrich Ludwig Æmelius Kunzen.

Researcher for this text: Melanie Trumbull

Text added to the website: 2020-01-08 00:00:00
Last modified: 2020-01-08 21:41:08
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