Hiob XIV
Language: German (Deutsch) 
Der Mensch, vom Weibe geboren,
[lebt]1 kurze Zeit und ist voll Unruhe;
gehet auf wie eine Blume und fällt ab,
fleucht wie ein Schatten und bleibt nicht.
Er hat seine bestimmte Zeit,
die Zahl seiner Monden stehet bei dir,
du hast ein Ziel gesetzt,
das wird er nimmer überschreiten.
Denn ein Baum hat Hoffnung,
wenn er schon abgehauen ist,
dass er sich wieder verändere,
und seine Zweige hören nicht auf.
Wenn seine Wurzel in der Erde veraltet
und sein Stamm in dem Staub erstirbt,
grünt er doch wieder vom Geruche des Wassers
und wächst daher, als wäre er erst gepflanzt.
Aber der Mensch stirbt und ist dahin.
Er verscheidet, und wo ist er?
Der Mensch, vom Weibe geboren,
lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe;
gehet auf wie eine Blume und fällt ab,
fleucht wie ein Schatten und bleibt nicht.
Er hat seine bestimmte Zeit,
Wie ein Wasser ausläuft aus dem See,
wie ein Strom versieget und vertrocknet,
so ist ein Mensch, wenn er sich legt,
und wird nicht aufsteh'n und wird nicht aufwachen,
so lang' der Himmel bleibt.

H. Eisler sets lines 1-2

View original text (without footnotes)
1 Eisler: "lebt nur"

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


This text (or a part of it) is used in a work
Researcher for this text: Johann Winkler

This text was added to the website: 2020-11-09
Line count: 28
Word count: 179