by Robert Reinick (1805 - 1852)

Waldesträume
Language: German (Deutsch) 
Im Waldesdunkel entschlummert' ich heut, 
Da träumte mir, daß rings das Land 
Mit seiner grünen Herrlichkeit 
Die Brust mir hätt' in Lieb' entbrannt, 
Und die Wellen im Bach und die Blumen im Grund, 
Sie machten mir alle das Herz so wund, 
Als sollt' ich vor Liebe vergehen. -- 
Weckt mich nicht, weckt mich nicht, Waldvöglein!

Da taucht' aus dem Wasser in blühender Lust 
Ein schönes Weib und lockt' mich und sang: 
"Willst in Liebe vergehn, komm an meine Brust!" 
Und sie zog mich hinab, da ward mir bang; 
Eiskalt um mich die Welle schoß, 
Eiskalt, eiskalt mein Herz zerfloß, 
Ich fühlte das Leben vergehen. -- 
Wecket mich, wecket mich, Waldvöglein!

Wohl mir! ich erwacht' und entschlummert' auf's Neu, 
Da stand ich auf jäher Felsenwand, 
Nur graue Nebel flogen vorbei, 
Und mir zu Füßen ein traurig Land, 
Und die Blumen so welk, und die Bäume so leer, 
Und die Menschen zogen so kalt daher, 
Ich wollt' in Schmerzen vergehen. -- 
Wecket mich, wecket mich, Waldvöglein!

Und es kam aus dem Thal ein Mägdlein herauf, 
Gar fromm und klar und züchtig und fein, 
Und das warst du, und die Sonne ging auf, 
Und du führtest mich fort von dem öden Stein 
In die lustige Welt und die schöne Zeit 
Und von dort in die schönere Ewigkeit, 
Und die Liebe wird nimmer vergehen! -- 
Weckt mich nicht, weckt mich nicht, Waldvöglein!

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

Text added to the website: 2009-04-17 00:00:00
Last modified: 2014-06-16 10:03:11
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