Fünf Gesänge von August Graf von Platen , opus 29

by Hans Guido, Freiherr von Bülow (1830 - 1894)

1. Tristan [sung text not yet checked]

Wer die Schönheit angeschaut mit Augen,
Ist dem Tode schon anheimgegeben,
Wird für keinen Dienst der Erde taugen,
Und doch wird er vor dem Tode beben,
Wer die Schönheit angeschaut mit Augen!
 
Ewig währt für ihn der Schmerz der Liebe,
Denn ein Thor nur kann auf Erden hoffen,
Zu genügen einem solchen Triebe:
Wen der Pfeil des Schönen je getroffen,
Ewig währt für ihn der Schmerz der Liebe!
 
Ach, er möchte wie ein Quell versiechen.
Jedem Hauch der Luft ein Gift entsaugen,
Und den Tod aus jeder Blume riechen:
Wer die Schönheit angeschaut mit Augen,
Ach, er möchte wie ein Quell versiechen!

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Tristan", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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2. Vogelfreiheit [sung text not yet checked]

Ihr Vögel in den Zweigen schwank,
Wie seid ihr froh und frisch und frank
Und trillert Morgenchöre.
Ich fühle mich im Herzen krank,
Wenn ich's von unten höre.

Ein Stündchen [nur schleich' ich]1 heraus
In euer [ästig]2 Sommerhaus
Und muss mich des beklagen;
Ihr lebet stets in Saus und Braus,
Seht's nachten hier und tagen.

Ihr sucht der Bäume grünes Dach,
Der Wiese [Schmelz, den]3 Kieselbach,
Ihr flieht vor Stadt and Mauer,
Und laßt die Menschen [sagen]4 ach,
In ihrem Vogelbauer.

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2022, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) (Tinelot Wittermans) , "O vogels op je schommelende tak", copyright ©, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) (Lau Kanen) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Tinelot Wittermans) , "In the wood", copyright ©, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Vous les oiseaux, dans le balancement des rameaux", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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1 Lang: "schleich' ich bloss"
2 Mendelssohn: "lustig"
3 Lang: "Schmelz am"
4 Mendelssohn: "seufzen"

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3. Genuß der Stunde [sung text not yet checked]

Sollen namenlos uns länger
Tag' um Tage so verstreichen?
Kommt, verliebte Müßiggänger,
Trinker, kommt, die Stunden schleichen:
Sammelt rings euch um den Sänger,
Daß er sei bei seinesgleichen!

Was Vernünft'ge hoch verehren,
Taugte jedem, der's verstünde;
Doch zu schwer sind ihre Lehren,
Zu verborgen ihre Gründe:
Sie, die von der Tugend zehren,
Ließen übrig uns die Sünde.

Was wir fühlen, was wir denken,
Halten drum wir im geheimen;
Denn wer möcht' ein Korn versenken,
Wenn's noch nicht vermag zu keimen?
Laßt indes uns in den Schenken
Liebliche Gedichte reimen!

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4. Lenzestriebe [sung text not yet checked]

Wo sich gatten
Jene Schatten
Über Matten
Um den Quell,
Reich an losen
Hagerosen,
Kommt zu kosen,
Brüder, schnell!
 
Kaum gefunden,
Schon umwunden,
Schon verbunden,
Weiß ich wie?
Keiner höhne,
Musensöhne,
Diese schöne
Sympathie!
 
Jubelt, bringet
Dank und singet,
Welle klinget,
Rose blüht:
Das in Wonnen
Nie zerronnen,
Welch besonnen
Kalt Gemüt!
 
Vögel neigen
Aus den Zweigen,
Heißen schweigen
Mich zuletzt:
Wer beschriebe
Lenzestriebe,
Wer die Liebe,
Wer das Jetzt?

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5. Osterlied [sung text not yet checked]

Die Engel spielen noch um's Grab,
Doch Er ist auferstanden!
O trüg' ich meinen Pilgerstab
Nach jenen Morgenlanden,
Zur Felsenkluft
Mit hohler Gruft,
Denn Er ist auferstanden!
 
Wer nur sein eigner Götze war,
Geht unter in dem Staube,
Mit jener lichten Engelschaar
Verschwistert nur der Glaube
Wer liebend strebt,
So lang er lebt,
Der hebt sich aus dem Staube!
 
So laß uns, wie du selbst, o Sohn,
Rückkehren aus der Hölle!
O daß schon jetzt Posaunenton
Von Pol zu Pol erschölle!
Dein Stachel sticht,
O Tod, uns nicht,
Du siegst nicht ob, o Hölle!

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