Halt an den schnaubenden Rappen, Verblendeter Rittersmann! Gen Windeck fleucht, dich verlockend, Der luftige Hirsch hinan. Und vor den mächtigen Türmen, Vom äußern verfallenen Tor Durchschweifte sein Auge die Trümmer, Worunter das Wild sich verlor. Da war es so einsam und stille, Es brannte die Sonne so heiß, Er trocknete tiefaufatmend Von seiner Stirne den Schweiß. «Wer brächte des köstlichen Weines Mir nur ein Trinkhorn voll, Den hier der verschüttete Keller Verborgen noch hegen soll?» Kaum war das Wort beflügelt Von seinen Lippen entflohn, So bog um die Efeu-Mauer Die sorgende Schaffnerin schon. Die zarte, die herrliche Jungfrau, In blendend weißem Gewand, Den Schlüsselbund im Gürtel, Das Trinkhorn hoch in der Hand. Er schlürfte mit gierigem Munde Den würzig köstlichen Wein, Er schlürfte verzehrende Flammen In seinen Busen hinein. Des Auges klare Tiefe! Der Locken flüssiges Gold! -- Es falteten seine Hände Sich flehend um Minnesold. Sie sah ihn an mitleidig Und ernst und wunderbar, Und war so schnell verschwunden, Wie schnell sie erschienen war. Er hat seit dieser Stunde, An Windecks Trümmer gebannt, Nicht Ruh, nicht Rast gefunden, Und keine Hoffnung gekannt. Er schlich im wachen Traume, Gespenstig, siech und bleich, Zu sterben nicht vermögend, Und keinem Lebendigen gleich. Sie sagen: sie sei ihm zum andern Erschienen nach langer Zeit, Und hab ihn geküßt auf die Lippen, Und so ihn vom Leben befreit.
Zwei Gesänge für S., A., T. und B. , opus 46
by (Peter) Nicolai von Wilm (1834 - 1911)
Translations available for the entire opus: ENG
1. Das Burgfräulein von Windeck  [sung text not yet checked]
Language: German (Deutsch)
Text Authorship:
- by Adelbert von Chamisso (1781 - 1838), "Das Burgfräulein von Windeck", appears in Lieder und lyrisch epische Gedichte
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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):
- ENG English (Sharon Krebs) , "The Damsel of Windeck Castle", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
- FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "La damoiselle de Windeck", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
2. Die Waldfee  [sung text not yet checked]
Language: German (Deutsch)
Im Mondenschein, in der Waldesnacht, Da sitzt am Borne die Fee; Läßt flattern im Winde des Haares Pracht, Und zieht den Odem leis und sacht, Und lauscht, und lauscht, und harret still, Ob Keiner sie erlösen will Von ihrem Liebesweh. O Jäger, o Jäger! hab' Acht, hab' Acht, Tritt leis mit dem Hündlein herzu! Schon läßt sie funkeln die Augen mit Macht! Hat ein Mal sie dich angelacht, Kein Kraut im Walde mag heilen dich, Weh! hier und dort ist's ewiglich Geschehn um deine Ruh! O Jäger, o Jäger! stoß frisch in's Horn, Daß jäh sie erschrickt und erblaßt, Und wieder sich birgt im tiefen Born, Gehst sonst an Leib und Seel verlorn! -- Dank Gott, dank Gott! sie ist entflohn! Dank Gott, dank Gott mit hellem Ton, Daß sie dich nicht erfaßt!
Text Authorship:
- by Friedrich Heinrich Oser (1820 - 1891), "Die Waldfee", appears in Liederbuch, in 6. Romanzen, no. 400
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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):
- ENG English (Sharon Krebs) , "The forest fairy", copyright © 2025, (re)printed on this website with kind permission
Confirmed with Liederbuch von Friedrich Oser, 1842-1874. Mit einem biographischen Verzeichnis der Componisten, Basel: Benno Schwabe, Verlagsbuchhandlung, 1875, pages 375-376.