Lieder für 3 Männerstimmen

by Georg Gerson (1790 - 1825)

Word count: 426

1. Das Lachen [sung text checked 1 time]

Leert das Glas ihr Brüder!
Lacht, und leert es wieder!
Lacht bey jedem Trunk!
Lachen stärkt die Kräfte,
und versüßt die Säfte
und erhält uns jung.

Lasset jenem Alten  
von gehehrten Falten 
seine Stirne kraus:
wir sind hier und dehnen
unsre Züg' und Sehnen
fein durch Lachen aus.

Blöken ist der Heerde,
Wiehern ist der Pferde
Scherz und Lustigseyn,
Vögel können singen,
unter allen Dingen 
lacht der Mensch allein.

Authorship

First published in Akademisches Liederbuch, Leipzig, 1795


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

2. Ermunterung im Herbst [sung text checked 1 time]

Trinkt, trinkt, trinkt!
Trinkt, ihr unverdroßnen Brüder,
Eures Lebens Sorgen nieder!
Singt, singt, singt,
Singt darunter frohe Lieder!
Trinkt darauf und singet wieder!

[ ... ]
Hört, hört, hört! Hört der Winzer ernsten Willen: Fäßer her! wir müßen füllen. Leert, leert, leert, Leert dieß Faß mit tapfern Zügen, Daß die Winzer Tonnen kriegen!

Authorship

First published as "Ermunterung im Herbst"; later titled "Der Herbst. Trinklied."


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3. Die lange und kurze Zeit [sung text checked 1 time]

Wenn mich bejahrte Spröden quälen,
mir ihre Tugenden erzählen,
und auf die jungen Schönen schmählen,
wie lang wird mir die Zeit!

Wenn muntre Mädchen mit mir spielen,
die noch, wie ich, ihr Leben fühlen, 
und schlau nach meinem Herzen zielen,
wie hurtig verschwindet mir die Zeit.

Wenn meine Vettern mich betäuben,
mit Regeln mir die Ohren reiben,
wie ich soll gute Wirthschaft treiben,
wie lang wird mir die Zeit!

Doch wenn sie, wie der Tejer, winken,
wo vollgeschenkte Gläser blinken,
mit ihnen jugendlich zu trinken,
wie hurtig verschwindet mir die Zeit.

Authorship

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4. Aufmunterung zur Freude [sung text checked 1 time]

Wer wollte sich mit Grillen plagen,
Solang uns Lenz und Jugend blühn?
Wer wollt in seinen Blütentagen
Die Stirn in düstre Falten ziehn?

Die Freude winkt auf allen Wegen,
Die durch dies Pilgerleben gehn;
Sie bringt uns selbst den Kranz entgegen,
Wenn wir am Scheidewege stehn.

Noch rinnt und rauscht die Wiesenquelle,
Noch ist die Laube kühl und grün;
Noch scheint der liebe Mond so helle,
Wie er durch Adams Bäume schien.

Noch macht der Saft der Purpurtraube
Des Menschen krankes Herz gesund;
Noch schmecket in der Abendlaube
Der Kuß auf [einen roten Mund]1.

Noch tönt der Busch voll Nachtigallen
Dem Jüngling [süße Fühlung]2 zu;
Noch strömt, wenn ihre Lieder schallen,
Selbst in zerrißne Seelen Ruh.

O wunderschön ist Gottes Erde
Und wert, darauf vergnügt zu sein,
Drum will ich, bis ich Asche werde,
Mich dieser schönen Erde freun!

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First published in Musenalmanach (Hamburger), 1777

1 Gerson: "schönem Rosenmund"; Nägeli: "schönem rothem Mund"
2 Nägeli: "hohe Wonne zu"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Melanie Trumbull

5. Impromptu [sung text checked 1 time]

Behandelt die Frauen mit Nachsicht!
Aus krummer Rippe ward sie erschaffen,
Gott konnte sie nicht ganz grade machen.
Willst du sie biegen, sie bricht;

Läßt du sie ruhig, sie wird noch krümmer;
Du guter Adam, was ist denn schlimmer? -
Behandelt die Frauen mit Nachsicht:
Es ist nicht gut, daß euch eine Rippe bricht. 

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Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]