Liederbuch nach Gedichten von Paul Gerhardt

Song Cycle by Ernst Pepping (1901 - 1981)

Word count: 4535

1. Zum neuen Jahr [sung text not yet checked]

Nun laßt uns gehn und treten
Mit Singen und mit Beten
Zum Herrn, der unserm Leben
Bis hierher Kraft gegeben.

Wir gehn dahin und wandern
Von einem Jahr zum andern,
Wir leben und gedeihen
Vom alten zu dem neuen.

Durch so viel Angst und Plagen,
Durch Zittern und durch Zagen,
Durch Krieg und große Schrecken,
Die alle Welt bedecken.

Denn wie von treuen Müttern
In schweren Ungewittern
Die Kindlein hier auf Erden
Mit Fleiss bewahret werden:

Also auch und nicht minder
Läßt Gott sich seine Kinder,
Wenn Not und Trübsal blitzen,
In seinem Schosse sitzen.

Ach Hüter unsers Lebens,
Fürwahr, es ist vergebens
Mit unserm Tun und Machen,
Wo nicht dein' Augen wachen.

Laß ferner dich erbitten,
O Vater, und bleib mitten
In unserm Kreuz und Leiden
Ein Brunnen unsrer Freuden.

Gib mir und allen denen,
Die sich von Herzen sehnen
Nach dir und deiner Hulde,
Ein Herz, das sich gedulde!

Sei der Verlassnen Vater,
Der Irrenden Berater,
Der Unversorgten Gabe,
Der Armen Gut und Habe!

Hilf gnädig allen Kranken,
Gib fröhliche Gedanken
Den hochbetrübten Seelen,
Die sich mit Schwermut quälen!

Und endlich, was das meiste,
Füll uns mit deinem Geiste,
Der uns hier herrlich ziere
Und dort zum Himmel führe!

Das alles woll'st du geben,
O meines Lebens Leben,
Mir und der Christenschare
Zum sel'gen neuen Jahre!

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2. Nicht so traurig [sung text not yet checked]

Nicht so traurig, nicht so sehr,
Meine Seele, sei betrübt,
Daß dir Gott Glück, Gut und Ehr
Nicht so viel wie andern gibt.
Nimm verlieb mit deinem Gott.
Hast du Gott, so hat's nicht Not.

Du noch einzig Menschenkind
Habt ein Recht in dieser Welt;
Alle, die geschaffen sind,
Sind nur Gäst im fremden Zelt.
Gott ist Herr in seinem Haus,
Wie Er will, so teilt Er aus.

Bist du doch darum nicht hier,
Daß du Erden haben sollt,
Schau den Himmel über dir,
Da, da ist dein edles Gold,
Da ist Ehre, da ist Freud,
Freud ohn End, Ehr ohne Neid.

Der ist alber, der sich kränkt
Um ein Hand voll Eitelkeit,
Wann ihm Gott dargegen schenkt
Schätze der beständgen Zeit
Bleibt der Zentner dein Gewinn,
Fahr der Heller immer hin!

Schaue alle Güter an,
Die dein Herz für Güter hält,
Keines mit dir gehen kann,
Wann du gehest aus der Welt;
Alles bleibet hinter dir,
Wann du trittst in's Grabes Tür.

Aber was die Seele nährt,
Gottes Huld und Christi Blut,
Wird von keiner Zeit verzehrt,
Ist und bleibet allzeit gut;
Erdengut zerfällt und bricht,
Seelengut, das schwindet nicht.

Ach, wie bist du doch so blind
Und im Denken unbedacht!
Augen hast du, Menschenkind,
Und hast doch noch nie betracht'
Deiner Augen helles Glas:
Siehe, welch ein Schatz ist das!

Zähle deine Finger her
Und der andern Glieder Zahl;
Keins ist, das dir unwert wär,
Ehrst und liebst sie allzumal;
Keines gäbst du weg um Gold,
Wann man dir's abnehmen wollt.

Nun, so gehe in den Grund
Deines Herzens, das dich lehrt,
Wie viel Gutes alle Stund
Dir von oben wird beschert.
Du hast mehr als Sand am Meer
Und willst doch noch immer mehr.

Wüßte, der im Himmel lebt,
Daß dir wäre nütz und gut,
Wornach so begierlich strebt
Dein verblendtes Fleisch und Blut,
Würde seine Frömmigkeit
Dich nicht lassen unerfreut.

Gott ist deiner Liebe voll
Und von ganzem Herzen treu;
Wann du wünschest, prüft Er wohl,
Wie dein Wunsch beschaffen sei:
Ist dir's gut, so geht Er's ein,
Ist's dein Schade, spricht Er: Nein.

Unterdessen trägt sein Geist
Dir in deines Herzens Haus
Manna, das die Engel speist,
Ziert und schmückt es herrlich aus,
Ja erwählet, dir zum Heil,
Dich zu seinem Gut und Teil.

Ei, so richte dich empor,
Du betrübtes Angesicht,
Laß das Seufzen, nimm hervor
Deines Glaubens Freudenlicht;
Das behalt, wann dich die Nacht
Deines Kummers traurig macht.

Setze, als ein Himmelssohn,
Deinem Willen Maß und Ziel;
Rühre stets vor Gottes Thron
Deines Dankens Saitenspiel,
Weil dir schon gegeben ist
Mehres, als du würdig bist.

Führe deines Lebens Lauf
Allzeit Gottes eingedenk.
Wie es kömmt, nimm alles auf
Als ein wohlbedacht Geschenk.
Geht dir's widrig, laß es gehn,
Gott und Himmel bleibt dir stehn. 

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3. Die güldne Sonne [sung text not yet checked]

Die güldne Sonne, voll Freud und Wonne
Bringt unsern Grenzen mit ihrem Glänzen
Ein herzerquickendes, liebliches Licht.
Mein Haupt und Glieder, die lagen darnieder;
Aber nun steh ich, bin munter und fröhlich,
Schaue den Himmel mit meinem Gesicht.

Mein Auge schauet, was Gott gebauet
Zu seinen Ehren und uns zu lehren,
Wie sein Vermögen sei mächtig und groß
Und wo die Frommen dann sollen hinkommen,
Wann sie mit Frieden von hinnen geschieden
Aus dieser Erde vergänglichem Schoß.

Laßet uns singen, dem Schöpfer bringen
Güter und Gaben; was wir nur haben,
Alles sei Gottes zum Opfer gesetzt!
Die besten Güter sind unsre Gemüter;
Lieder der Frommen, von Herzen gekommen,
Sind Weihrauch, der ihn am meisten ergötzt.

Abend und Morgen sind seine Sorgen;
Segnen und mehren, unglück verwehren
Sind seine Werke und Taten allein.
Wann wir uns legen, so ist er zugegen;
Wann wir aufstehen, so läßt er aufgehen
Über uns seiner Barmherzigkeit Schein.

Ich hab erhoben zu dir hoch droben
All meine Sinnen; laß mein Beginnen
Ohn allen Anstoß und glücklich ergehn.
Laster und Schande, des Seelenfeinds Bande,
Fallen und Tücke treib ferne zurücke;
Laß mich auf deinen geboten bestehn.

Laß mich mit Freuden ohn alles Neiden
Sehen den Segen, den Du wirst legen
In meines Bruders und Nächsten Haus.
Geiziges Brennen, unchristliches Rennen
Nach Gut mit Sünde, das tilge geschwinde
Aus meinem Herzen und wirf es hinaus.

Menschliches Wesen, was ist's? Gewesen!
In einer Stunde geht es zu Grunde,
Sobald die Lüfte des Todes dreinwehn.
Alles in allen muß brechen und fallen;
Himmel und Erden, die müßen das werden,
Was sie gewesen vor ihrem Bestehn.

Alles vergehet. Gott aber stehet
Ohn alles Wanken; seine Gedanken,
Sein Wort und Wille hat ewigen Grund.
Sein Heil und Gnaden, die nehmen nicht Schaden,
Heilen im Herzen die tödlichen Schmerzen,
Halten uns zeitlich und ewig gesund.

Gott, meine Krone, vergib und schone!
Laß meine Schulden in Gnad' und Hulden
Aus deinen Augen sein abgewandt.
Sonst, Herr, regiere mich, lenke und führe,
Wie dir's gefället; ich habe gestellet
Alles in deine Beliebung und Hand.

Willst du mir geben, womit mein Leben
Ich kann ernähren, so laß mich hören
Allzeit im Herzen dies heilige Wort:
Gott ist das Größte, das Schönste und Beste;
Gott ist das Süßte und Allergewißte,
Aus allen Schätzen der edelste Hort.

Willst Du mich kränken, mit Galle tränken,
Und soll von Plagen ich auch was tragen,
Wohlan, so mach es, wie dir es beliebt.
Was gut und tüchtig, was schädlich und nichtig
Meinem Gebeine, das weißt du alleine,
Hast niemals einen zu bitter betrübt.

Kreuz und Elende, das nimmt ein Ende;
Nach Meeresbrausen und Windessausen
Leuchtet der Sonne erwünschtes Gesicht.
Freude die Fülle und selige Stille
Darf ich erwarten im himmlischen Garten;
Dahin sind meine gedanken gericht't.

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4. Fröhlich soll mein Herze springen [sung text not yet checked]

Fröhlich soll mein Herze springen
Dieser Zeit,
Da vor Freud
Alle Engel singen.
Hört, hört, wie mit vollen Choren
Alle Luft
Laute ruft:
Christus ist geboren.

2. Heute geht aus seiner Kammer
Gottes Held,
Der die Welt
Reißt aus allem Jammer.
Gott wird Mensch, dir Mensch zugute;
Gottes Kind,
Das verbind't
Sich mit unserm Blute.

3. Sollt uns Gott nun können hassen,
Der uns gibt,
Was er liebt
Über alle Maßen?
Gott gibt, unserm Leid zu wehren,
Seinen Sohn
Aus dem Thron
Seiner Macht und Ehren.

4. Sollte von uns sein gekehret,
Der sein Reich
Und zugleich
Sich selbst uns verehret?
Sollt uns Gottes Sohn nicht lieben
Der jetzt kömmt,
Von uns nimmt,
Was uns will betrüben?

5. Hätte für der Menschen Orden
Unser Heil
Einen Greul,
Wär er nicht Mensch worden;
Hätt er Lust zu unserm Schaden,
Ei, so würd
Unsre Bürd
Er nicht auf sich laden.

6. Er nimmt auf sich, was auf Erden
Wir getan,
Gibt sich an,
Unser Lamm zu werden,
Unser Lamm, das für uns stirbet
Und bei Gott
Für den Tod
Gnad und Fried erwirbet.

7. Nun er liegt in seiner Krippen,
Ruft zu sich
Mich und dich,
Spricht mit süßen Lippen:
Lasset fahrn, o lieben Brüder,
Was euch quält,
Was euch fehlt;
Ich bring alles wieder.

8. Ei, so kommt und laßt uns laufen;
Stellt euch ein,
Groß und klein,
Eilt mit großen Haufen;
Liebt den, der vor Liebe brennet,
Schaut den Stern,
Der euch gern
Licht und Labsal gönnet.

9. Die ihr schwebt in großem Leiden,
Sehet, hier
Ist die Tür
Zu der wahren Freuden.
Faßt ihn wohl, er wird euch führen
An den Ort,
Da hinfort
Euch kein Kreuz wird rühren.

10. Wer sich fühlt beschwert im Herzen,
Wer empfind't
Seine Sünd
Und Gewissensschmerzen,
Sei getrost, hier wird gefunden,
Der in Eil
Machet heil
Die vergift'ten Wunden.

11. Die ihr arm seid und elende,
Kommt herbei,
Füllet frei
Eures Glaubens Hände!
Hier sind alle guten Gaben
Und das Gold,
Da ihr sollt
Euer Herz mit laben.

12. Süßes Heil, laß dich umfangen,
Laß mich dir,
Meine Zier,
Unverrückt anhangen.
Du bist meines Lebens Leben;
Nun kann ich
Mich durch dich
Wohl zufrieden geben.

13. Meine Schuld kann mich nicht drücken,
Denn du hast
Meine Last
All auf deinem Rücken.
Kein Fleck ist an mir zu finden,
Ich bin gar
Rein und klar
Aller meiner Sünden.

14. Ich bin rein um deinetwillen,
Du gibst gnug
Ehr und Schmuck,
Mich darein zu hüllen.
Ich will dich ins Herze schließen;
O mein Ruhm.
Edle Blum,
Laß dich recht genießen.

15. Ich will dich mit Fleiß bewahren,
Ich will dir
Leben hier,
Dir will ich abfahren.
Mit dir will ich endlich schweben
Voller Freud,
Ohne Zeit
Dort im andern Leben.

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5. Ich steh an deiner Krippen hier [sung text not yet checked]

Ich steh an deiner Krippen hier,
o Jesu, du mein Leben,
ich komme, bring und schenke dir,
was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und sinn,
Herz, Seel' und Mut, nimm alles hin
Und lass dir's wohlgefallen.

Wo nehm' ich Weisheit und Verstand,
mit Lobe zu erhöhen
die Äuglein, die so unverwandt
nach mir gerichtet stehen?
Der volle Mond ist schön und klar,
schön ist der güldnen Sternen Schar,
dies Äuglein sind viel schöner!

Eins aber, hoff' ich, wirst du mir,
mein Heiland, nicht versagen,
dass ich dich möge für und für
in, bei und an mir tragen.
So lass mich deine Wohnung sein,
komm, komm und kehre bei mir ein
mit allen deinen Freuden!

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6. Christwiegenlied [sung text not yet checked]

Alle, die ihr, Gott zu ehren,
unsre Christlustwollt vermehren,
eya, eya,
Seht und hört vor allen Dingen
Gottes Mutter fröhlich singen
bei dem Kripplein ihres Sohnes:
Eya, eya,
Schlaf und Ruhe,
schlaf, schlaf, liebes Jesulein!

Schlaf, du großer Weltberater,
Bräutigam, Sohn und selbst auch Vater,
eya, eya,
Bett und Lager, das dich trägt,
und hab ich dir zurecht gelegt,
schlaf, du schönes Kindlein!
Eya, eya,
Schlaf und Ruhe,
schlaf, schlaf, trautes Herzelein!

Schlaf, mein Krönlein! Licht und Leben,
was dir lieb, willl ich dir geben,
eya, eya,
Schlaf, du Ausbund aller Gaben,
laß dich speilen, laß dich loben
bei der armen Krippen hier!
Eya, eya,
Schlaf und Ruhe,
schlaf, schlaf, du mein Ehr und Ruhm!

Schlaf, o bestes aller Güter,
schlaf, o Pere der Gemüter,
eya, eya,
Schlaf, mein Trost, dem nichts zu gleichen,
Milch und Honig muß dir weichen,
schlaf, du edler Herzensgast!
Eya, eya,
Schaf und Ruhe,
schlaf, schlaf, werte Lilienblum!

Schlaf, o Kind, den Gott erkoren,
schlaf o Schatz, den ich geboren,
eya,eya,
Schlaf, du frommer Seelen Weide,
schlaf, du frommer Herzen Freude,
schlaf, du meines Leobes Frucht!
Eya, eya,
Schlaf und Ruhe,
schlaf, schlaf, allersüßstes Lieb!

Ich will dir dein Bettlein zieren,
ganz mit Blumen überführen,
eya, eya,
Schlaf, du Luft, die wir erwählen,
schlaf, du Paradeis der Seelen,
schlaf, du wahres Himmelsbrot!
Eya, eya,
Schlaf und Ruhe,
schlaf, schlaf, Heiland aller Welt!

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7. Kommt und laßt uns Christum ehren [sung text not yet checked]

Kommt und laßt uns Christum ehren,
Herz und Sinnen zu ihm kehren!
Singet fröhlich, laßt euch hören,
Wertes Volk der Christenheit!

Sünd' und Hölle mag sich grämen,
Tod und Teufel mag sich schämen.
Wir, die unser Heil annehmen,
Werfen allen Kummer hin.

Sehet, was hat Gott gegeben!
Seinen Sohn zum ew'gen Leben!
Dieser kann und will uns heben
Aus dem Leid in's Himmels Freud'.

Seine Seel' ist uns gewogen,
Lieb' und Gunst hat ihn gezogen,
Uns, die Satanas betrogen,
Zu besuchen aus der Höh'.

Jakobs Stern ist aufgegangen,
Stillt das sehnliche Verlangen,
Bricht den Kopf der alten Schlange
Und zerstört der Hölle Reich.

Unser Kerker, da wir saßen
Und mit Sorgen ohne Maßen
Uns das Herze selbst abfraßen,
Ist entzwei, und wir sind frei.

O du hochgesegn'te Stunde,
Da wir das von Herzensgrunde
Glauben und mit unserm Munde
Danken dir, o Jesulein!

Schönstes Kindlein in dem Stalle,
Sei uns freundlich, bring uns alle
Dahin, wo mit süßem Schalle
Dich der Engel Heer erhöht!

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8. Ich bin ein Gast auf Erden [sung text not yet checked]

Ich bin ein Gast auf Erden
Und hab' hier keinen Stand;
Der Himmel soll mir werden,
Da ist mein Vaterland.
Hier reis' ich bis zum Grabe;
Dort in der ew'gen Ruh'
Ist Gottes Gnadengabe,
Die schleußt all Arbeit zu.

Was ist mein ganzes Wesen
Von meiner Jugend an
Als Müh und Not gewesen?
Solang ich denken kann,
Hab ich so manchen Morgen,
So manche liebe Nacht
Mit Kummer und mit Sorgen
Des Herzens zugebracht.

Mich hat auf meinen Wegen
Manch harter Sturm erschreckt;
Blitz, Donner, Wind und Regen
Hat mir manch Angst erweckt;
Verfolgung, Haß und Neiden,
Ob och's gleich nicht verschuld't,
Hab ich doch müssen leiden
Und tragen mit Geduld.

So ging's den lieben Alten,
An deren Fuß und Pfad
Wir uns noch täglich halten,
Wenn's fehlt an gutem Rat.
Wie mußte sich doch schmiegen
Der Vater Abraham,
Bevor ihm sein Vergnügen
Und rechte Wohnstatt kam!

Wie manche schwere Bürde
Trug Isaak, sein Sohn!
Und Jakob, deßen Würde
Stieg bis zum Himmelsthron.
Wie mußten sie sich plagen!
In was für Weh und Schmerz,
In was für Furcht und Zagen
Sank oft sein armes Herz!

Die frommen, heil'gen Seelen,
Die gingen fort und fort
Und änderten mit Quälen
Den erstbewohnten Ort;
Sie zogen hin und wieder,
Ihr Kreuz war immer groß,
Bis daß der Tod sie nieder
Legt' in des Grabes Schoß.

Ich habe mich ergeben
In gleiches Glück und Leid;
Was will ich besser leben
Als solche große Leut?
Es muß ja durchgedrungen,
Es muß gelitten sein;
Wer nicht hat wohl gerungen,
Geht nicht zur Freude ein.

So will ich zwar nun treiben
Mein Leben durch die Welt;
Doch denk' ich nicht zu bleiben
In diesem fremden Zelt.
Ich wandre meine Straßen,
Die zu der Heimat führt,
Da mich ohn' alle Maßen
Mein Vater trösten wird.

Mein' Heimath ist dort oben,
Da aller Engel Schaar
Den großen Herscher loben,
Der Alles ganz und gar
In seinen Händen träget
Und für und für erhält,
Auch Alles hebt und leget,
Nach dem's ihm wohl gefällt.

Zu ihm steht mein Verlangen,
Da wollt ich gerne hin;
Die Welt bin ich durchgangen,
Daß ich's fast müde bin.
Je länger ich hier walle,
Je wen'ger find ich Freud,
Die meinem Geist gefalle;
Das meist ist Herzeleid!

Die Herberg' ist zu böse,
Der Trübsal ist zu viel.
Ach komm, mein Gott, erlöse
Mein Herz, wenn dein Herz will!
Komm, mach ein selig Ende
An meiner Wanderschaft;
Und was mich kränkt, das wende
Durch deines Armes Kraft!

Wo ich gewohnt indessen,
Ist nicht mein rechtes Haus.
Wenn meine Zeit durchmessen,
Alsdann tret ich hinaus;
Und was ich hie gebrauchet,
Das leg ich Alles ab;
Und wenn ich ausgehauchet,
So gräbt man mir mein Grab.

Du aber, meine Freude,
Du, meines Lebens Licht,
Du zeuchst mich, wenn ich scheide,
Hin vor dein Angesicht
Ins Haus der ew'gen Wonne,
Da ich stets freudenvoll
Gleich all die helle Sonne
Nebst andern leuchten soll.

Da will ich immer wohnen,
Und nicht nur als ein Gast,
Bei denen, die mit Kronen
Du ausgeschmücket hast;
Da will ich herrlich singen
Von deinem großen Thun
Und frei von schnöden Dingen
In meinem Erbtheil ruhn.

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9. Gib dich zufrieden [sung text not yet checked]

Gib dich zufrieden und sei stille
In dem Gotte deines Lebens;
In ihm ruht aller Freuden Fülle,
Ohn ihn mühst du dich vergebens.
Er ist dein Quell
Und deine Sonne,
Scheint täglich hell
Zu deiner Wonne.
Gib dich zufrieden!

Er ist voll Lichtes, Trosts und Gnaden,
Ungefärbten treuen Herzens;
Wo er steht, tut dir keinen Schaden
Auch die Pein des größten Schmerzens;
Kreuz, Angst und Not
Kann er bald wenden,
Ja auch den Tod
Hat er in Händen.
Gib dich zufrieden!

Wie dirs und andern oft ergehe,
Ist ihm wahrlich nicht verborgen,
Er sieht und kennet aus der Höhe
Der betrübten Herzen Sorgen.
Er zählt den Lauf
Der heißen Tränen
Und faßt zuhauf
All unser Sehnen.
Gib dich zufrieden!

Wenn gar kein einzger mehr auf Erden,
Dessen Treue darfst du trauen,
Alsdann will er dein Treuster werden
Und zu deinem Besten schauen.
Er weiß dein Leid
Und heimlich Grämen,
Auch weiß er Zeit,
Dich zu benehmen.
Gib dich zufrieden!

Er hört die Seufzer deiner Seelen
Und des Herzens stilles Klagen,
Und was du keinem darfst erzählen,
Magst du Gott gar kühnlich sagen,
Er ist nicht fern,
Steht in der Mitten,
Hört bald und gern
Der Armen Bitten.
Gib dich zufrieden!

Laß dich dein Elend nicht bezwingen,
Halt an Gott, so wirst du siegen;
Ob alle Fluten einher gingen,
Dennoch mußt du oben liegen.
Denn wenn du wirst
Zu hoch beschweret,
Hat Gott, dein Fürst,
Dich schon erhöret.
Gib dich zufrieden!

Was sorgst du für dein armes Leben,
Wie dus halten wollst und nähren?
Der dir das Leben hat gegeben,
Wird auch Unterhalt bescheren.
Er hat ein Hand
Voll aller Gaben,
Da See und Land
Sich muß von laben.
Gib dich zufrieden!

Der allen Vöglein in den Wäldern
Ihr bescheidnes Körnlein weiset,
Der Schaf und Rinder in den Feldern
Alle Tage tränkt und speiset,
Der wird ja auch
Dich eingen füllen
Und deinen Bauch
Zur Notdurft stillen.
Gib dich zufrieden!

Sprich nicht: Ich sehe keine Mittel;
Wo ich such, ist nichts zum Besten;
Denn das ist Gottes Ehrentitel:
Helfen, wann die Not am größten.
Wenn ich und du
Ihn nicht mehr spüren,
Da schickt er zu,
Uns wohl zu führen.
Gib dich zufrieden!

Bleibt gleich die Hilf in etwas lange,
Wird sie dennoch endlich kommen,
Macht dir das Harren angst und bange,
Glaube mir, es ist dein Frommen.
Was langsam schleicht,
Faßt man gewisser,
Und was verzeucht,
Ist desto süßer.
Gib dich zufrieden!

Nimm nicht zu Herzen, was die Rotten
Deiner Feinde von dir dichten,
Laß sie nur immer weidlich spotten,
Gott wirds hören und recht richten.
Ist Gott dein Freund
Und deiner Sachen,
Was kann dein Feind,
Der Mensch, groß machen!
Gib dich zufrieden!

Hat er doch selbst auch wohl das Seine,
Wenn ers sehen könnt und wollte.
Wo ist ein Glück so klar und reine,
Dem nicht etwas fehlen sollte?
Wo ist ein Haus,
Das könnte sagen:
Ich weiß durchaus
Von keinen Plagen?
Gib dich zufrieden!

Es kann und mag nicht anders werden,
Alle Menschen müssen leiden;
Was webt und lebet auf der Erden,
Kann das Unglück nicht vermeiden.
Des Kreuzes Stab
Schlägt unsre Lenden
Bis in das Grab:
Da wird sichs enden.
Gib dich zufrieden!

Es ist ein Ruhetag vorhanden,
Da uns unser Gott wird lösen,
Er wird uns reißen aus den Banden
Dieses Leibs und allem Bösen.
Es wird einmal
Der Tod herspringen
Und aus der Qual
Uns sämtlich bringen.
Gib dich zufrieden!

Er wird uns bringen zu den Scharen
Der Erwählten und Getreuen,
Die hier mit Frieden abgefahren,
Sich auch nun im Frieden freuen,
Da sie den Grund,
Der nicht kann brechen,
Den ewgen Mund
Selbst hören sprechen:
Gib dich zufrieden!

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10. Geh aus, mein Herz, und suche Freud [sung text checked 1 time]

Geh aus, mein Herz, und suche Freud
In dieser lieben Sommerzeit
An deines Gottes Gaben;
Schau an der schönen Gärten Zier,
Und siehe, wie sie [mir und dir]1
Sich ausgeschmücket haben.

Die Bäume stehen voller Laub,
Das Erdreich decket seinen Staub
Mit einem grünen Kleide;
[Narzissus]2 und die Tulipan,
Die ziehen sich viel schöner an
Als Salomonis Seide.

Die Lerche schwingt sich in die Luft,
Das [Täublein]3 [fleugt]4 aus seiner Kluft
Und macht sich in die Wälder,
Die [hochbegabte]5 Nachtigall
Ergötzt und füllt mit ihrem Schall
Berg, Hügel, Tal und Felder.

Die Glucke führt ihr Völklein aus,
Der Storch baut und bewohnt sein Haus,
Das Schwälblein speist die Jungen,
Der schnelle Hirsch, das leichte Reh
Ist froh und kommt aus seiner Höh
Ins tiefe Gras gesprungen.

Die Bächlein rauschen in dem Sand
Und malen sich und ihren Rand
Mit schattenreichen Myrten;
Die Wiesen liegen hart dabei
Und klingen ganz vom Lustgeschrei
Der Schaf und ihrer Hirten.

Die unverdroßne Bienenschar
[Fliegt]4 hin und her, sucht hie und da
Ihr edle Honigspeise,
Des süßen Weinstocks starker Saft
Bringt täglich neue Stärk' und Kraft
In seinem schwachen Reise.

Der Weizen wächset mit Gewalt,
Darüber jauchzet jung und alt
Und rühmt die große Güte
Des, der so [überflüssig]6 labt
Und mit so manchem Gut begabt
Das menschliche Gemüte.

Ich selbsten kann und mag nicht ruhn,
Des großen Gottes großes Tun
Erweckt mir alle Sinnen:
Ich singe mit, wenn alles singt,
Und lasse was dem Höchsten klingt
Aus meinem Herzen rinnen.

[ ... ]

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1 Bruch: "dir und mir"
2 Bruch: "Narcissen"
3 Bruch: "Täbchen"
4 Pepping: "fleucht"
5 Bruch: "hochbelobte"
6 Pepping: "überfließend"

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11. Befiehl du deine Wege [sung text not yet checked]

Befiehl du deine Wege
Und was dein Herze kränkt
Der allertreusten Pflege
Des, der den Himmel lenkt:
Der Wolken, Luft und Winden
Gibt Wege, Lauf und Bahn,
Der wird auch Wege finden,
Da dein Fuß gehen kann.

2. Dem Herren mußt du trauen,
Wenn dirs soll wohlergehn,
Auf sein Werk mußt du schauen,
Wenn dein Werk soll bestehn.
Mit Sorgen und mit Grämen
Und mit selbsteigner Pein
Läßt Gott ihm gar nichts nehmen,
Es muß erbeten sein.

3. Dein ewge Treu und Gnade,
O Vater, weiß und sieht,
Was gut sei oder schade
Dem sterblichen Geblüt:
Und was du dann erlesen,
Das treibst du, starker Held,
Und bringst zum Stand und Wesen,
Was deinem Rat gefällt.

4. Weg hast du allerwegen,
An Mitteln fehlt dirs nicht,
Dein Tun ist lauter Segen,
Dein Gang ist lauter Licht.
Dein Werk kann niemand hindern,
Dein Arbeit darf nicht ruhn,
Wenn du, was deinen Kindern
Ersprießlich ist, willst tun.

5. Und ob gleich alle Teufel
Hier wollten widerstehn,
So wird doch ohne Zweifel
Gott nicht zurücke gehn:
Was er sich vorgenommen
Und was er haben will,
Das muß doch endlich kommen
Zu seinem Zweck und Ziel.

6. Hoff, o du arme Seele,
Hoff und sei unverzagt,
Gott wird dich aus der Höhle.
Da dich der Kummer plagt,
Mit großen Gnaden rücken;
Erwarte nur der Zeit,
So wirst du schon erblicken
Die Sonn der schönsten Freud.

7. Auf, auf, gib deinem Schmerze
Und Sorgen gute Nacht!
Laß fahren, was dein Herze
Betrübt und traurig macht!
Bist du doch nicht Regente,
Der alles führen soll;
Gott sitzt im Regimente
Und führet alles wohl.

8. Ihn, ihn laß tun und walten,
Er ist ein weiser Fürst
Und wird sich so verhalten,
Daß du dich wundern wirst,
Wenn er, wie ihm gebühret,
Mit wunderbarem Rat
Das Werk hinausgeführet,
Das dich bekümmert hat.

9. Er wird zwar eine Weile
Mit seinem Trost verziehn
Und tun an seinem Teile,
Als hätt in seinem Sinn
Er deiner sich begeben,
Und solltst du für und für
In Angst und Nöten schweben,
Als frag er nichts nach dir.

10. Wirds aber sich befinden,
Daß du ihm treu verbleibst,
So wird er dich entbinden,
da dus am wen'gsten gläubst;
Er wird dein Herze lösen
Von der so schweren Last,
Die du zu keinem Bösen
Bisher getragen hast.

11. Wohl dir, du Kind der Treue,
Du hast und trägst davon
Mit Ruhm und Dankgeschreie
Den Sieg und Ehrenkron.
Gott gibt dir selbst die Palmen
In deine rechte Hand,
Und du singst Freudenpsalmen
Dem, der dein Leid gewandt.

12. Mach End, o Herr, mach Ende
An aller unsrer Not!
Stärk unsre Füß und Hände
Und laß bis in den Tod
Uns allzeit deiner Pflege
Und Treu empfohlen sein,
So gehen unsre Wege
Gewiß zum Himmel ein.

Authorship

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  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Bertram Kottmann

12. O Haupt voll Blut und Wunden [sung text not yet checked]

O Haupt voll Blut und Wunden,
Voll Schmerz und voller Hohn,
O Haupt, zum Spott gebunden
Mit einer Dornenkron',
O Haupt, sonst schön gezieret
Mit höchster Ehr' und Zier,
Jetzt aber höchst [schimpfieret]1:
Gegrüßet sei'st du mir!

Du edles Angesichte,
Davor sonst schrickt und scheut
Das große Weltgewichte,
Wie bist du so bespeit!
Wie bist du so erbleichet!
Wer hat dein Augenlicht,
Dem sonst kein Licht nicht gleichet,
So schändlich zugericht't?

Die Farbe deiner Wangen,
Der roten Lippen Pracht
Ist hin und ganz vergangen;
Des blaßen Todes Macht
Hat alles hingenommen,
Hat alles hingerafft,
Und daher bist du kommen
Von deines Leibes Kraft.

Nun, was du, Herr, erduldet,
Ist alles meine Last;
Ich hab' es selbst verschuldet,
Was du getragen hast.
Schau her, hier steh' ich Armer,
Der Zorn verdienet hat;
Gib mir, o mein Erbarmer,
Den Anblick deiner Gnad'!

Erkenne mich, mein Hüter,
Mein Hirte, nimm mich an!
Von dir, Quell aller Güter,
Ist mir viel Gut's getan.
Dein Mund hat mich gelabet
Mit Milch und süßer Kost;
Dein Geist hat mich begabet
Mit mancher Himmelslust.

Ich will hier bei dir stehen,
Verachte mich doch nicht!
Von dir will ich nicht gehen,
Wenn dir dein Herze bricht;
Wenn dein Haupt wird erblaßen
Im letzten Todesstoß,
Alsdann will ich dich faßen
In meinen Arm und Schoß.

Es dient zu meinen Freuden
Und kommt mir herzlich wohl,
Wenn ich in deinem Leiden,
Mein Heil, mich finden soll.
Ach, möcht' ich, o mein Leben,
An deinem Kreuze hier
Mein Leben von mir geben,
Wie wohl geschähe mir!

Ich danke dir von Herzen,
O Jesu, liebster Freund,
Für deines Todes Schmerzen,
Da du's so gut gemeint.
Ach gib, daß ich mich halte
Zu dir und deiner Treu'
Und, wenn ich nun erkalte,
In dir mein Ende sei!

Wenn ich einmal soll scheiden,
So scheide nicht von mir;
Wenn ich den Tod soll leiden,
So tritt du dann herfür;
Wenn mir am allerbängsten
Wird um das Herze sein,
So reiß mich aus den ßngsten
Kraft deiner Angst und Pein!

Erscheine mir zum Schilde,
Zum Trost in meinem Tod,
Und laß mich sehn dein Bilde
In deiner Kreuzesnot!
Da will ich nach dir blicken,
Da will ich glaubensvoll
Dich fest an mein Herz drücken.
Wer so stribt, der stirbt wohl.

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  • ENG English (Michael P. Rosewall) , "Station 6. Saint Veronica wipes Jesus' face", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Station VI (Sainte Véronique)", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

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1 Liszt: "beschimpfet"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]