Zwei Wanderlieder von Eichendorff

by Othmar Schoeck (1886 - 1957)

Word count: 268

1. Reiselied [sung text checked 1 time]

Durch Feld und Buchenhallen, 
bald singend, bald fröhlich still, 
recht lustig sei vor allen, 
wer's Reisen wählen will. 

Wenn's kaum im Osten glühte, 
die Welt noch still und weit:
da weht recht durchs Gemüte 
die schöne Blütenzeit ! 

Der Lerch' als Morgenbote 
sich in die Lüfte schwingt, 
eine frische Reisenote 
durch Wald und Herz erklingt.

O Lust, vom Berg zu schauen 
weit über Wald und Strom, 
hoch über sich den blauen 
[tiefklaren]1 Himmelsdom !2 

Vom Berge [Vöglein]3 fliegen 
und Wolken so geschwind, 
Gedanken überfliegen 
die Vögel und den Wind. 

Die Wolken ziehn hernieder, 
das Vöglein senkt sich gleich, 
Gedanken gehn und Lieder 
[fort bis ins]4 Himmelreich.

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (John H. Campbell) , no title, copyright ©, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Linda Godry) , "Song of travel", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

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1 Hensel: "den klaren"
2 Hensel adds: " Hoch über sich den blauen/ tiefklaren Himmelsdom!"
3 Hensel: "Vögel"
4 Hensel: "bis in das"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , John H. Campbell

2. Wanderlied der Prager Studenten [sung text not yet checked]

Nach [Süden]1 nun sich lenken
Die Vöglein allzumal,
Viel Wandrer lustig schwenken
Die Hüt' im Morgenstrahl.
Das sind die Herr'n Studenten,
Zum Tor hinaus es geht;
Auf ihren Instrumenten
Sie blasen zum Valet:
"Ade in die Läng' und Breite,
O Prag, wir ziehn in die Weite!
Et habeat bonam pacem,
Qui sedet post fornacem!"

Nachts wir durchs Städtlein schweifen,
Die Fenster schimmern weit.
Am Fenster drehn und schleifen
Viel schön geputzte Leut'.
Wir blasen vor den Türen
Und haben Durst genug,
Das kommt vom Musizieren!
"Herr Wirt, einen frischen trunk! Einen Trunk!"
Und siehe, über ein kleines
Mit einer Kanne Weines
Venit ex sua domo
Beatus ille homo.

Nun weht schon durch die Wälder
Der kalte Boreas,
Wir streichen durch die Felder,
Von Schnee und Regen naß;
Der Mantel fliegt im Winde,
Zerrissen sind die Schuh',
Da blasen wir geschwinde
Und singen noch dazu, noch dazu:
"Beatus ille homo,
Qui sedet in sua domo
Et sedet post fornacem
Et habet bonam pacem.

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1 Reiter: "dem Süden"; further changes may exist not shown above.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]