Five Songs from Zeitgedichte

Song Cycle by Richard Farber (b. 1945)

Word count: 333

1. Die Zeit [sung text not yet checked]

Es gibt ein sehr probates Mittel,
die Zeit zu halten am Schlawittel:
Man nimmt die Taschenuhr zur Hand
und folgt dem Zeiger unverwandt,
       
Sie geht so langsam dann, so brav
als wie ein wohlgezogen Schaf,
setzt Fuß vor Fuß so voll Manier
als wie ein Fräulein von Saint-Cyr.
         
Jedoch verträumst du dich ein Weilchen,
so rückt das züchtigliche Veilchen
mit Beinen wie der Vogel Strauß
und heimlich wie ein Puma aus.
         
Und wieder siehst du auf sie nieder;
ha, Elende! - Doch was ist das?
Unschuldig lächelnd macht sie
wieder die zierlichsten Sekunden-Pas.

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2. Das Grammophon [sung text not yet checked]

Der Teufel kam hinauf zu Gott
und brachte ihm sein Grammophon
und sprach zu ihm, nicht ohne Spott:
"Hier bring ich dir der Sphären Ton."

Der Herr behorchte das Gequiek
und schien im Augenblick erbaut:
Es ward fürwahr die Weltmusik
vor seinem Ohr gespenstisch laut.

Doch kaum er dreimal sie gehört,
da war sie ihm zum Ekel schon, -
und höllwärts warf er, tief empört,
den Satan samt dem Grammophon. 

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Le gramophone", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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3. Die Tafeln [sung text not yet checked]

Man soll nichts gegen jene Tafeln sagen,
die eine Hand an ihrer Stirne tragen,

den Namen einer Schenke nahebei,
den Paragraphen einer Polizei.

Sie sind, wenn sonst nichts spricht im weiten Land,
ein wundervoller justiger Verstand.

Bescheiden zeugt ihr Dasein von Kultur:
Hier herrscht der Mensch – und nicht mehr Bär und Ur. 

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4. Der Bahnvorstand [sung text not yet checked]

Der Bahnvorstand des kleinen Orts
bedünkt vom Rang sich eines Lords.

Ein Vororts-, Fern- und Güterzug
zu gleicher Zeit (!) – das ist genug.

Er streckt die Hand vorn in die Brust
und blickt mit wahrer Feldherrnlust.

Er steckt den Arm bald her, bald hin:
Sein Leben hat nun wirklich Sinn ...

Zum Größten sprach sein Herz nun: »Komm!«
Er ist ein Mensch; voilà! un homme! 

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5. Auf einer Bühne [sung text not yet checked]

Auf einer Bühne steht ein Baum,
geholt vom nächsten Wäldchensaum.

Ihn überragt zur rechten Hand
ein Felsenstein aus Leinewand,

indes zur Linken wunderbar
ein Rasen grünt aus Ziegenhaar.

Im Stehparkett der kleine Cohn
zerbirst vor lauter Illusion.

Der kleine Cohn ward zum Gericht
für das, was Kunst ist und was nicht. 

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