Drei Deutsche Lieder

by Franz Xaver Mozart (1791 - 1844)

Word count: 313

1. An den Abendstern [sung text checked 1 time]

Du blickst so freundlich auf mich nieder,
du heller, lieber Abendstern,
als hörtest Du die leisen Lieder
der ahnungsvollen Schwermuth gern.

Oft schon wenn ich, mit heissem Sehnen,
begrüßte meiner Liebe Bild,
da lachtest Du in meine Thränen,
und machtest meinen Kummer mild.

Oft wenn ich einsam mich erfreute,
im nächtlich stillen Myrtenhain,
da folgte mir, aus blauer Weite,
wie Freundes Blick, Dein Silberschein.

Und es bewegte ernst und leise,
mit wunderbarer Ahnung mich,
wenn in dem ewig festen Gleise,
Dein reiner Schimmer still erblich.

Du schienest dann mir zuzuwinken,
leb' wohl, bis wir uns wiedersehn!
Itzt muß mein letztes mattes Blinken
im Morgendufte untergehn.

Wenn Er, Du weißt ja, wen ich meine,
sein Auge still zu Dir erhebt!
So grüß' Ihn mit dem schönsten Scheine,
daß freudiger sein Herz erbebt.

Und strahlt Ihm süßer reiner Frieden,
so nimm den mein'gen auch dazu;
und ist Ihm einst ein Schmerz beschieden,
so glänz' Ihm Muth und Stärke zu.

Und oft, Du freundlichster der Sterne,
erheitre Ihn mit deinem Licht,
und sag' Ihm leis', auch in der Ferne,
vergißt Dich Deine Freundinn nicht.

Authorship

Researcher for this text: Malcolm Wren [Guest Editor]

2. Das Finden [sung text checked 1 time]

Wenn ich dich nicht finde,
trauert die Natur;
klagend säuseln Winde
durch die öde Flur;

Und der Sterne Schimmer
bricht im Wolkenflor,
ach! ein Klaggewimmer
stöhnt im feuchten Moor.

Hab' ich Dich gefunden,
fühl' ich Götter Lust;
achte nicht der Wunden,
in beklemmter Brust.

Deine Blicke schweben
freundlich dann auf mir,
und ein Wonnebeben
zieht mich hin zu Dir.

Wenn mich deiner Blicke
Eifersucht beraubt,
neidisch voller Tücke
mich zu kränken glaubt;

O dann lindre Leiden,
stützte meinen Muth.
Holde! spende Freuden,
süßer Minnegluth!

Authorship

Researcher for this text: Malcolm Wren [Guest Editor]

3. Bertha´s Lied in der Nacht [sung text checked 1 time]

Nacht umhüllt
Mit wehendem Flügel
[Thäler und Hügel]1,
Ladend zur Ruh.

Und dem Schlummer,
Dem lieblichen Kinde,
Leise und linde
Flüstert sie zu:

"Weißt du ein Auge,
Wachend [im]2 Kummer,
Lieblicher Schlummer,
Drücke mir's zu."

Fühlst du sein Nahen?
Ahnest du Ruh?
Alles deckt [Schlummer]3,
[Schlummre]4 auch du.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2019, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Bertha's lied in de nacht", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "Bertha's song in the night", copyright ©
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Chant de Bertha dans la nuit", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "Canto notturno di Berta", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Janus. [Eine Zeitschrift. Herausgegeben von Friedrich Wähner. Schrämbl, Wien, 1818-1819] No. 1, Sonnabend, den 3. Oktober 1818, page 3; and with Grillparzers Sämmtliche Werke in zehn Bänden. Dritte Ausgabe. Erster Band. Stuttgart. Verlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung. 1878, pages 11-12 (here with the title Bertha's Lied).

Note: The poem was initially destined for Grillparzer's drama Die Ahnfrau.

1 Schubert (in the repeat): "umhüllet die Täler und Hügel"
2 Grillparzer (1878 and later editions): "in"
3 Schubert (in the repeats): "der Schlummer"
4 Schubert: "Schlummre, so schlummre"

Research team for this text: Richard Morris , Peter Rastl [Guest Editor]