Blossoms

by Stanley Grill (b. 1953)

Word count: 462

1. Spätnachmittag [sung text checked 1 time]

Lange Schatten fallen auf den hellen Weg
und die Sonne schickt noch letzte Abschiedswärme
und das dünne Zwitschern eines Vogels ist, als ob es lärme
und als stehl‘ es etwas von der Stille weg.
Menschen auf zehn Schritt Entfernung
sind wie aus ganz andern Welten
und fast möchte man die welken Blätter schelten,
dass sie rascheln und die letzten Sonnenstrahlen stören.
Und man möchte nur die Veilchen wachsen hören.

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Researcher for this text: Malcolm Wren [Guest Editor]

2. Schlaflied für dich [sung text checked 1 time]

Komm zu mir, dann wieg' ich dich,
wiege dich zur Ruh’.
Komm zu mir und weine nicht,
mach die Augen zu.

Ich flechte dir aus meinem Haar
eine Wiege, sieh!
Schläfst drin aller Schmerzen bar,
träumst drin ohne Müh’.

Meine Augen sollen dir
blinkend Spielzeug sein.
Meine Lippen schenk ich dir -
trink dich in sie ein.

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Researcher for this text: Bertram Kottmann

3. Lied [sung text checked 1 time]

Heute tatest du mir weh.
Rings um uns war Schweigen nur,
Schweigen nur und Schnee.
Himmel war, nicht wie Azur,
blau jedoch und voll mit Sternen.
Windeslied erklang aus fernsten Fernen.

Heute warst du mir ein Schmerz.
Häuser waren da, so weiß verschneit,
alle in des Winters Kleid.
Ein Akkord in tiefer Terz
War in unsrer Schritte Klang.
Bahnsirenen heulten lang…

Heute war es wunderschön.
Schön wie tiefverschneite Höh’n,
eingetaucht in Abendglutenring.
Heute tatest du mir weh.
Heute sagtest du mir: geh!
Und ich – ging.

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Researcher for this text: Malcolm Wren [Guest Editor]

4. August [sung text checked 1 time]

Es ist so kalt –
Geistergestalt
Sitz‘ ich da.
Der Regen weint
Mit mir vereint,
Fern und nah.

Die Sehnsucht blaut
Mir nah und vertraut
Und bekannt.
Sie ist in mir
Und blickt zu dir
Wie gebannt.

Von Tränen schwer
Gespenstisch leer
Ist mein Blick.
Er sieht dich an
Voll Leid und kann
Nicht zurück.

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Researcher for this text: Malcolm Wren [Guest Editor]

5. Den gelben Astern ein Lied [sung text checked 1 time]

Sie blicken durch den Regen hell mich an
so licht, dass sie die Sonne mir ersetzen.
Und gar nichts von des Regens Trauer kann
die leuchtend gelbe Freude mir verletzen.
Auflachend neigen sie sich in dem Grün,
das rein und frisch ihr Lachen mir begleitet –
ich leg‘ ihnen mein Lied zu Füßen hin,
weil sie mir eine Freude heut bereitet.

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6. Das Glück [sung text checked 1 time]

Schlafen möcht’ ich,
Der Wind wiegt mich ein,
Und die Sehnsucht singt mich zur Ruh‘.
Weinen möcht‘ ich.
Schon die Blumen allein
Flüstern Tränen mir zu.

Sieh die Blätter:
Sie blinken im Wind
Und gaukeln Träume mir vor.
Ja und später –
Lacht wo ein Kind,
Und irgendwo hofft ein Tor.

Sehnsucht hab‘ ich
Wohl nach dem Glück?
Nach dem Glück.
Fragen möcht‘ ich:
Kommt es zurück?
Nie zurück.

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7. Abend [sung text checked 1 time]

Wie eine Linie dunkelblauen Schweigens
liegt fern der Horizont, von weichem Rot umsäumt.
Die Wipfel schaukeln leis wie im Banne eines Reigens,
das Licht ist wie im Märchen, sanft und blau verträumt.
Der Himmel ist noch hell, noch sieht man kaum die Sterne,
die Luft ist kühl und weich wie eine Frauenhand
und süße Melodie dringt aus der fernsten Ferne:
Musik einer Schalmei, zauberhaft, unbekannt.

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Researcher for this text: Malcolm Wren [Guest Editor]