Zwölf Lieder am Clavier zu singen

by Karl Friedrich Zelter (1758 - 1832)

Word count: 942

1. Herbstlied [sung text not yet checked]

Feldeinwärts flog ein Vögelein
Und sang im muntern Sonnenschein
Mit süßem, wunderbaren Ton:
Ade, ich fliege nun davon,
      Weit! Weit!
  [Reis']1 ich noch heut!

Ich horchte auf den Feldgesang,
Mir ward so wohl und doch so bang,
Mit frohem Schmerz, mit trüber Lust
Stieg wechselnd bald und sank die Brust,
      Herz! Herz!
  [Brichst du vor Wonn' oder Schmerz?]2

[Doch als ich die]3 Blätter fallen sah,
Da dacht ich: Ach, der Herbst ist [da]4!
Der Sommergast, die Schwalbe zieht
Vielleicht so Lieb' und Sehnsucht flieht,
      Weit! weit!
  Rasch mit der Zeit!

Doch rückwärts kam der Sonnenschein,
Dicht [hinter]5 drauf das Vögelein,
Es sah mit tränend Angesicht
Und sang: die Liebe wintert nicht,
      Nein! Nein.
  [Ist und bleibt]6 Frühlingsschein!

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1 Draeseke: "Flieg"
2 Preis: "Brichst du vor Wonn'? Brichst du vor Schmerz?"
3 Preis: "Und als ich"
4 Draeseke: "nah"
5 Preis: "zu mir"
6 Preis: "Sie bleibt"

Research team for this text: Ferdinando Albeggiani , Sharon Krebs [Guest Editor] , Johann Winkler

2. Ständchen [sung text checked 1 time]

Zu meiner Laute Liebesklang,
Horch auf, horch auf!
Tönt dir, o Liebchen, mein Gesang,
Horch auf, horch auf!
Vernimm die Töne, die mit Beben
Der liebe, vollen Brust entschweben.
Horch auf, zu meiner Laute Klang
Tönt, Liebchen, mein Gesang,
Horch auf, horch auf!

Schau her im falben Mondenglanz,
Schau her, schau her!
Den schattenlichten Wirbeltanz,
Schau her, schau her!
Es schwebt in seinem luft'gen Kreise
Der Hauch der Liebe sanft und leise.
Horch auf, zu meiner Laute Klang
Tönt, Liebchen, mein Gesang,
Horch auf, horch auf!

Ich harre dein im Grau'n der Nacht,
Mach auf, mach auf!
Von keines Lauschers Blick bewacht;
Mach auf, mach auf!
Laß, holdes Kind, uns Herz an Herzen
Ein süßes trautes Weilchen scherzen;
Mach auf, zu meiner Laute Klang,
Tönt, Liebchen, mein Gesang,
Horch auf, horch auf!

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. Erinnerung an einen Freund [sung text checked 1 time]

Es rauscht der Strom, es weht der Wind,
wie Wind und Strom die Zeit verrinnt!
Es rauscht ihr Strom bergauf, bergab,
und manches Blümchen fällt hinab.

Mit Adlersschwingen angetan
fleucht Phantasie dem Strom voran;
zurück in stille Dämmerung
schifft einsam die Erinnerung.

Sie sucht bei bleichem Mondenglanz
die Blümchen auf im Wogentanz;
betaut von süßer Tränen Lauf
blüht manches Blümchen wieder auf.

Bist, Lieber, du einst fern von mir,
so folg' ihr gern, o folge ihr
zurück ins stille Schattenland,
ich harre dein an ihrer Hand.

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Researcher for this text: Johann Winkler

5. Der Waldbruder [sung text checked 1 time]

Komm Trost der Nacht, o Nachtigall!
Laß deine Stimm mit Freudenschall
Aufs lieblichste erklingen!
Komm, komm und lob den Schöpfer dein,
Weil andre Vöglein schlafen sein
Und nicht mehr mögen singen:
Laß dein Stimmlein
Laut erschallen; [denn]1 vor allen
[Kanstu]2 loben
[Gott]3 im Himmel hoch dort oben.

Obschon ist hin der Sonnenschein,
Und wir im Finstern müssen sein,
So können wir doch singen
Von Gottes Güt und [seiner]4 Macht,
Weil uns kann hindern keine Nacht,
Sein Lob zu vollenbringen.
Drum dein Stimmlein
Laß erschallen; denn vor allen
Kanstu loben
Gott im Himmel hoch dort oben.

Echo, der wilde Widerhall,
Will sein bei diesem Freudenschall
Und lässet sich auch hören;
Verweist uns alle Müdigkeit,
Der wir ergeben allezeit,
Lehrt uns den Schlaf betören.
[Drum dein Stimmlein
Laß erschallen; denn vor allen
Kanstu loben
Gott im Himmel hoch dort oben.]5

Die Sterne, so am Himmel stehn,
[Sich lassen]6 zum Lob Gottes sehn
Und [Ehre ihm]7 beweisen;
[Die Eul auch]8, die nicht singen kann,
Zeigt doch mit ihrem Heulen an,
Daß sie [Gott]9 auch tu preisen.
[Drum dein Stimmlein
Laß erschallen; denn vor allen
Kanstu loben
Gott im Himmel hoch dort oben.]5

Nur her, mein liebstes Vögelein,
Wir wollen nicht die [Fäulsten]10 sein
Und schlafend liegen bleiben;
[Vielmehr]11, bis daß die Morgenröt
Erfreuet diese Wälder öd,
In [Gottes Lob vertreiben]12.
Laß dein Stimmlein
Laut erschallen; denn vor allen
Kanstu loben
Gott im Himmel hoch dort oben.

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1 Gál: "dann", passim.
2 Gál, Zelter: "Kannst du", passim
3 Zelter: "Den"
4 Zelter: "großer"
5 omitted by Gál ?
6 Zelter: "Lassen sich"
7 Zelter: "tun ihm Ehr'"
8 Zelter: "Auch die Eul'"
9 Zelter: "ihn"
10 Zelter: "Faulsten"
11 Zelter: "Sondern"
12 Zelter: "seinem Lob verbleiben"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Johann Winkler

11. Rundgesang auf dem Wasser [sung text not yet checked]

Umwallt vom hellen Wimpel, schwebt
  Das Boot im Wellentanz ; 
Tief unter uns im Waller bebt
  Des rotben Himmels Glanz.
Sagt an: blinkt dies Gewässer, 
Blinkt dieser Rheinwein besser,
  Im Dunkeln
  Zu funkeln?

Alle
  Ertöne stolz, o Rundgesang,
  Zum Ruderschlag, im Gläserklang!
  Der Wein, der Wein blinkt besser!

Die Mägdlein krönten uns zum Mahl
  Mit Rosmarin und Raut' 
Und bunten Blumen den Pokal,
  Wie eine junge Braut.
Doch nippt auch kleine Nippe,
Die nüchtern eure Lippe
  Nur Küssen
  Entschliessen!

Alle
  Ertöne stolz, o Rundgesang,
  Zum Ruderschlag, im Gläserklang!
  Nippt klein' und grosse Nippe!

Seht, lieblich stralt in unsern Wein
  Des Silbermondes Rund; 
Doch lieblicher bestralt sein Schein
  Des Mägdleins feuchten Mund.
[Die Zecher am Pokale 
Schaun nach der Lippen Strale,
  Und flüstern,
  Wie lüsten!]1

Alle
  Ertöne stolz, o Rundgesang,
  Zum Ruderschlag, im Gläserklang!
  Trink, Mädchenmund und strale!

Die Regel, dass man nippen muss,
  Gilt nicht vom Weine nur;
Sie gilt, ihr Herren, auch vom Kuss
  Sonst bleibt die böse Spur.
Als dir das Mündlein brannte,
Mein Kind, wie schalt die Tante!
  Seid weiser:
  Küsst leiser!

Alle
  Ertöne stolz, o Rundgesang,
  Zum Ruderschlag, im Gläserklang!
  Was kümmert uns die Tante!

[Entlockte Filomele dir,
  Mein Kind, dies Seufzerlein? 
Man sagt, die Liebe klag' aus ihr;
  Sie kann auch durstig sein.]1
[Weit reizender, als jene,
Sind holder Mägdlein Töne
  Am Becher
  Dem Zecher!]2

Alle
  Ertöne stolz, o Rundgesang,
  [Zum Ruderschlag, im Gläserklang!]3
  Wein, Wein erhöht die Töne!

Vom Ufer weht uns Blütenduft
  Aus leisen Winden zu; 
Doch milder würzest du die Luft,
  Bekränzter Becher, du! 
Was unkt des Schilfes Rufer? 
Was girrt die Weid' am Ufer?
  Was heulen
  Die Eulen?

Alle
  Ertöne stolz, o Rundgesang,
  Zum Ruderschlag, im Gläserklang!
  Sie wittern Wein am Ufer!

Ha seht! der Barsche graucs Heer,
  Forellen, Hecht' und Schlein;
Ja selbst der Mond schwimmt hinterher,
  Und lechzt nach unserm Wein!
Theilt mit; und alle springen
Im Taumel hoch, und schwingen
  Betäubter
  Die Häupter!

Alle
  Ertöne stolz, o Rundgesang,
  Zum Ruderschlag, im Gläserklang!
  Seht, Mond und Fische springen! 

Was summt des Thales Wiederhall
  In unsrer Gläser Klang?
Der Elfen Chor im Mondscheinball
  Tanzt unsern Rundgesang!
Ihr schlürft da Trank: doch welchen?
Nur Thau aus Blumenkelchen,
  Ihr Zwerge
  Der Berge!

Alle
  Ertöne stolz, o Rundgesang,
  Zum Ruderschlag, im Gläserklang!
  Hier sprudelt Wein in Kelchen! 

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1 omitted by Nägeli.
2 Nägeli:
Wie reizend, holde Schöne!
Sind deine süßen Töne
Am Becher
Den Zecher!
3 Nägeli: "Beim Ruderschlag und Gläserklang!"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

12. Rundgesang beim Rheinwein [sung text not yet checked]

Ihr habt doch Wein genug im Hause?
 . . . . . . . . . .

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