Vier elegische Gesänge

by Joseph (Gabriel) Rheinberger (1839 - 1901)

Word count: 630

1. Die Seelen der Gerechten [sung text checked 1 time]

Die Seelen der Gerechten, sie sind in der Hand Gottes
und die Qual des Todes berühret sie nicht;
In den Augen der Unweisen scheinen sie zu sterben,
sie aber sind in Frieden!
Und wenn sie vor den Menschen auch Qual erdulden,
so ist doch ihre Hoffnung der Unsterblichkeit voll,
wahrlich, sie sind in Frieden!
Gott prüfet sie und findet sie seiner werth.
Wie Gold im Feuer prüft er sie,
und wie Brandopfer nimmt er sie auf!
Die Gerechten werden glänzen wie die Funken,
und sie werden die Völker richten.
Die Gerechten werden glänzen wie die Funken,
und sie werden über Nationen herrschen!
Die da säen mit Thränen, sie ärnten mit Frohlocken;
sie werden kommen mit Jubel und tragen ihre Garben,
und ihr Herr wird ihr König sein!
Die Seelen der Gerechten, sie sind nun im Frieden.

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2. Herr, du mein Gott [sung text checked 1 time]

Herr, du mein Gott!
Du hast erhöht mein irdisch Haus, 
da ich betete um Erlösung von dem Tode.
Ich rief den Herrn an, den Vater meines Herrn, 
dass er mich lasse nicht ohne Hilfe am Tage meiner Trübsal.
Zur Zeit, da mich verfolgen die Stolzen, 
will ich loben deinen Namen ohne Unterlass, und ihn preisen mit Danksagung.
Herr, du mein Gott,
du hast mich erhört, hast mich erlöset aus Gefahr und bittrer Noth,
hast errettet mich von sich'rem Tod.
Glückselig, die in Unschuld gehn,
die wandeln im Gesetz des Herrn,
darob will ich lobpreisen dich, mein Herr und Gott!

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3. Heilge Nacht, auf Engelschwingen [sung text not yet checked]

Heilge Nacht, auf Engelschwingen
Nahst du leise dich der Welt;
Und die Glocken hör ich klingen,
Und die Fenster sind erhellt.
Selbst die Hütte trieft von Segen,
Und der Kindlein froher Dank
Jauchzt dem Himmelskind entgegen
Und ihr Stammeln wird Gesang.

Mit der Fülle süsser Lieder,
Mit dem Glanz um Tal und Höh'n
Heil'ge Nacht, so kehrst du wieder,
Wie die Welt dich einst gesehn. -
Da die Palmen lauter rauschten,
Und, versenkt in Dämmerung,
Erd und Himmel Worte tauschten,
Worte der Verkündigung.

Da, mit Purpur übergossen,
Aufgetan von Gottes Hand,
Alle Himmel sich erschlossen,
Glänzend über Meer und Land,
Da den Frieden zu verkünden,
Sich der Engel niederschwang,
Auf den Höhen in den Gründen
Die Verheissung widerklang. -

Heil'ge Nacht, mit tausend Kerzen
Steigst du feierlich herauf,
Oh, so geh in unsern Herzen,
Stern des Lebens, geh uns auf!
Schau, im Himmel und auf Erden,
Glänzt der liebe Rosenschein!
Friede soll's noch einmal warden
Und die Liebe König sein.

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4. Die Lerche stieg am Ostermorgen [sung text not yet checked]

Die Lerche stieg am Ostermorgen
Empor ins klarste Luftgebiet
Und schmettert', hoch im Blau verborgen,
Ein freudig Auferstehungslied,
Und wie sie schmetterte, da klangen
Es tausend Stimmen nach im Feld:
Wach auf, das Alte ist vergangen,
Wach auf, du froh verjüngte Welt!

Wacht auf und rauscht durchs Tal, ihr Bronnen,
Und lobt den Herrn mit frohem Schall!
Wacht auf im Frühlingsglanz der Sonnen,
Ihr grünen Halm' und Läuber all!
Ihr Veilchen in den Waldesgründen,
Ihr Primeln weiß, ihr Blüten rot,
Ihr sollt es alle mit verkünden:
Die Lieb' ist stärker als der Tod.

Wacht auf, ihr trägen Menschenherzen,
Die ihr im Winterschlafe säumt,
In dumpfen Lüsten, dumpfen Schmerzen
Ein gottentfremdet Dasein träumt.
Die Kraft des Herrn weht durch die Lande
Wie Jugendhauch, o laßt sie ein!
Zerreißt wie Simson eure Bande,
Und wie der Adler sollt ihr sein.

Wacht auf, ihr Geister, deren Sehnen
Gebrochen an den Gräbern steht,
Ihr trüben Augen, die vor Tränen
Ihr nicht des Frühlings Blüten seht,
Ihr Grübler, die ihr fern verloren
Traumwandelnd irrt auf wüster Bahn,
Wacht auf! Die Welt ist neugeboren,
Hier ist ein Wunder, nehmt es an!

Ihr sollt euch all des Heiles freuen,
Das über euch ergossen ward!
Es ist ein inniges Erneuen
Im Bild des Frühlings offenbart.
Was dürr war, grünt im Wehn der Lüfte,
Jung wird das Alte fern und nah,
Der Odem Gottes sprengt die Grüfte -
Wacht auf! der Ostertag ist da.

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