Am Strome

by Joseph (Gabriel) Rheinberger (1839 - 1901)

Word count: 946

1. Der Strom [sung text not yet checked]

Tief in waldgrüner Nacht
ist ein Bächlein erwacht,
kommt von Halde zu Halde gesprungen,
und die Blumen, sie stehn
ganz verwundert und sehn
in die Augen dem lustigen Jungen.
Und sie bitten: "Bleib hier
in dem stillen Revier!"
Wie sie drängen, den Weg ihm zu hindern!
Doch er küßt sie im Flug,
und mit neckischem Zug
ist entschlüpft er den lieblichen Kindern.
Und nun springt er hinaus
aus dem stillgrünen Haus:
"O du weite, du strahlende Ferne!
Dir gehör' ich, o Welt!"
Und er dünkt sich ein Held,
und ihm leuchten die Augen wie Sterne.
"Gebt mir Taten zu tun!
Darf nicht rasten, nicht ruhn,
soll der Vater, der Alte, mich loben!"
Hoch zum Flusse geschwellt,
von dem Fels in die Welt
braust er nieder mit freudigem Toben.
"Gebt mir Taten zu tun,
kann nicht rasten, nicht ruhn!"
Und schon hört man die Hämmer ihn schmettern;
und vorbei an dem Riff
trägt er sicher das Schiff
in dem Kampfe mit Sturm und mit Wettern.
Immer voller die Lust,
immer weiter die Brust!
Und er wächst zum gewaltigen Strome.
Zwischen rankendem Wein
schauen Dörfer darein
und die Städt' und die Burgen und Dome.
Und er kommt an das Meer;
hell leuchtet es her,
wie verklärt von göttlichem Walten.
Welch ein Rauschen im Wind?
"Du mein Vater!" -- "Mein Kind!"
Und er ruht in den Armen des Alten.

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Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

2. Wiegenlied [sung text not yet checked]

Vom Berg [hinabgestiegen]1
Ist nun des Tages Rest;
Mein Kind liegt in der Wiegen,
Die [Vöglein]2 all' im Nest;
Nur ein ganz klein Singvögelein
Ruft weit daher im Dämmerschein:
"Gut' Nacht! gut' Nacht!
Lieb' Kindlein, gute Nacht!"

Das Spielzeug ruht im Schreine,
Die Kleider auf der Bank,
Ein [Mäuschen]3 ganz alleine
Es raschelt noch im Schrank,
Und draußen steht der Abendstern
Und winkt dem Kind aus weiter Fern':
"Gut' Nacht! gut' Nacht!
Lieb' Kindlein, gute Nacht!"

Die Wiege geht im Gleise,
Die Uhr [pickt]4 hin und her,
Die Fliegen nur ganz leise
[Sie]5 summen noch daher. 
Ihr Fliegen, laßt mein Kind in Ruh'!
Was [summt]6 ihr ihm so heimlich zu?
"Gut' Nacht! gut' Nacht!
Lieb' Kindlein, gute Nacht!"

Der Vogel und die Sterne,
[Die Fliegen]7 rings umher,
Sie haben mein Kind [schon]8 gerne,
Die Engel noch viel mehr. 
Sie decken's mit den Flügeln zu
Und singen leise: "Schlaf in Ruh!
Gut' Nacht! gut' Nacht!
Lieb' Kindlein, gute Nacht!"

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  • ENG English (John H. Anderson) , copyright © 2006, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English [singable] (Addie Funk) , "Cradle Song"
  • ENG English [singable] (Anonymous/Unidentified Artist) , "Slumbersong in Summertime"
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "In estate", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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1 Blech, Wolf, Wurm: "hinab gestiegen"; Emmerich and Mittmann: "herabgestiegen" (and further changes may exist not noted)
2 Taubert, Wolf: "Vögel"
3 Blech: "Mäuslein"
4 Wolf: "tickt"
5 Blech: "Die"
6 Wurm: "summet"
7 Wolf "Und alle"
8 Wolf "so"

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

3. Bete auch du [sung text not yet checked]

Wie ist der Abend so traulich,
Wie lächelnd der Tag verschied;
Wie singen so herzlich erbaulich
Die Vöglein ihr Abendlied!

Die Blumen müssen wohl schweigen,
Kein Ton ist Blumen beschert,
Doch, stille Beter, neigen
Sie alle das Haupt zur Erd'.

Wohin ich gehe und schaue,
[Ist Abendandacht. Im Strom
Spiegelt sich auch der blaue
Prächtige Himmelsdom.]1

Und alles betet lebendig
Um eine selige Ruh,
Und alles mahnt mich inständig:
O Menschenkind, bete auch du!

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1 E. Zumsteeg: "Ist Abendandacht fromm. / Im Strome malt sich der blaue / Der herrliche Himmelsdom."

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

4. Falsche Bläue [sung text not yet checked]

Ich hab' in das blaue Meer geschaut,
Ich hab' dem blauen Meer vertraut;
Ein klarer Himmel lag darein
Mit mildem Stern- und Mondenschein,
Das hat mich arg betrogen! -
Ich warf mich tief in das Meer hinein,
Es war kein klarer Himmel drein,
Nur wilde, falsche Wogen. -
War Alles, Alles erlogen!

Ich hab' in den blauen Himmel geschaut,
Ich hab' dem blauen Himmel vertraut;
Er war so hell, er war so rein,
Eine strahlende Sonne brannte drein,
Das hat mich arg betrogen! -
Die Sonne, sie brannte heiß und schwer,
Viel Wolken hat sie um mich her
Und böse Wetter gezogen. -
War Alles, Alles erlogen!

Ich hab' in zwei blaue Augen geschaut,
Ich hab' zwei blauen Augen vertraut;
Sie schienen fromm, sie schienen rein,
Ich schaute lang' und tief hinein,
Das hat mich arg betrogen!
Ihr heller Glanz ward arge Gluth,
Ihr klarer Spiegel wilde Fluth,
Die hat mich hinabgezogen. -
War Alles, Alles erlogen!

Authorship

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Researcher for this text: Harry Joelson

5. Zwei Liebchen [sung text not yet checked]

Ein Schifflein auf der Donau schwamm,
Drin saßen Braut und Bräutigam,
        Er hüben und sie drüben.

Sie sprach: Herzliebster, sage mir,
Zum Angebind was geb ich dir?

Sie streift zurück ihr Aermelein,
Sie greift in's Wasser frisch hinein.

Der Knabe, der thät gleich also,
Und scherzt mit ihr und lacht so froh.

Ach, schöne Frau Done, geb' sie mir
Für meinen Schatz eine hübsche Zier!

Sie zog heraus ein schönes Schwert,
Der Knab' hätt' lang so eins begehrt.

Der Knab', was hält er in der Hand?
Milchweiß ein köstlich Perlenband.

Er legt's ihr um ihr schwarzes Haar,
Sie sah wie eine Fürstin gar.

Ach, schöne Frau Done, geb' sie mir
Für meinen Schatz eine hübsche Zier!

Sie langt hinein zum andern Mal,
Faßt einen Helm von lichtem Stahl.

Der Knab' vor Freud' entsezt sich schier,
Fischt ihr einen goldnen Kamm dafür.

Zum Dritten sie in's Wasser griff:
Ach weh! da fällt sie aus dem Schiff.

Er springt ihr nach, er faßt sie keck,
Frau Done reißt sie Beide weg;

Frau Done hat ihr Schmuck gereut,
Das büßt der Jüngling und die Maid.

Das Schifflein leer hinunterwallt;
Die Sonne sinkt hinter die Berge bald.

Und als der Mond am Himmel stand,
Die Liebchen schwimmen tot ans Land,
        Er hüben und sie drüben.

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Deux amoureux", copyright © 2019, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

6. Der Todesengel [sung text not yet checked]

Der Abend kommt, der Tag [entwich]1
Die Schatten wehn und weben
Schon wächst ein langer Schattenstrich
Dir langsam über' s Leben
Gemach versinkt im Dämmerschein
Gebirg und Tal und Feld und Hain -
Schlaf, müdes Herz, schlaf ein!

Und Lust und Leid, dir wohl bekannt
Verlassen den Genossen
Und Alles, was du dein genannt
Ist wie in Duft zerflossen
Wie war der Tag voll heißer Pein
Wie nahn die Sterne mild und rein -
Schlaf, müdes Herz, schlaf ein!

Am Himmel flammt die letzte Glut
Und flackert trüb' und trüber
Es haucht der Wind, es rauscht die Flut
Und Alles ist vorüber
Die Nacht bricht wie ein Meer herein
Du wiegest auf den Wellen sein -
Schlaf, müdes Herz, schlaf ein!

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1 Haile: "verblich"; further changes may exist not noted.

Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani