Wohl viele tausend Vögelein
Wohnen und singen im grünen Hain,
Sie haben all' zwei Flüglein schön,
Zu fliegen über Land und Seen,
Sie haben alle süßen Mund,
Zu singen hell aus Herzensgrund --
O bitt' euch, liebe Vögelein,
Will keins von euch mein Bote sein?
Ich will euch senden in ein Thal
Mit lustigen Quellen ohne Zahl,
Da blühen Blumen süß und lind
Und wiegen sich im Abendwind;
Ich will euch senden vor ein Haus,
Da lacht der Frühling selbst heraus --
O bitt' euch, liebe Vögelein,
Will keins von euch mein Bote sein?
Und sehnt ihr nach des Waldes Glück,
nach Rosen und Liedern euch zurück:
Zu einer Rose send' ich euch,
mein holdes Lieb schaut Rosen gleich,
mein holdes Lieb spricht süßen Klang,
als wär' es Nachtigallensang -
O bitt' euch, liebe Vögelein,
will keins von euch mein Bote sein?
...
Vier Lieder für vierstimmigen Männerchor
by Johann Heinrich Stuckenschmidt (1819 - 1870)
1. Lied
Text Authorship:
- by Robert Eduard Prutz (1816 - 1872), "Lied", appears in Buch der Liebe, in 2. Zweites Buch, in Frühlingsliebe
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Researcher for this page: Johann Winkler2. König Gambrinus
Herrscht' einst ein edler König zu Flandern und Brabant, war vor und nach kein and'rer mit besser'm Ruhm benannt. Gewandt in zarter Minne, bei Ritterspiel und Tanz; der stärkste Gegner wankte vor seines Schwertes Glanz. Doch lieber preist ihn jeder und weiß ihm hohen Dank, weil er zuerst ersonnen den kühlen Gerstentrank. Wenn er nach heißen Kämpfen in seinem Schlosshof stand, rief er: Wohlauf, ihr Knappen, seid rüstig mir zur Hand! Ihr habt mir gut gestritten voll Ruhms und alter Kraft; so lasst uns nun bereiten den edlen Gerstensaft! Und Knapp' und Knechte schickten sich zu dem Werke dann; der königliche Meister ging ihnen frisch voran. Dann zecht' der alte König, der weitgepries'ne Held; dem räumten sie beim Becher wie in der Schlacht das Feld. Sitzt nun beim kühlen Kruge noch eine lust'ge Schar, denkt sie: Kommt doch kein König, wie der Ganbrinus war! Und meint auch wohl noch jeder, leert er den Humpen aus: Wär' jedes Königsschloss doch ein tüchtig Brauerhaus! Und wär' doch jeder König ein Brauherr, jenem gleich, die Königin die flott'ste Frau Wirtin in dem Reich!
Text Authorship:
- by Theodor Oelkers (1816 - 1869)
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Note: in Stuckenschmidt's setting of this text, each stanza has a repetition of the seventh line without alteration except for stanza 4: in the repetition, the line becomes "nein, nein, kommt doch kein König,"
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3. Die Fahnenweihe
Du hehres Banner, hochgeschwungen von deutscher Sänger kräft'ger Hand, bezeichne, dass wir, fest umschlungen, mit allen Brüdern in dem Land der Deutschen uns dem Kampfe weih'n, wenn Licht und Recht gefährdet sein. Fehlt auch der blanke Schmuck der Waffen, ist uns're Hand nicht kampfgeübt, so ist uns eine Kunst geschaffen, die über Geister Herrschaft übt. Wie Orpheus einst die Felsen zwang, so sieget heut' noch deutscher Sang. Vor allem dröhnt ihr Freiheitslieder in jedes deutsche Herz hinein, und tönt in allen Gauen wieder vom Memelstrom bis an den Rhein, vom meerumschlung'nen Ostseestrand zum wolkenhohen Alpenland. Wir singen Liebe unser'n Schönen, die Treue unser'm Vaterland. Wir wecken Geister mit den Tönen, wir einen hoh'n und nieder'n Stand. Wir singen Freude, Mut und Lust in des bedrängten Bruders Brust. Und wie der Schwan im Tode singet, so gelt' es auch in unser'm Bund! Getreu Brüder, singet, singet, bis euch geschlossen ist der Mund! Dann meldet euch beim Meister dort, wir bleiben hier und singen fort.
Text Authorship:
- by ? Steinhorst
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Researcher for this page: Johann Winkler4. Gute Nacht
Es soll kein Tag sich enden,
Daß nicht zu dir, o Herz!
Sich meine Sinne wenden
Voll Liebeslust und Schmerz;
Daß nicht zu dir mit Schweigen
Aus meiner Seele Schacht
Viel hundert Grüße steigen
Zur süßen Gute Nacht!
Daß nicht die alten Zeiten,
Da mir dein Auge schien,
An mir vorübergleiten,
Leise, wie Geister ziehn;
Daß nicht von künft'gen Tagen
Ein morgenhelles Bild
Mit wonnevollem Zagen
Das tiefste Herz mir füllt!
Und will ich dann mich legen,
O dann, du holde Braut,
Sprech' wie zum Abendsegen
Ich deinen Namen laut:
Der wird auf raschen Schwingen,
Ein muntres Vögelein,
Zu dir hinüber klingen
Bis in dein Herz hinein!
Gute Nacht und schlaf' in Frieden,
Im Schlafe denke mein!
Laß, die der Tag geschieden,
Zu Nacht verbunden sein!
Laß uns im Traum uns küssen,
Und halten, Brust an Brust:
O weil wir träumen müssen,
So sei's ein Traum der Lust!
Text Authorship:
- by Robert Eduard Prutz (1816 - 1872), "Gute Nacht"
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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):
- ENG English (Sharon Krebs) , "Good night", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
Confirmed with Gedichte von R.E. Prutz, Leipzig: Otto Wigand, 1841, pages 320-321.
Research team for this page: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Senior Associate Editor], Johann Winkler