Wem bring' ich wohl das erste Glas? Wer lehrt mich das? Das erste Glas dem großen Geist, der Trost im Wein uns finden heißt, der uns're Welt so schön gemacht; ihm sei das erste Glas gebracht. Wem bring' ich wohl das zweite Glas? Wer lehrt mich das? Das zweite Glas dem Vaterland, wo meiner Kindheit Wiege stand, wo Muttersorge mich bewacht; ihm sei das zweite Glas gebracht. Wem bring' ich wohl das dritte Glas? Wer lehrt mich das? Das dritte Glas dem deutschen Weib, das eigen mir mit Seel' und Leib, in dessen Blick mir Liebe lacht; ihm sei das dritte Glas gebracht! Wem bring' ich wohl das letzte Glas? Wer lehrt mich das? Das letzte Glas dem guten Recht, das stets verdammt was falsch und schlecht und alles Gute hält in Acht; ihm sei das letzte Glas gebracht!
Sechs Gesellschaftslieder aus den Blätter und Trauben von J. N. Vogl, drittes Heft
by Wilhelm Speyer (1790 - 1878)
1. Trinklehre
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- by Johann Nepomuk Vogl (1802 - 1866), "Trinklehre", appears in Die Poesie beim Weine
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Confirmed with Die Poesie beim Weine. Von Dr. Johann Nepomuck Vogl, Wien, 1857.
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2. Piff, Puff, Paff!
Nun Kameraden in die Schlacht! Die erste Salve hat gekracht. Piff! Puff! Paff! Doch haltet treu und mutig aus, es kämpft sich heiß im Schenkenhaus. Piff! Puff! Paff! Voran euch geht der Kommandant, der manch Geschütz schon abgebrannt. Piff! Puff! Paff! Ihr andern folgt ihm auf dem Fuß; nun Kinder gilt's, nun Schuss auf Schuss! Piff! Puff! Paff! Kanonen vor! Jetzt bricht es los! Der Fahne nach ins Kampfgetos'! Piff! Puff! Paff! Das klingt und schallt und schallt und klingt; gebt acht, dass euch kein Glas zerspringt! Piff! Puff! Paff! Ihr Veterane, frisch voraus, die Garde nach im Sturmgebraus! Piff! Puff! Paff! Nun Knall auf Knall! Schon fehlt's an Blei. Nur neue Flaschen flink herbei! Piff! Puff! Paff! Jetzt Freunde sind wir mitten d'rin, jetzt gilt es gleich, was hin ist hin! Piff! Puff! Paff! Nun zeig' sich jeder als ein Mann und schieße, was er schießen kann! Piff! Puff! Paff! Triumph, nun ist der Feind besiegt, in seinem Blut der Unmut liegt. Piff! Puff! Paff! Die Langeweile flieht das Feld, die Sorge gab das Fersengeld. Piff! Puff! Paff! Nur eine Freudensalve noch; wer mit uns focht, der lebe hoch! Piff! Puff! Paff! Vor allem unser General, Held Bacchus, unter Jubelschall! Piff! Puff! Paff!
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- by Johann Nepomuk Vogl (1802 - 1866), "Piff, Puff, Paff!", appears in Blätter und Trauben: Lieder für heitere Kreise
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Confirmed with Blätter und Trauben von Johann N. Vogl, Wien, 1843.
Note: in Speyer's sung text, the lines "Piff! Puff! Paff!" are substituted by variations of these 3 interjections.
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3. Die gefesselte Geister3
Es wohnen umduftet vom goldenen Nass die Geister der Jugend im bauchichten Fass. Sie schmachten und trachten ans Licht nur hinaus, doch bannt sie ein Zauber ins finstere Haus. D'rum lasst uns befreien die Armen zur Stund', nicht länger verschließe sie Daube und Spund. Last quellen die Wellen aus Zapfen und Krug, dass jene uns wieder umkreisen im Flug. Wohlan denn, nun seid ihr entfesselt und frei; o Geister der Jugend, nun flattert herbei! Vergebt es, wenn mancher euch treulos vergaß, und gaukelt und schaukelt auf Kanne und Glas. Ihr, die ihr als Falter umkoset das Kind, o scheucht doch wie früher die Sorgen geschwind und führt uns im Reigen zurück in das Land, das, ach, nur zu schnelle uns allen entschwand.
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- by Johann Nepomuk Vogl (1802 - 1866), "Die gefesselte Geister", appears in Blätter und Trauben: Lieder für heitere Kreise
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Researcher for this page: Johann Winkler4. Die Nase im Wein
Spiegelt oft sich meine Nase in dem Becher, in dem Glase, scheint sie mir entsetzlich lang, dass mir fast darüber bang. Was sind das für tolle Faxen, ist sie kürzer doch gewachsen, just, dass man sie tragen kann, seh' ich sie im Spiegel an. Aber nur zwei gute Züge, und ich weiß den Grund der Lüge, denn im Wein nur hat der Witz seinen ränkevollen Sitz. Spricht zu mir dann solchermaßen: Wie nur magst du dich befassen mit noch Ander'm als allein mit dem Becher, mit dem Wein? Lang' genug, du alter Hase, führten doch an deiner Nase Frauenliebe, Glück und Ruhm und noch And're dich herum! Ward sie nicht so lang gezogen, dank's dem Glück, das dir gewogen. Ging's nach Rechtens, müsst' sie sein, sie du sie erblickst im Wein.
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- by Johann Nepomuk Vogl (1802 - 1866), "Die Nase im Wein", appears in Blätter und Trauben: Lieder für heitere Kreise
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Confirmed with Blätter und Trauben von Johann N. Vogl, Wien, 2. Aufl., 1844.
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5. Beim Wein
Es macht sich jeder seine Welt, wie sie ihm eben wohlgefällt; so mach' ich mir die meine beim Weine. Bei Frauenlieb' und Häuslichkeit erträumt sich der die gold'ne Zeit; Glück auf, ich such' die meine beim Weine. Der And're wähnt sein Glück und Ruhm, rauft sich mit aller Welt herum; gern gönn' ich dem das Seine beim Weine. Ein Dritter ist dem Geld nur hold, der will nur Gold und sucht nur Gold. Ich such' mein Gold, das reine, beim Weine. Ein Vierter lebt nur bloß der Kunst, dem ist sonst alles and're Dunst. Respekt der Kunst - nur keine beim Weine! Ein Fünfter nur in Sternen reist, der schätzt sonst wieder nichts als Geist; auch ich, schätz' den vom Rheine beim Weine. So macht sich jeder seine Welt und meint am besten sei's bestellt, gerade wie ich's meine beim Weine.
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- by Johann Nepomuk Vogl (1802 - 1866), "Beim Wein", appears in Blätter und Trauben: Lieder für heitere Kreise
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Researcher for this page: Johann Winkler6. Sage Dank
Hat dir der Herr ein Gut geschenkt, das Sorg' und Not verbannt, so mög' aus deinem Dank er's seh'n, dass du es hast erkannt. Und ward dir ein Talent beschert, das dich zu Edler'm macht, so dank's aus tiefster Brust dem Herrn und nütz' es mit Bedacht. Und gibt er dir ein Glas voll Wein zum stärkend frischen Trank, so leer' es fröhlich bis zum Grund und sag' ihm fröhlich Dank!
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- by Johann Nepomuk Vogl (1802 - 1866), "Sage Dank", appears in Blätter und Trauben: Lieder für heitere Kreise
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Confirmed with Blätter und Trauben von Johann N. Vogl, Wien, 2. Aufl., 1844.
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