Singuf. 6 Spielmanns-Lieder aus Juluys Wolff's gleichnamigem Liederbuch

Song Cycle by Friedrich Rosenthal (flourished c1882)

Word count: 734

1. Zum Gruss  [sung text not yet checked]

Mit Hand und Herzen Gott zum Gruß,
Ihr lieben Leutchen alle!
Der Spielmann kommt mit leichtem Fuß,
Ob euch ein Lied gefalle.
Die Fiedel streich' ich jederzeit
Und blas' auch auf dem Rohre,
Zum Lautenschlag bin ich bereit
Vor wohlgeneigtem Ohre.

Ich will euch jetzo frisch gewagt
Etliche Stücklein singen,
Und wenn's, Vielwerthen, euch behagt,
Eins nach dem andern bringen.
Denn Lieder und Schanzunen viel
Und Aventiuren weiß ich,
Mein Tagwerk ist Sang, Saitenspiel,
Und Hunold Singuf heiß' ich.

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2. Zum Reihen [sung text not yet checked]

Es grünet die Heide,
Es laubt sich der Wald,
Ihr stolzen Maide,
Kommet ihr bald? 
Die Quellen springen,
Die Bäche sprühn,
Die Vöglein singen,
Die Blumen blühn,
Und Alles locket im Freien,
Daß Knaben und Maide sich reien.

Es stehen zwölf Linden
In einem Kranz,
Da könnt ihr mich finden,
Da spiel ich zum Tanz.
Ich habe geladen 
Den lustigen Mai,
Auf sonnigen Pfaden
Kommt er herbei.
Mit seinen fröhlichen Gaben
Will er uns letzen und laben.

Zwei Burschen führen 
Ein Mägdelein,
Zwei Jungfern küren
Sich Einen allein.
So wandelt zu Dreien
Ihr wohlgemuth,
Und Blüthen schneien
Auf Schapel und Hut
Im Baumgang von den Zweigen
Bis hin zu des Waldes Schweigen.

Da wartet am Saume 
Der Spielmann schon 
Und lehnet am Baume 
Und stimmet den Ton.
Nun singet und springet,
Vortänzer voran! 
Ihr Mädchen umschlinget
Den liebsten Mann,
Nur rath' ich euch in Güte,
Daß Jed' ihr Kränzlein hüte!

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3. Wenn du kein Spielmann wärst [sung text not yet checked]

Traf ich die Blonde im dämmrigen Gange,
Herzte sie, küßte sie, frug nicht erst lange.
Zwar fing sie an, sich ein wenig zu wehren,
Ließ sich's doch balde gefallen in Ehren;
"Das aber sag' ich Dir," sprach sie, "Du Schlimmer!
Wenn du kein Spielmann wärst, litt' ich es nimmer;
Wenn du kein Spielmann wärst!"

Dank für das Wort! und es sei nicht vergessen;
Hab' mich mein Lebtag zu hoch nicht vermessen,
Aber ihr Mägdelein mögt es euch merken,
Haltet auf Tugend in Worten und Werken,
Jeglichem Mann, was im Sinn er auch hege,
Wenn's nicht ein Spielmann ist, geht aus dem Wege;
Wenn's nicht ein Spielmann ist!

Doch einem Spielmann, ja den könnt ihr glauben,
Dürfet ihm dieses und jenes erlauben,
Müsset ihm niemals mit Nein was verschlagen,
Müsset nur immer hübsch Ja zu ihm sagen.
Ach! und wie freu' ich mich, will es nicht hehlen:
Weil ich ein Spielmann bin, kann mir's nicht fehlen;
Weil ich ein Spielmann bin!

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4. Der Kranz [sung text not yet checked]

Die Blumen in deinem Kranze,
Roth, gelb, blau, blümerant,
Die haben mit ihrem Glanze
Mir in die Augen gebrannt.

So schönen wie du trug Keine,
Und Keiner stand ihrer so gut,
Wie mit einem Heiligenscheine 
Gingst du in des Kranzes Hut.

Sternblüthen Primeln und Glocken 
Und blaue Vergißmeinnicht 
Umrahmten dir in den Locken
Dein eigenes Blumengesicht.

Und röthliche Blätter und Ranken
Schmiegten sich her und hin,
Mir kamen nur gute Gedanken
In meinen begehrlichen Sinn.

Der Blumen Weben und Schweben 
Hat mir das Herz berückt,
Ich hätt' um Leib und Leben 
Den Kranz dir nicht zerpflückt.

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5. Liebchen Geige [sung text not yet checked]

Die ich [für's Leben]1 mir gewählt 
Ist eine kleine Braune, 
Die Einz'ge, die mich nie gequält
Mit Eifersucht und Laune.
Sie ruht, in meinen Arm geschmiegt,
An meiner linken Wange,
Geherzt, geliebkost und gewiegt,
Lohnt sie mir mit Gesange.

Was lebt und webt in meiner Brust,
Sie weiß davon zu sagen,
Sie jubelt auf in heller Lust 
Und seufzt in leisen Klagen.
Sie grollt und wettert, jauchzt und springt,
Singt lockend süße Lieder,
Und meine ganze Seele klingt 
Aus ihren Saiten wieder.

Mein Geigenliebchen, komm ans Kinn
Und laß dein Stimmlein hören,
Du Lacherin, du Trösterin,
Du Zaubrin mit Beschwören! 
Ich drücke dich und streichle dich
Traumselig mit dem Bogen 
Und wonnig überströmst du mich 
Mit deiner Töne Wogen.

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1 Rosenthal: "zum Liebchen"; further changes may exist not noted above.

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6. Grabschrift  [sung text not yet checked]

Und bötet ihr ein Bisthum mir
Und wolltet mich heilig sprechen,
Ich ließe für der Insul Zier
Nicht ab vom Singen und Zechen.
Und suchtet ihr eine Pfalz mir aus,
Ich bliebe, statt hoch zu thronen,
In einer junglustigen Wittib Haus
Viel lieber im Winter wohnen.

Ich mag in keinem Kreuzgang ruhn,
Will einst im Walde schlafen,
Und wollt ihr mir groß Ehre thun
An meines Schiffleins Hafen,
So meißelt mir die Chronika:
Er war unter seines Gleichen
Ein Markgraf der Frau Musika
In ihren blühenden Reichen.

Er war ein Wandrer dieser Welt,
Sein Lied war sein Begleiter,
Er war ein Fahrender ohne Zelt,
Ein Spielmann und nichts weiter.
Er war mehr fröhlich, als betrübt
Und führt' ein nothhaft Leben,
Hat viel gesungen, viel geliebt,
Drum sei ihm viel vergeben!

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