4 Lieder von E. Geibel

by Hans Michael Schletterer (1824 - 1893)

1. Im Gebirg [sung text not yet checked]

Nun rauscht im Morgenwinde sacht,
So Busch als Waldrevier!
So rauscht meine Sehnsucht Tag und Nacht,
Rauscht immerdar nach dir.

Du merkst es nicht, du bist so weit,
Kein Laut herüber spricht;
O schlimme Zeit, einsame Zeit!
Und Flügel hab' ich nicht.

Vom höchsten Berg mein Auge sieht
Umsonst nach West und Ost,
Ein Gruß zu dir, von dir ein Lied,
Das ist mein einz'ger Trost.

So sing' ich denn durch Wald und Dorn
Meine Weis' im Wanderzug:
"Deine Lieb' das ist ein süßer Born,
Deß trink' ich nie genug."

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2. Schmetterling [sung text not yet checked]

Ein Wetterfähnlein ist mein Sinn,
Er schwankt und wankt im Lieben,
Er dreht sich her und dreht sich hin,
Von jedem Wind getrieben.
Ich weiß nicht, ist's mit mir allein,
Mag's andern auch so gehen?
An jedem Fenster groß und klein
Muß ich was Holdes sehen.

Heut klopf' ich bei der Blonden an
Und morgen bei der Braunen,
Und übermorgen muß ich dann
Der Schwarzen Reiz bestaunen.
Nur kann ich nimmer allzulang
Bei einer mich verweilen;
Macht mich ein dunkles Auge krank,
Ein blaues muß mich heilen.

Und leicht gewogen hier am Ort
Sind mir die ros'gen Schönen,
Denn jede hört ein Liebeswort
Zur Zither gern ertönen,
Und jede schwärmt auf ihre Art
Beim sanften Glanz der Sterne,
Und machst du's nur ein wenig zart,
So küßt auch jede gerne.

So fliehn mir denn in leiser Spur
Dahin die schnellen Stunden;
Ich seufze nicht, ich singe nur
Und weiß von keinen Wunden;
Bald bin ich dort, bald bin ich hier,
An Scherz und Spiel mich labend,
Und jeder Tag bringt Lieder mir
Und Küsse jeder Abend.

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3. Der arme Taugenichts [sung text not yet checked]

Ich kann wahrhaftig [doch nichts]1 dafür,
Daß schief mir die Nas' im Gesichte steht,
Und daß sich's leichter zur Schenkentür
Als hinter dem Pflug auf dem Felde geht,
Und daß mir besser des Müllers Kind
Als unser dicker Herr Pfarrer gefällt -
Ich aber predige in den Wind;
Denn [nimmer begreift]2 mich die arge Welt.

Der Müller, der ist euch ein grimmer Kumpan!
Er sagt, ich wäre ein Taugenichts,
Und die Leute im Dorfe glauben daran,
Und auch sein rosiges Töchterlein spricht's.
Und wenn sie mich sieht am Mühlbach stehn,
Da rümpft sie das Näschen und zieht ein Gesicht,
Und weiß doch so zierlich dabei sich zu drehn,
Daß vor Ärger und Liebe das Herz mir bricht.

Nun klag' ich mein Leid den Bäumen da drauß,
Doch sie bleiben so stumm, [doch]3 sie bleiben so starr,
Und Kuckuck und Gimpel pfeifen mich aus,
Und die Käfer summen: du Narr! du Narr!
Und wird das nicht anders, und kommt's nicht bald,
So halt' ich's im Dorfe nimmermehr aus;
Da zieh' ich davon durch den großen Wald
Und streiche die Fiedel von Haus zu Haus.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "The poor good-for-naught", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Le pauvre bon à rien", copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission

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1 Marschner: "nichts"
2 Marschner: "nimmermehr hört"
3 Marschner: "und"

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4. Im Herbste [sung text not yet checked]

Auf des Gartens Mauerzinne,
bebt noch eine einz'ge Ranke,
also bebt in meinem Sinne,
schmerzlich nur noch ein Gedanke.
Kaum vermag ich ihn zu fassen,
aber dennoch von mir lassen,
will er, ach, zu keiner Frist.
Und so denk ich ihn und trage
alle Nächte, alle Tage,
mit mir fort die [dumpfe]1 Klage,
daß du mir verloren bist.

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  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "In the autumn", copyright ©
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "En automne", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Gedichte von Emmanuel Geibel, zweiundsiebzigste Auflage, Stuttgart, Verlag der J G Cotta'schen Buchhandlung, 1873.

1 Randhartinger: "dunkle"

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