Lieder aus Julius Wolff's Dichtungen für 1 Singstimme mit Pianoforte

Song Cycle by Hermann Brune (1856 - 1922)

Word count: 1068

1. In der Sommernacht [sung text not yet checked]

O warme, linde Sommernacht,
Erheb' in deinen stillen, dunkeln,
Geheimnisvollen Sternenraum
Auch meiner Jugend schönsten Traum,
Und laß ihn wie ein Sternbild funkeln!
Doch wenn der junge Tag erwacht,
Dann fort, ihr Träume! klares Licht,
Laß mich den Weg, in Fels gehauen,
Wie ihn die treue Kraft sich bricht,
Von Nebeln frei und Wolken schauen!
Hier halt' ich wonnevoll umschlungen
Sie, die ich selig mir errungen,
Hier Aug' in Auge, Brust an Brust
Ruht mir des Lebens Glanz und Lust.
Nimm, Schicksal, alles von mir hin,
Mein Hab und Gut und frohen Sinn,
Laß noch so arm, ganz arm mich werden,
Ja, nimm auch meiner Augen Licht
Und jede Freude mir auf Erden, --
Nur meine Liebe nimm mir nicht! --

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2. Wenn der Stern über'm Kirchthurm steht [sung text not yet checked]

Wenn der Stern überm Kirchthurm steht
  Mitten in der Nacht,
Weiß ich, wo der Weg hingeht
  Mitten in der Nacht.
Mägdlein, das wartet mein,
Wartet mein zum Stelldichein,
  Giebt mir in Kauf
Alle seine Lieb' und Huld,
Ach! du liebe Ungeduld!
  Sternlein zieh' auf!


Klingling! ans Fensterlein
  Überm Spalier,
Klettre wie die Katz hinein
  Übers Spalier,
Und in meinem Sinn voraus
Mal' ich mir die Freude aus,
  Freuden zu Hauf,
Lös' ihr alle Zöpfelein,
Nestel' ihr alle Knöpfelein --
  Fensterlein auf!

Im Stübchen mit knapper Noth,
  Warm ist's und nett,
Herzt mich das Mädel halb todt,
  Warm ist's und nett.
Liebchen, sei gut und fromm,
Daß ich zu Athem komm'
  Und mich verschnauf',
Küß' nicht so laut, mit Gunst!
Weckst ja den Nachbar sunst,
  Mägdlein, hör' auf!

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "When the star stands above the church tower", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

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3. Lockung [sung text not yet checked]

Schläfst du, Liebchen? schläfst du schon?
Laß kein Traum dich irren,
Horche, wie mit süßem Ton
Meine Saiten schwirren.
Blinkend lauschen alle Sterne
Auf mein Liedlein zur Quinterne,
Klimperlingklingkling! laß ein!
Liebe will bei Liebe sein.

Oder komm herunter sacht
Nur in leichter Hülle,
Daß sich in verschwiegner Nacht 
Unser Wunsch erfülle
Und beschirmt von dichten Zweigen
Innig sich die Herzen neigen.
Klimperlingklingkling! steh auf! 
Loser Fuß hat leisen Lauf.

Eilend rauscht der kleine Fluß,
Seine Wasser klingen,
Wellen tauschen Gruß und Kuß 
Flüchtig im Umschlingen.
Willst in meinen Arm dich schmiegen,
Will ich dich wie Wellen wiegen.
Klimperlingklingkling! mach' schnell!
Muth ist jeden Glücks Gesell.

Liebchen, holdes Liebchen, komm!
Schleiche auf den Zehen,
Laß mit Zaudern furchtsam fromm
Nicht die Zeit vergehen,
Daß der Morgen uns nicht grauet,
Eh' du mir dein Herz vertrauet.
Klimperlingklingkling! -- klingling!
Horch! der Riegel klirrt im Ring.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Temptation", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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4. Und wenn ich des Papstes Schlüssel trüg' [sung text not yet checked]

Und wenn ich des Papstes Schlüssel trüg',
Und wenn mit des Kaisers Schwert ich schlüg',
Ich wüßt' eine Wundermäre;
Ich spräche wohl heilig mein Herzenslieb
Und schlüge zum Ritter den Tugenddieb,
Wenn ich und kein Andrer es wäre.

Komm, komm, viellieber Geselle mein,
Du wilder Falke, kehr' ein, kehr' ein!
Ich weiß einen Himmel auf Erden;
Und wenn du auch noch kein Ritter bist,
Und wenn auch dein Lieb keine Heilige ist,
Da können wir selig werden.

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5. Tannhäusers Lied [sung text not yet checked]

Wie soll ich's bergen, wie soll ich's tragen,
Was Du mir selber ins Herz gelegt?
Kann es nicht hehlen und kann es nicht sagen,
Was meine ganze Seele bewegt.

All meine Sinne und alle Gedanken,
Unstät und flüchtig verlassen sie mich,
Dich zu umwinden wie klimmende Ranken,
Klammern sich fester und fester an Dich.

Immer Dich sehen möcht' ich und hören,
Immer Dir schauen ins Angesicht,
Könnt' ich mir nur Deinen Schatten beschwören!
Lieberes zeigt ja die Sonne mir nicht. 

Aber nach Worten hasch' ich vergebens,
Was ich empfinde, verschweigen sie doch,
Du bist das Licht und der Klang meines Lebens,
Und ich bin selber dein Schatten nur noch.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2020, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Julius Wolff, Tannhäuser. Ein Minnesang, Erster Band, Berlin: G. Grote'sche Verlagsbuchhandlung, 1890, pages 130-131.


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6. Vogelfrei [sung text not yet checked]

Vogelfrei und sorgenlos 
Treib' ich mich durch's Weite,
Und die Welt, die Welt ist groß 
In der Läng' und Breite.

Wo kein Weg und wo kein Steg,
Weiß ich mich zu finden,
Grade zu geht's oder schräg,
Flott in allen Winden.

Wo ich geh' und wo ich steh',
Kann ich selig werden,
Denn nach meinem Wohl und Weh 
Fragt kein Mensch auf Erden.

Meinen Waizen seh' ich blühn
Auch im kleinsten Städtchen,
Mir sind alle Wirthe grün
Und nicht gram die Mädchen.

Kann ich nur ein lustig Lied
Singen oder geigen,
Wird auch sonder Unterschied
Alles mir zu eigen.

Hier ein Kännlein, dort ein Kuß,
Schlafen oder Zechen,
Und in allem Überfluß
Brauch' ich nichts zu blechen.

Leicht Gepäck und leichten Schritt,
Leichten Sinn auch hab' ich,
Manch ein Herzchen nehm' ich mit,
Und von dannen trab' ich.

Um kein ungelegtes Ei
Kümmr' ich mich daneben, 
Sorgenlos und vogelfrei,
Das ist Spielmannsleben. 

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Free as a bird", copyright © 2020, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Julius Wolff, Singuf. Rattenfängerlieder, Dritte vermehrte Auflage, Berlin: G. Grote'sche Verlagsbuchhandlung, 1883, pages 10-11.


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7. Böser Traum  [sung text not yet checked]

Jüngst hatt' ich einen bösen Traum: 
Mein Leben war verwettet,
Der Strang hing schon für mich am Baum, 
Und ich war schlimm verkettet.

Da sprengt' ein Reiter: "Hört mich! hört!"
Rief er mit raschem Winken,
"Singuf ist frei, wenn er verschwört
Das Küssen oder das Trinken!"

O Marterbosheit! solche Qual 
Noch in der letzten Stunde! 
Schon halb gehängt und noch die Wahl 
Zwischen Becher und rothem Munde!

"Ach was! und wenn ich hängen muß! 
Ich kann mich nicht entscheiden,
Den Strick um Hals! will Trunk und Kuß 
Und Kuß und Trunk nicht meiden!"

Die Leiter knarrt, -- da wacht' ich auf,
Von schwerem Alp befreiet,
Getröstet, daß mein Lebenslauf 
Mir annoch gut gedeihet.

Doch hat mich in der Morgenruh 
Gemahnt des Traums Versinken:
Ich soll, eh' es zu spät dazu,
Mehr küssen und auch mehr trinken.

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8. Die Spröde [sung text not yet checked]

Sie zieht mich wahrhaftig am Narrenseil 
Herauf und herab die Wege,
Wohin auch bei Tag und nächtlicher Weil'
Ich immer auf Lauer mich lege.
Bald zeigt sie mir ein freundlich Gesicht,
Bald fragt sie, ob mich der Haber sticht,
Und immer ein schnippisches Nein! 
Da hole der Teufel das Frei'n!

Ich habe nach ihr mir den Hals verrenkt
Und bin durch die Hecke gekrochen,
Ich hab' ihr Bänder und Borten geschenkt
Und was nicht noch Alles versprochen! 
Sie dankt mir kaum, als müßt' es sein, 
Und lacht mich aus noch obenein,
Und frag' ich: was krieg' denn ich? 
Heißt's neckisch: wart' auf mich! 

Das Warten hab' ich nun bald gelernt
Und Abends vor dem Thore 
Auf jedes Geräusch, nah und entfernt, 
Gehorcht mit dem einen Ohre.
Ich sah, wie im Dämmer die Schnepfe strich,
Der Marder bäumte, der Igel schlich,
Mir bebten manchmal die Knie,
Wer aber nicht kam, war sie.

Was fang' ich nun an mit der Wetterdirn,
Der so lang' ich schon nachgelaufen? 
Ich weiß kein Mittel mehr, sie zu kirrn,
Die Haare möcht' ich mir raufen. 
Halt! nicht beim Wege mehr seh' ich sie an,
Vielleicht von selber kommt sie mir dann.
Doch wenn sie's nun ebenso macht? 
Was dann? ja dann gut Nacht!

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