Sieben Gedichte von Mathilde Wesendonck für 1 Singstimme mit Pianofortebegleitung

Song Cycle by Ödön (Edmund) von Mihalovich (1842 - 1929)

Word count: 431

1. Im Herzen trüb' und traurig [sung text checked 1 time]

Im Herzen [trübe]1 und traurig
  Da [seufzt]2 ein tiefes Weh,
So abgrundsvoll und schaurig,
  [Wohl]3 wie die tiefe See.

Und Seufzer streichen als Winde
Hinüber, herüber die Fluth,
Erinn'rung strahlet linde
Darein wie Abendgluth.

Als Schifflein segelt die Hoffnung
Von Sehnsucht getrieben [vom]4 Strand,
Es [schwanket]5 in wilder Brandung,
Stößt nimmermehr an's Land!

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From a letter dated July 3, 1863
1 Mihalovich: "trüb' "
2 Mihalovich: "grollt"
3 Mihalovich: "Als"
4 Becker: "zum"
5 Mihalovich: "schwankt"

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2. Ich träumte, du seist mir gut und treu [sung text checked 1 time]

Ich träumte, Du seist mir gut und treu,
[Du lagst]1 zu meinen Füßen,
Und sprachst von Liebesqual und Reu'
Mit Deiner Stimme, der süßen.
Ich legte die Hände Dir auf's Haupt,
Bedeckt' es mit Thränen und Küssen:
Ich habe ja so gern geglaubt
Der lieben Stimme, der süßen!

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1 Grosse: "Und lägst"

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3. Du weißt wohl Nichts von jenem Sehnen [sung text checked 1 time]

Du weißt wohl Nichts von jenem Sehnen
Nach einem trauten Freundeswort,
Weißt nicht, wie sich die Stunden dehnen
Zu Ewigkeiten fort und fort?

Du weißt wohl Nichts von jenem Bangen,
Von jener schmerzbewegten Lust,
Nichts von dem stürmischen Verlangen,
Zu ruh'n an einer treuen Brust?

O, dürft' ich einmal sie umfassen,
Wie hielt ich sie auf immer fest,
Ich wollte nimmer von ihr lassen
Und baute fröhlich d'rin mein Nest.

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4. Gieb mir ein Herz von Eisen [sung text checked 1 time]

Gieb mir ein Herz von Eisen
In einer Brust von Stahl,
Daß ich mag sicher reisen
Durch dieses Erdenthal.

Denn sie, die ich zumeist geliebt,
Zum Tode haben mich betrübt;
Ich blut' aus tausend Wunden,
Mag nimmermehr gesunden!

Gieb mir ein Herz von Eisen
In einer Brust von Stahl,
Daß ich mag sicher reisen
Durch dieses Erdenthal.

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5. Einen Menschen heiß zu lieben [sung text checked 1 time]

Einen Menschen heiß zu lieben
Mit der ganzen ganzen Menschenbrust,
Sich bewusst der Gegenliebe
Das ist höchste höchste Erdenlust!

Was auch Sterbliche hoch preisen,
Was das Leben großes Beut,
Alles, alles überstrahlet,
Solcher Liebe Seligkeit.

Tugend, Schönheid, Ruhm und Größe
Wohl den Menschen ehrt und schmückt,
Doch von ganzer Seele lieben
Das allein allein allein beglückt!

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6. Ich weiß einen Gedanken [sung text checked 1 time]

Ich weiß einen Gedanken,
Den denk' ich Tag und Nacht,
Und müßt' ich ewig denken,
Hätt' nie ihn ausgedacht.

Und was mein Herz will kränken
Und was mich traurig macht,
Ein trautes Dein-Gedanken
Ist wie ein Stern in Nacht.

Er leuchtet ohne Wanken,
Ob's in mir weint, ob's lacht,
Hoch über allen Schranken
Ist, was mich selig macht.

Und tief in mir geborgen
Ruht's in des Busens Schacht,
Was, denkend Nacht und Morgen -
Ich nie doch ausgedacht.

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7. O, wie wonnig ist's zu stürmen [sung text checked 1 time]

O, wie wonnig ist's zu stürmen
Durch des Lenzes Fluren hin,
Wenn der Freude Sonnenrosse
Uns die lichten Bahnen zieh'n,
Wenn die langen, gold'nen Mähnen
Luftaushauchend Flammen sprüh'n,

Wenn die blitzesschnellen Hufe
Mit uns zu den Sternen flieh'n,
Und von Sonn' zu Sonn' getragen
Göttlich wir vor Göttern knieen!
Ach, wer griffe nicht vermessen
Nach den gold'nen Zügeln kühn,
Stürzt er auch von Phoebos' Wagen
Ikaros, zum Abgrund hin!

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