by Judith Gautier (1845 - 1917)
Translation by Hans Bethge (1876 - 1946)

Die Einsame im Herbst
Language: German (Deutsch)  after the French (Français) 
Herbstnebel wallen bläulich überm Strom,
Vom Reif bezogen stehen alle Gräser,
Man meint, ein Künstler habe Staub von Jade
Über die feinen Halme ausgestreut.

Der süße Duft der Blumen ist verflogen,
Ein kalter Wind beugt ihre Stengel nieder;
Bald werden die verwelkten goldnen Blätter
Der Lotosblüten auf dem Wasser ziehn.

Mein Herz ist müde. Meine kleine Lampe
Erlosch mit Knistern, an den Schlaf gemahnend.
Ich komme zu dir, traute Ruhestätte, -
Ja, gib mir Schlaf, ich hab Erquickung not!

Ich weine viel in meinen Einsamkeiten,
Der Herbst in meinem Herzen währt zu lange;
Sonne der Liebe, willst du nie mehr scheinen,
Um meine bittern Tränen aufzutrocknen? 

Confirmed with Hans Bethge, Die chinesische Flöte, Insel Verlag, 1918, page 56.


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  • Also set in German (Deutsch), [adaptation] ; composed by Gustav Mahler.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

This text was added to the website: 2004-01-16
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