by Eduard Mörike (1804 - 1875)

Die traurige Krönung
Language: German (Deutsch) 
Available translation(s): ENG FRE
Es war ein König Millesint,
Von dem will ich euch sagen:
Der meuchelte sein Bruderskind,
Wollte selbst die Krone tragen.
Die Krönung ward mit Prangen
Auf Liffey-Schloß begangen.
O Irland! Irland! warest du so blind?

Der König sitzt um Mitternacht
Im leeren Marmorsaale,
Sieht irr in all die neue Pracht,
Wie trunken von dem Mahle;
Er spricht zu seinem Sohne:
"Noch einmal bring die Krone!
Doch schau, wer had die Pforten aufgemacht?"

Da kommt ein seltsam Totenspiel,
Ein Zug mit leisen Tritten,
Vermummte Gäste groß and viel,
Eine Krone schwankt in Mitten;
Es drängt sich durch die Pforte
Mit Flüstern ohne Worte;
Dem Könige, dem wird so geisterschwül.

Und aus der schwarzen Menge blickt
Ein Kind mit frischer Wunde,
Es lächelt sterbensweh and nickt,
Es macht im Saal die Runde,
Es trippelt zu dem Throne,
Es reichet eine Krone
Dem Könige, des Herze tief erschrickt.

Darauf der Zug von dannen strich,
Von Morgenluft berauschet,
Die Kerzen flackern wunderlich,
Der Mond am Fenster lauschet,
Der Sohn mit Angst and Schweigen
Zum Vater tät sich neigen-
Er neiget über eine Leiche sich.

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Charles James Pearson) , "Mournful coronation", copyright ©, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Le triste couronnement", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission


Researcher for this text: Charles James Pearson

Text added to the website between May 1995 and September 2003.
Last modified: 2014-06-16 10:01:42
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