Abends unter der Linde
Language: German (Deutsch) 
Woher, o namenloses Sehnen,
Das den beklemmten Busen preßt?
Woher, ihr bittersüßen Thränen,
Die ihr das Auge dämmernd näßt?
O Abendroth, o Mondenbliz,
Flimmt blasser um den Lindensitz!

Es säuselt in dem Laub der Linde;
Es flistert im Akazienstrauch.
Mir schmeichelt süß, mir schmeichelt linde
Des grauen Abends lauer Hauch.
Es spricht um mich wie Geistergruß;
Es weht mich an wie Engelkuß.

Es glänzt, es glänzt im Nachtgefilde.
Der Linde graue Scheitel bebt.
Verklärte, himmlische Gebilde,
Seyd ihr es, die ihr mich umschwebt?
Ich fühle eures Athems Kuß,
O Julie! o Emilius!

Bleibt, Selge, bleibt in eurem Eden!
Des Lebens Hauch bläst schwer und schwül
Durch stumme leichenvolle Öden.
Bey euch nur walten dämmernd Kühl
Und tiefe Ruh. Drum fahret wohl!
Für heut und morgen fahret wohl!

Confirmed with Kosegarten's Dichtungen. Achter Band. Lyrischer Gedichte Zehntes, elftes, zwölftes Buch. Greifswald, gedruckt beym Königl. Directeur J.H. Eckhardt. 1813, pages 230-231.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

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Set in a modified version by Franz Peter Schubert.


Researcher for this text: Peter Rastl [Guest Editor]

Text added to the website: 2017-06-07 00:00:00
Last modified: 2017-08-08 16:04:24
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