Des Sängers Habe
Language: German (Deutsch) 
Schlagt mein ganzes Glück in Splitter,
Nehmt mir alle Habe gleich,
Lasset mir nur meine Zither
Und ich bleibe froh und reich.

Sie horcht freundlich jeder Klage
Und hat einen Trost dafür,
Weiß was ich im Herzen trage
Und spricht gern davon mit mir.

Wenn die schlichten Saiten klingen,
Lichtet sich des Lebens Nacht
Und auf unsichtbaren Schwingen
Naht ein Gott in stiller Macht.

Will die Liebe nicht gewähren,
Bricht mir Freundschaft Treu und Pflicht,
Kann ich beide stolz entbehren,
Aber meine Zither nicht.

In des Scheidens schwerer Stunde
Soll sie mir ein Kissen sein,
Singe sie mit süßem Munde
In den letzten Schlaf mich ein.

Senkt dann in den Grund des Haines
Den Entschlummerten hinab
Und statt eines Leichensteines
Stellt die Zither auf sein Grab:

Daß er, wenn zum Nebelreigen
Aus des Todes dunklem Bann
Mitternachts die Schatten steigen,
Ihre Saiten rühren kann.

Confirmed with Ephemeren. Dichtungen von weiland Franz Freiherrn von Schlechta-Wssehrd. Mit einem Vorworte von Heinrich Laube. Zweite Auflage. Wien. Pest. Leipzig. A. Hartleben's Verlag. 1876, pages 30-31.

Note: This is a substantially revised version of the poem set by Schubert, which he had received from Schlechta in handwritten form; see below.


Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

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Set in a modified version by Franz Peter Schubert.


Researcher for this text: Peter Rastl [Guest Editor]

This text was added to the website: 2017-11-02
Line count: 28
Word count: 144