by Gottfried Keller (1819 - 1890)

O ein Glöcklein klingelt mir früh und...
Language: German (Deutsch) 
O ein Glöcklein klingelt mir früh und spät
Silbernen Schalles in die Seele hinein,
Zart wie ein Luftlied, welches von Osten weht,
Unermüdlich plaudernd, melodisch rein!

Aber wandl' ich es um zum Becherlein,
Kehr' ich es um und häng' es an meinen Mund,
Trinke daraus den allersüßesten Wein:
Schweigt das Glockenbecherchen zur Stund,

Hält sich stille, so lang ich trinken mag,
An meinen durstigen Lippen verhallt sein Rand,
Tönet jedoch wieder mit hellem Schlag,
Kaum ich es der innigen Haft entband.

Glas und Glöcklein ist, mein Engelchen!
Mir dein Mündchen ohne Rast und Ruh',
Und das Zünglein drin das Schwengelchen,
Das nie schweigt, als wenn ich dich küssen thu'!

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Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

This text was added to the website: 2006-12-23
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