by Rudolph Baumbach (1840 - 1905)

Schwer die Brust von Reu' und Herzeleide
Language: German (Deutsch) 
Available translation(s): ENG
Schwer die Brust von Reu' und [Herzeleide]1,
Zieht ein Knabe durch die grüne Haide.

"Sonne, lichte Sonne,"  spricht er flehend,
"Alles wissend bist du, alles sehend;

"Gib' mir Kunde von der Magd, der blassen,
Die ich einst am Quell im Wald verlassen." 

Sonne spricht:  "Ich sah auf meine Gange
Manch' verlass'nes Weib mit bleicher Wange, 

"Aber die du liessest grambeladen,
Sah ich nicht von meinen lichten Pfaden." 

Als der Mond erscheint zur Abendstunde,
Fragt der Knabe auch den Mond um Kunde:

"Sahst du nicht von deiner Himmelshöhe
Jene Eine, die ich liess im Wehe?"

Spricht der Mond:  "Wohl sah ich manches arme
Weib gequält von übergrossem Harme, 

"Aber jene, die du einst betrogen,
Sah ich nicht von meinem Himmelsbogen."

Leis im Grase flüstern zwei Narzissen:
"Weder Mond noch Sonne kann es wissen,

"Wo sein blasses Liebchen ist zu finden,
Doch wir Blumen könnten's wohl ihm künden,

"Die wir in der Erde uns verbergen,
Bis der Lenz uns weckt aus unsren Särgen."

About the headline (FAQ)

View original text (without footnotes)

Confirmed with Rudolph Baumbach, Lieder eines fahrenden Gesellen, vierte Auflage, Leipzig: Verlag von A. G. Liebeskind, 1882. pages 80 - 81.

1 Nolopp: "Leide"; further changes may exist not shown above.

Authorship

Musical settings (art songs, Lieder, mélodies, (etc.), choral pieces, and other vocal works set to this text), listed by composer (not necessarily exhaustive)

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2020, (re)printed on this website with kind permission


Researcher for this text: Melanie Trumbull

This text was added to the website: 2018-06-11
Line count: 24
Word count: 161