by Johannes Martin Miller (1750 - 1814)
Was frag' ich viel nach Geld und Gut
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Language: German (Deutsch)
Was frag' ich viel nach Geld und Gut, Wenn ich zufrieden bin! Giebt Gott mir nur gesundes Blut, So hab' ich frohen Sinn, Und sing' aus dankbarem Gemüth Mein Morgen- und mein Abendlied. So mancher schwimmt im Überfluß, Hat Haus und Hof und Geld; Und ist doch immer voll Verdruß Und freut sich nicht der Welt. Je mehr er hat, je mehr er will, Nie schweigen seine Klagen still. Da heißt die Welt ein Jammerthal Und deucht mir doch so schön, -- Hat Freuden ohne Maaß und Zahl, -- Läßt Keinen leer ausgehn. Das Käferlein, das Vögelein Darf sich ja auch des Mayen freu'n. Und uns zu Liebe schmücken ja Sich Wiese, Berg' und Wald, Und Vögel singen fern und nah Daß alles wiederhallt; Bei Arbeit singt die Lerch' uns zu, Die Nachtigall bey süßer Ruh. Und wenn die goldne Sonn' aufgeht, Und golden wird die Welt, Und Alles in der Blüthe steht, Und Ähren trägt das Feld; Dann denk' ich: alle diese Pracht Hat Gott zu meiner Lust gemacht. Dann preis' ich Gott, und lob' ich Gott Und schweb' in hohem Muth. Und denk'! Es ist ein lieber Gott, Und meynt's mit Menschen gut! Drum will ich immer dankbar seyn, Und mich der Güte Gottes freun.
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View text with all available footnotesConfirmed with Die Feyerstunden der Grazien, Zweiter Theil, Bern, in der Hallerschen Buchhandlung, 1782, pages 127-128.
Note: modern spelling convention would change "Giebt" to "Gibt", "Gemüth" to "Gemüt", "Jammerthal" to "Jammertal", "Mayen" to "Maien", "wiederhallt" to "widerhallt", "bey" to "bei", "Blüthe" to "Blüte", "Muth" to "Mut", "meynts" to "meint's", and "seyn" to "sein"
See Trostlied der Blinden, which adapts some lines from the first stanza.
Text Authorship:
- by Johannes Martin Miller (1750 - 1814), "Zufriedenheit" [author's text checked 1 time against a primary source]
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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]
This text was added to the website between May 1995 and September 2003.
Line count: 36
Word count: 209