[Sechs] Lieder eines fahrenden Gesellen für 1 mittlere Singstimme mit Pianofortebegleitung

Song Cycle by Friedrich [Fritz] Kirchner (1840 - 1907)

Word count: 689

1. Die Zither lockt, die Geige klingt [sung text not yet checked]

Die Zither lockt, die Geige klingt,
Juchhe, im Dorf ist Tanz! 
Der Michel seine Lise schwingt,
Die Grete schwingt der Hans.
  Ein Mädel flink zu drehen 
  Ist gar ein gutes Ding.
  Ich mag nicht müssig stehen 
  Und springe in den Ring.

Des reichen Schulzen Katherein
Ist hochgemuth und keck;
Des Müllers rundes Töchterlein
Ist gar ein lieber Schneck.
  Doch von den Dirnen allen,
  Die auf dem Plane sind,
  Will mir zumeist gefallen
  Des Geigers braunes Kind.

Den Silberling nimm, Alter, hin
Und spiel' dein schönstes Stück;
Gieb mir die Hand, Zigeunerin,
Ihr andern, weicht zurück! 
  Nun jubelt auf ihr Geigen,
  Ihr Pfeifen klingt und gellt!
  Denk', Mädel, uns [zwei beiden
  Gehört die ganze Welt.]1

Schau' nicht so ängstlich vor dich hin,
Schlag' auf die Augen hell! 
Ich bin, wie du Landfahrerin,
Ein fahrender Gesell.
  Zu mein' und deiner Freude
  Der Mai die Rosen schuf,
  Und ich und du, wir beide,
  Sind besser als unser Ruf.

Authorship

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "The zither entices, the violin rings out", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Rudolf Baumbach, Lieder eines fahrenden Gesellen, Leipzig: Verlag von A. G. Liebeskind, 1878, pages 16-17.

1 In a later edition (1885), this was changed to " zu eigen / Ist heut die ganze Welt."

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

2. Frau Fortuna mit ihrem Horn [sung text not yet checked]

Frau Fortuna mit ihrem Horn
Kam um mich zu beglücken.
Schneeweiss blühte der Hagedorn,
Lustig tanzten die Mücken.
  Frau Fortuna, es thut mir leid,
  Habe für Euch jetzt keine Zeit.
  Wandern muss ich und schauen
  Berge, Wälder und Auen.

Frau Fortuna zum andern Mal
Trat mir winkend entgegen,
Als mir schäumte im grünen Pokal
Edelster Reben Segen.
  Frau Fortuna, es thut mir leid,
  Habe für Euch jetzt keine Zeit.
  Muss, und sollt' ich zu Grund geh'n,
  Erst dem Fass auf den Grund seh'n.

Frau Fortuna mit voller Hand
Kam zum dritten gegangen,
Als ich der blühendsten Dirn im Land
Mündlein küsste und Wangen.
  Frau Fortuna, es thut mir leid,
  Habe noch immer keine Zeit.
  Küssen, zechen und wandern
  Lasst mich. -- Beglückt einen Andern!

Authorship

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3. Der Wagen rollt [sung text not yet checked]

Hoch auf dem gelben Wagen
Sitz' ich bei'm Schwager vorn.
Vorwärts die Rosse jagen,
Lustig schmettert das Horn.
Berge und Wälder und Matten,
Wogendes Aehrengold. --
Möchte wohl ruhen im Schatten,
Aber der Wagen rollt.

Flöten hör' ich und Geigen,
Kräftiges Bassgebrumm;
Lustiges Volk im Reigen
Tanzt um die Linde herum,
Wirbelt wie Laub im Winde,
Jubelt und lacht und tollt. --
Bliebe so gern bei der Linde,
Aber der Wagen rollt.

Postillon an der Schenke
Füttert die [Rosse]1 im Flug;
Schäumendes Gerstengetränke
Bringt uns der Wirth im Krug.
Hinter den Fensterscheiben
Lacht ein Gesichtchen hold. --
Möchte so [gern]2 noch bleiben,
Aber der Wagen rollt.

Sitzt einmal ein Gerippe
Hoch auf dem Wagen vorn,
Trägt statt Peitsche die Hippe,
Stundenglas statt Horn --
Ruf' ich: "Ade ihr Lieben,
Die ihr noch bleiben wollt;
Gern wär' ich selbst noch geblieben,
Aber der Wagen rollt."

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "The coach trundles onward", copyright © 2020, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Rudolf Baumbach Lieder eines fahrenden Gesellen, Vierte Auflage, Leipzig: Verlag von A.G. Liebeskind, 1882, pages 161-162.

1 Metzig: "Ross' "
2 Metzig: "gerne"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

4. Märzenwind [sung text not yet checked]

Kühl war die Märzenluft, heiss war mein Blut.
Wind kam geflogen und nahm mir den Hut. 

Über den Gartenzaun ward er geweht.
Dort hat gefunden ihn Nachbars Margareth,

Hat ihm die Erde geblasen vom Rand
Und ihm ein Veilchen gesteckt unter's Band,

Warf ihn herüber mir ohne ein Wort.
Als ich ihr danken wollt', war sie schon fort. 

Nun muss ich täglich am Gartenzaun steh'n,
Wart' auf den Wind, doch der Wind will nicht weh'n. 

Gretchen auch schau' ich durch's Gartenstacket,
Aber nicht einmal den Blondkopf sie dreht. 

Hilft mir der Wind nicht, so werf' ich hinein
Selber den Hut ihr und steig' hinterdrein!

Authorship

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "March wind", copyright © 2020, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Rudolf Baumbach, Lieder eines fahrenden Gesellen, Leipzig: Verlag von A. G. Liebeskind, 1885, pages 113-114.

Note: in many older editions, the spelling of the capitalized word "über" becomes "Ueber", but this is often due to the printing process and not to rules of orthography, since the lower-case version is not "ueber", so we use "Über".


Research team for this text: Malcolm Wren [Guest Editor] , Sharon Krebs [Guest Editor]

5. Der verrückte Geiger [sung text not yet checked]

Ein Geiger sitzt am Strassenrand 
Den Hui in's Haar gedrückt.
Er ist bekannt in Stadt und Land;
Der Geiger ist verrückt.
    Zerrissen ist sein Kleid,
    Durchlöchert ist sein Schuh,
Er schwingt den Bogen nimmer müd
    Und singt dazu:

,,Drei Saiten hat die Fiedel mein,
Die beste Saite sprang;
Drei Lieder weiss ich noch allein
Von hundert, die ich sang.
    Das erste sagt von Lieb,
    Das zweite sagt von Treu,
Das dritte klingt gar wüst und wild 
    Wie Sturm im Mai.`` 

Authorship

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Confirmed with Lieder eines fahrenden gesellen von Rudolf Baumbach, Vierte Auflage, Leipzig, Verlag von A. G. Liebeskind, 1882, p. 163.


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

6. Vogelfang [sung text not yet checked]

Man fängt die Vögel gross und klein 
Am besten an der Tränke;
Mich fing der Wirthin Töchterlein
Beim Weinkrug in der Schenke.

Es war das Netz, das mich bedroht,
Gezwirnt aus blonden Strähnen,
Lockspeise war ein Mündlein roth
Mit schimmernd weissen Zähnen.

Sie hält mich fest, lässt mich nicht heim;
Ich lass' es gern geschehen. --
Es giebt auch Vögel, die auf den Leim
Aus freien Stücken gehen.

Manch einer ist auch unverhofft 
Dem Käfig wieder entgangen. --
Zu halten ist weit schwerer oft
Der Vogel als zu fangen. 

Authorship

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Confirmed with Lieder eines fahrenden Gesellen von Rudolf Baumbach, Vierte Auflage, Leipzig, Verlag von A. G. Liebeskind, 1882, pages 165-166.


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]