Drei Sonette für Bassbariton und Klavier

Song Cycle by Hans Erich Pfitzner (1869 - 1949)

Word count: 285

1. Auf die Morgenröte [sung text checked 1 time]

Wann die goldne Frühe, neugeboren,
Am Olymp mein matter Blick erschaut,
Dann erblaß' ich, wein' und seufze laut:
Dort im Glanze wohnt, die ich verloren!
Grauer Tithon! du empfängst Auroren
Froh aufs neu, sobald der Abend taut;
Aber ich umarm' erst meine Braut
An des Schattenlandes schwarzen Toren. 
Tithon! Deines Alters Dämmerung
Mildert mit dem Strahl der Rosenstirne
Deine Gattin, ewig schön und jung: 
Aber mir erloschen die Gestirne,
Sank der Tag in öde Finsternis,
Als sich Molly dieser Welt entriß.

Authorship

Based on

Researcher for this text: John Versmoren

2. Der verspätete Wanderer [sung text checked 1 time]

Wo aber werd' ich sein im künft'gen Lenze?
So frug ich sonst wohl, wenn beim Hüteschwingen
Ins Tal wir ließen unser Lied erklingen,
Denn jeder Wipfel bot mir frische Kränze.

Ich wußte nur, daß rings der Frühling glänze,
Daß nach dem Meer die Ströme [leuchtend]1 gingen,
Von fernem Wunderland die Vögel singen,
Da hatt' das Morgenrot noch keine Grenze.

Jetzt aber wirds schon Abend, alle Lieben
Sind wandermüde längst zurückgeblieben,
Die Nachtluft rauscht durch meine welken Kränze,

Und heimwärts rufen mich die Abendglocken,
Und in der Einsamkeit frag ich erschrocken:
Wo werde ich wohl sein im künft'gen Lenze?

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , "The wanderer late in the evening", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Le voyageur attardé", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Joseph Freiherrn von Eichendorff's sämtliche poetische Werke, dritte Auflage, Erster Band, Gedichte, C. F. Amelang's Verlag, Leipzig, 1883, page 102.

1 Zillig: "funkelnd"

Researcher for this text: Jakob Kellner

3. Das Alter [sung text checked 1 time]

Hoch mit den Wolken geht der Vögel Reise,
Die Erde [schläfert]1, kaum noch Astern prangen,
Verstummt die Lieder, die so fröhlich klangen,
Und trüber Winter deckt die weiten Kreise.

Die Wanduhr pickt, im Zimmer singet leise
Waldvöglein noch, so du im Herbst gefangen.
Ein Bilderbuch scheint alles, was vergangen,
Du blätterst drin, geschützt vor Sturm und Eise.

So mild ist oft das Alter mir erschienen:
Wart nur, bald taut es von den Dächern wieder
Und über Nacht hat sich die Luft gewendet.

Ans Fenster klopft ein [Bot']2 mit frohen Mienen,
Du trittst erstaunt heraus -- und kehrst nicht wieder,
Denn endlich kommt der Lenz, der nimmer endet.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , "Old age", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Le vieillard", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "Vecchiaia", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission

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1 Zillig: "schläft"
2 Pfitzner: "Bote"

Researcher for this text: Jakob Kellner