Zehn Lieder aus Karl Stieler's "Wanderzeit"

Song Cycle by (Leonard Johann Heinrich) Albert Fuchs (1858 - 1910)

Word count: 696

1. Botschaft [sung text not yet checked]

Wenn's im Thal zu Abend läutet
Und es kommt die Dämmerzeit,
Wo durchs Feld ein Wandrer schreitet:
Süße Frau, dann sei bereit!

Denn zu dir kommt [der]1 gegangen,
Der in dir nur schafft und ruht;
Wanderglut deckt seine Wangen
Und sein Herz füllt Minneglut!

Aber du sollst inne werden,
Wie dies Herz an dir erblüht --
Sonnwendnacht webt um die Erden
Und des Wandrers Auge glüht.

Die verschwiegnen Sterne leuchten
Und sein Haar bedeckt der Thau;
Und in Wonne wird sich feuchten
Deine Wange -- süße Frau!

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , "Message", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Message", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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1 Thuille: "er"

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

2. Verhängniss [sung text not yet checked]

Wie ein Verhängnis kommt die Liebe,
Die mir nun Sinn und Seele bannt:
Mein Herz, wie gern es leben bliebe,
Zerbricht in deiner weißen Hand!

Den scheuen Blick, den kummertrüben,
Heft' ich dir forschend auf die Brust:
Ist's so bestimmt, daß ich dich lieben
Und daß du mich verderben mußt?

Denn jeglich' Schicksal heischt sein Ende.
Bist du das meine? Welch' ein Weh!
Und sehnend fass' ich doch die Hände,
In denen ich zugrunde geh'.

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Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

3. Komm' [sung text not yet checked]

Mein zitterndes Herz verlangt nach dir;
Es strömt in feurigen Gluten
Das wallende Blut zum Herzen mir -
Ich möcht' vor Liebe verbluten!

Und durch dein Herz, da rauscht's wie Föhn:
Du lauschest dem Sturm mit Grauen;
Schau' mir ins Aug'! -- es ist so schön,
Ins lodernde Feuer schauen!

Dir wogt die Brust, mir brennt das Blut,
Komm', eh' wir welken müssen!
Komm' wie der Föhn und schür' die Glut
Mit deinen flammenden Küssen!

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

4. Aus den Nibelungen [sung text not yet checked]

So steht es im alten Liede,
Wo Siegfrieds Liebe loht:
"Es zwang sie zu einander
Der sehnenden Minne Noth."

So ist's auch uns ergangen:
Uns wurden die Wangen roth,
Uns wurden bleich die Wangen
In sehnender Minne Noth.

Wir werden auch verderben,
Denn Liebe ist stark, wie Tod --
Es zwang uns zu einander
Der sehnenden Minne Noth!

Authorship

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Confirmed with Wanderzeit. Ein Liederbuch von Karl Stieler, Stuttgart, Verlag von Adolf Bonz & Comp., 1882, page 27.


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5. Nächtliches Wandern [sung text not yet checked]

Das ist ein seltsam Geh'n:
Die Tritte schallen;
Ich hör' den Südwind weh'n
Und Blätter fallen.

Die Bäche rauschen stumm,
Die regensatten;
Ich zieh' dahin -- rundum
Nur Schatten, Schatten!

Gewölk voll dunkler Kraft -
Ich zieh' so trübe -
Verstummt vor Leidenschaft -
Verirrt vor Liebe! - -

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6. Sehnsucht [sung text not yet checked]

Sehnsucht, wie [lang]1 dehnst du den Tag,
Wie öd' ist mir auf grüner Erden!
Stumm pocht das Herz mir, Schlag um Schlag,
Will es denn nimmer Abend werden?

Und wird es Abend -- wähnst du dann,
Daß dir der Abend Frieden brächte?
O, nur noch tiefer webt mein Bann! --
Sehnsucht, wie lang dehnst du die Nächte?

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1 Müller: "lange"

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

7. Am Bache [sung text not yet checked]

Ich hab' mich ganz [an]1 dich verloren,
Und wo ich gehen mag und sein:
Auf stiller Flur, im Lärm der Toren,
Auf allen Wegen bin ich dein!

Ich seh' den Abend und den Morgen
Nur mehr im Schimmer deines Blicks;
Du bist die Fülle meiner Sorgen,
Du bist die Fülle meines Glücks!

Ich ward wohl ganz ein Weltversäumer
Und fließt die Zeit doch wie der Bach;
Die Woge ruft: Wach' auf, du Träumer!
Doch nimmer, nimmer werd' ich wach.

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1 Erler: "in"; further changes may exist not shown above.

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8. Abendgang [sung text not yet checked]

Abendschatten füllt die Weite,
Abendfriede füllt die Welt;
Und ich zieh' an deiner Seite
Durch das kühle, grüne Feld.

Wortlos und mit sachtem Schritte,
Dein gedenkend, wie du mein,
Ohne Wunsch und ohne Bitte,
Will ich ganz dein eigen sein.

Wellen ziehn mit leisen Tönen,
Vöglein ziehn mit leisem Flug;
Und durch unser Herz zieht Sehnen --
Haben wir nicht Glücks genug?

Jugendglück im reifen Innern,
Liedertrost, der selig labt;
Und im Alter -- dies Erinnern,
Wie wir einst uns lieb gehabt?!

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Confirmed with Wanderzeit. Ein Liederbuch von Karl Stieler, Stuttgart, Verlag von Adolf Bonz & Comp., 1882, page 15.


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9. Dein [sung text not yet checked]

Mein ganzes Leben ist nun dein für immer,
Und jeder Athemzug ist eine Frage,
Ob du mich lieb hast? -- Ach, ich weiß es nimmer,
Ob ich's beneiden soll, ob ich's beklage!

Du bist die Kraft, wenn ich ermattet schwanke,
Du bist die Sonne, wenn mein Tag wird trübe;
Und geh' ich schlafen, ist's mein Nachtgedanke,
Ob du mich lieb hast -- so wie ich dich liebe?

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Confirmed with Wanderzeit. Ein Liederbuch von Karl Stieler, Stuttgart, Verlag von Adolf Bonz & Comp., 1882, page 25.


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10. Am Herde [sung text not yet checked]

Am Abend bin ich heimgekommen, 
Still saß die alte Mutter dort;
Ich saß bei ihr -- kurz und beklommen,
Da sprach sie leis: ,,Du willst noch fort?''

,,Ich weiß es wohl, zwei dunkle Augen 
Die sind dein Glück und sind mein Harm;
Will's dir daheim denn nimmer taugen?
Glänzt unser Feuer dir nicht warm?'' -- --

Ich sah sie au und ließ sie sagen,
Wie eine Wunde brennt ihr Wort; 
Ich hab' den Mantel umgeschlagen --
Der Nachtwind rauschte -- und gieng fort!

Authorship

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Confirmed with Wanderzeit. Ein Liederbuch von Karl Stieler, Stuttgart, Verlag von Adolf Bonz & Comp., 1882, p. 10.


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